„V6“ – mehr als ein Motor?!

Fünf Jahre FAUD-Lokal V6

Als wir am 1.11.2014 die Räume auf der Volmerswerther Str. 6, in unmittelbarer Nähe zur Bilker Kirche, bezogen, haben wir selbst noch keine Vorstellung davon gehabt, welche Möglichkeiten uns unser eigenes Lokal bieten würde.

Beratungen

Ab Dezember 2014 boten wir eine gewerkschaftliche Erstberatung an. Unsere Hoffnung, so zu kollektiven Aktionen zu kommen, hat sich bisher leider nur teilweise erfüllt. Nichtsdestotrotz ist diese Beratung bis heute Anlaufpunkt und Kontaktstelle für Arbeiter*innen, die den alltäglichen Terrorismus der Bosse nicht mehr widerspruchslos hinnehmen wollen. Unser Konzept der gegenseitigen Hilfe[1] und der direkten Aktion[2] fiel dabei natürlich nicht bei allen auf fruchtbaren Boden. Einige, die zu uns gekommen sind, haben die FAU Düsseldorf und ihre Angebote nicht als Einladung zur gemeinsamen Aktivität verstanden, sondern sie mit Caritas oder einem Dienstleistungsunternehmen verwechselt. Diese Kolleg*innen zogen dann auch schnell weiter. Insgesamt können wir aber festhalten, dass die meisten unser Vorgehen verstehen und dass sich gerade deshalb viele Arbeiter*innen der FAU Düsseldorf angeschlossen haben (auch wenn natürlich noch immer Luft nach oben ist). Aber die gewerkschaftliche Beratung und die sich daraus ergebenden Aktionen[3] waren und sind nicht das einzige, was bei uns stattfand. Bereits seit November 2014 bieten die unabhängigen Arbeitslosen jeden Mittwoch eine Beratung zu allen Fragen rund um Hartz IV an – mit dem Ziel, Arbeitslose zu vernetzen und in die Lage zu versetzen, sich (kollektiv) gegen die Schikanen der Jobcenter zur Wehr zu setzten. Seit neuestem wird das „Beratungsangebot“ noch um eine monatliche Sprechstunde zum Thema Lohnabrechnung und Lohnsteuer ergänzt.

Seminare und Kurse

Aus der Praxis der gewerkschaftlichen Beratung entstand sehr schnell die Idee, Grundlagenseminare zu organisieren. Denn sowohl wir selbst als natürlich auch die Menschen, die zu uns kommen, wissen oft erstaunlich wenig über ihre Rechte und die Möglichkeiten, diese auch durchzusetzen. Darum fingen wir schon bald an, Tagesseminare zu Themen wie „kollektives Arbeitsrecht“ und „individuelles Arbeitsrecht“ zu organisieren. Als praktisch veranlagte Gewerkschaft wollen wir den Menschen natürlich auch Mittel an die Hand geben, sich selbst am Arbeitsplatz zu organisieren. Darum haben wir zum Beispiel „Organizing Workshops“ angeboten. Die Seminare zur „gewerkschaftlichen Erstberatung“ richteten sich dagegen zwar eher an Syndikate der FAU in der Region West, waren aber offen auch für Nichtmitglieder!

Als Raum, der von den FAU-Mitgliedern selbst verwaltet und organisiert wird, fanden den Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend weitere Kurse/Seminare statt. So gab es über mehrere Jahre hinweg einen wöchentlichen Salsa-Kurs und, zum Bedauern des Autors dieser Zeilen, für nur ein Jahr auch einen Yoga-Kurs. Erwähnt werden muss ebenfalls der Spanisch-Kurs für Aktivist*innen. War es doch unseres Wissens nach der erste Sprachkurs in Düsseldorf, der direkt auf die Bedürfnisse gewerkschaftlicher, feministischer und antifaschistischer Aktivist*innen zugeschnitten war.

Zukünftig werden nicht nur die Arbeitsrechts-Seminare und Workshops zum Organizing und zur gewerkschaftlichen Erstberatung wieder stattfinden, sondern auch alle möglichen anderen Seminare, Kurse und Workshops (und vielleicht hast DU ja eine Idee, die du umsetzen möchtest?).

Veranstaltungen

Ein Rückblick auf fünf Jahre voller Veranstaltungen kann natürlich nur unvollständig sein und muss sich darüber hinaus auf diejenigen Veranstaltungen beschränken, die (in diesem Fall) dem Autoren besonders in Erinnerung geblieben sind.

Da wäre zum einen die Veranstaltung zum Amazon-Arbeitskampf zu nennen. Sie stach durch eine besondere Qualität heraus, konnte doch als Referent ausgerechnet der Kollege gewonnen werden, der bei Amazon Rheinberg mit Erfolg die (ver.di-)Betriebsgrupe aufgebaut, einen Betriebsrat installiert und dann mehrfach zu Streiks im Betrieb aufgerufen hatte. Und wenn er selbst auch „Sozialpartner“ durch und durch ist, so ist er doch gerne der Einladung der Anarchosyndikalist*innen gefolgt und hat „von der Pike auf“ berichtet. Mehr als einmal haben wir zudem Veranstaltungen zur von den Arbeiter*innen in Selbsverwaltung übernommen Fabrik Vio.Me organisiert. Anhand der Industriebaumittelfabrik Vio.Me haben wir die Krise (nicht nur) in Griechenland und vor allem die Möglichkeiten des Widerstandes durch Arbeiter*innen besprochen. Wichtig waren sicherlich auch unsere Veranstaltungen zum Tarifeinheitsgesetzt und zum Mindestlohn – auch wenn beide Veranstaltungen mehr Publikum verdient hätten.

Eine besondere Erwähnung verdienen sicherlich unsere Aktivitäten rund um den 8. März. So haben wir im Vorfeld die Streikbroschüre der FAU Dresden vorgestellt und genau erläutert, welche Perspektiven und Rahmenbedingungen es für einen F*Streik tatsächlich gibt. Darüber hinaus haben wir unser Lokal (erfolgreich) als „Streik“-Lokal zur Verfügung gestellt.

Einen besonderen Platz nehmen die jährlich wiederkehrenden Erinnerungsveranstaltungen ein. Neben der jährlichen Radtour auf den Spuren der Märzrevolution von 1920, sind da besonders die Erinnerungsveranstaltungen zu Ehren von Hans Schmitz[4] (den einige von uns ja noch persönlich kennenlernen durften) und Anton Rosinke[5] zu nennen.

Es gibt noch unzählige weitere Veranstaltungen zu Themen und Bewegungen weltweit, die aufzulisten ich uns hier jetzt erspare – jede einzelne regte aber zur Diskussion an und nicht selten auch zur Aktion.

Relativ neu sind Veranstaltungsreihen wie „Veganer Mitbring Brunch“ (der Brunch hat die Lücke geschlossen, die die Einstellung des Sozialrevolutionären Abendbrotes gerissen hatte) und „Wir müssen reden – über Literatur“, wo die Besucher*innen selbst ihre Literatur vorstellen, vorlesen und gemeinsam diskutieren (oder auch einfach nur genießen) könnn.

„Let’s denk“, hier ist jedes Mal ein Thema vorgegeben, über das wir dann diskutieren. Oder auch „Dokussion“, wo wir einmal im Monat eine Dokumentation zeigen, über die wir uns dann mit euch austauschen wollen.

Gruppen im V6

Unser Lokal haben wir von Anfang an auch für andere geöffnet. Egal ob nur mal so für eine einzelne Veranstaltung (Wir Frauen, Anarchistisches Projektkollektiv Düsseldorf), als Basis für die eigne Organisierung (feministischer Lesekreis, Marea Granate, Grupo de Acción Sindical, unabhängige Arbeitslose) oder für regelmäßige Veranstaltungen (z.B. Gruppe Gegenstandpunkt). Wir freuen uns darauf, das auch weiterhin tun zu können und laden insbesondere die Aktivist*innen neuer Bewegungen ein, uns doch mal zu besuchen und zu schauen, ob unser Raum ihren Bedürfnissen entspricht.

Jubiläum im V6. Anders feiern!

Dieses Mal wollen wir das Jubiläum unseres Ladenlokals und Büros nicht mit einer Party feiern. Stattdessen laden wir euch im November vom 22. bis 24.11. zu einem „Schwarzroten Wochenende“ zu uns ein. Wir bieten ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Dokussionen, Musik und gutem Essen.

[1]  gegenseitige Hilfe – damit meinen wir „Solidarität“ im ursprünglichem Sinne, d.h. als direkte Aktion und nicht (nur) als mündlich
[2]  direkte Aktion – ein oft missverstandener Begriff. Für uns bedeutet er zweierlei. Zum einen den Versuch unsere „Forderungen“ direkt um- und durchzusetzen. Unter bewusster Ausschaltung aller vermittelnder Instanzen. Zum anderen, das die betroffenen Personen selbst alle Entscheidungen treffen und eben auch selbst handeln müssen – und natürlich unterstützen wir den Entscheidungsprozess (indem wir unser Wissen und unsere Erfahrung mitteilen) und die Aktion (indem wir uns nach unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten im Rahmen des gewünschten einbringen).
[3]  zum Beispiel FAU wie Victory (https://terz.org/2016/04/fau.html)
[4]  Nachruf in der TERZ: https://terz.org/2007/05/hans-schmitz.html
[5]  https://duesseldorf.fau.org/?s=Anton+Rosinke


„Schwarzrotes Wochenende“ – die Termine

Weitere Infos auf https://duesseldorf.fau.org

22.11.2019

18:30 Uhr – Vortrag und Diskussion: „Anarchosyndikalismus Heute“ Rudolf Mühland (FAU Düsseldorf)

20:00 Uhr – Lesung und Diskussion: „B. Traven – Zu antikapitalistisch für das Buchbusiness“ Ralf G. Landmesser (Internationale B. Traven Gesellschaft)

23.11.2019

11:00 Uhr – Vortrag und Diskussion:
„Mujeres Libres“ („Freie Frauen“)
Rita (Femtopie Duisburg)

12:45 Uhr – Vortrag und Diskussion:
„Feminism in Latin America“ (in English)
Jazmín Duarte (Paraguay)

14:15 Uhr – Essen
Vegane Paella und andere Leckereien

15:30 Uhr – Vortrag und Diskussion:
„Wenn wir streiken, steht die Welt still – Feministische Kämpfe zum 8. März in Düsseldorf und darüber hinaus“
Bündnis Int. FrauenKampftag Düsseldorf

17:00 Uhr – DOKUssion:
„Die verbotene Bildung“
(spanisch mit deutschen UT | 145 min | 2012)

20:00 Uhr – Livemusik:
Gewerkschafts- und Arbeiter*innenlieder zum Mitsingen

24.11.2019

12:00 Uhr – Online-Vortrag/Interview und Diskussion:
„Wohnungsprojekt »La Esperanza«. Wie nur die Selbstverwaltung und gegenseitige Unterstützung hilft“
Mieter*innengewerkschaft Gran Canaria

13:30 Uhr – Veganer-Mitmach-Brunch

„V6“ – nicht nur für Anarcho-Syndikalist*innen – ständige Termine
Volmerswerther Str. 6
http://vsechs.blogsport.eu

Laden-Vollversammlung
jeden 1. Sonntag
Anmeldung erforderlich: faud-kontakt[at]fau[dot]org
Koordinations- und Anlaufpunkt für alle, die im „V6“ Veranstaltungen durchführen wollen.

Gewerkschaftliche Erstberatung / Asesoría laboral – auf Deutsch, Spanisch und Englisch
jeden Montag, 17:00-19:30
FAUD berät mit der Grupo de Acción Sindical NRW

Unabhängige Arbeitslose
jeden Mittwoch, 11:00-14:00
Beratung rund um Hartz IV

Treffen/Asamblea von/de Marea Granate NRW
einmal monatlich – nrw@mareagranate.org
Marea Granate (granatrote Flut) ist ein Aktivist*innen-Kollektiv, das aus der „Empört euch“-Bewegung hervorgegangen ist, ein Kind der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise, die bereits viele Spanier*innen zur Auswanderung gezwungen hat. Ziel ist es, gegen die Ursachen und Verursacher*innen der Krise zu kämpfen und die sozialen Rechte der spanischen Bürger*innen im Ausland, wie z.B. das Wahlrecht oder das Recht auf eine allgemeine staatliche und kostenlose Gesundheitsversorgung, zu erkämpfen bzw. zu verteidigen.

Hilfe zur Selbsthilfe bei Fragen zur Lohnabrechnung und Lohnsteuer
jeden zweiten Montag im Monat, 17:30-19:30
Wir bieten Unterstützung bei Fragen zur Lohnabrechnung, Lohnsteuer und Einkommensteuer. Was wir NICHT anbieten: Ausfüllung von Unterlagen der Steuererklärung. Wir schlagen vor, einen Termin zu vereinbaren, bevor ihr ins Lokal kommt. Bitte schreibt uns per E-Mail an: faud-kontakt@fau.org