Zehn Menschen sind bei einem Bombenanschlag an der S-Bahnstation Am Wehrhahn verletzt worden, zwei davon sehr schwer. Eine schwangere Frau hat dabei ihr ungeborenes Kind verloren. Sie alle sind Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Sechs von ihnen sind Mitglieder jüdischer Gemeinden.

Gerade kamen sie von der Sprachschule und gingen gemeinsam zur S-Bahnstation. Auch wenn sich der nahe liegende Verdacht, daß der Anschlag von Nazis verübt wurde, nicht bestätigen sollte, zeigen doch andere und frühere antisemitische Anschläge das heftige Anwachsen faschistischer Tendenzen in Folge der erneuten Einheit Deutschlands. Erst im April verübten Neo-Nazis in Erfurt einen Brandanschlag auf die Synagoge der Jüdischen Gemeinde. Zwei Brandflaschen wurden auf das Gebäude geschleudert, die aber glücklicherweise von Anwohnern gelöscht werden konnten. Die Nazis hinterließen ein Bekennerschreiben in dem es hieß: "Diese Aktion basiert auf rein antisemitischer Basis. ... Heil Hitler. Die Scheitelträger". (Zeit) Bereits 1991 flog ein Pflasterstein durch das Synagogenfenster. 1996 wurden zwei halbe Schweinsköpfe über den Zaun auf das Grundstück der Synagoge geworfen. Dann gab es Drohanrufe und Einbruchsversuche. Rechte Skins stellten sich vor die Überwachungskamera, sangen Nazilieder und riefen "Judenschweine". Erst zwei Monate vor dem Brandanschlag wurde der jüdische Friedhof in Erfurt geschändet. (Jungle World) In Berlin wurde in der Nacht zum 31. August 1999 ein Brandanschlag auf die Ausstellung "Für Juden verboten" verübt. Der S-Bahn Waggon, in dem die Ausstellung gezeigt wurde, brannte völlig aus. Ebenfalls in Berlin wurde ein Bombenanschlag auf das Grab des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski, verübt. Am Nationalfeiertag, dem 3. Oktober, wurden Teile des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee verwüstet. 103 Grabsteine wurden beschädigt oder zerstört. "Ungefähr zwei bis drei Friedhofsschändungen in der Woche (seien) die Regel", berichtete Julius Schoeps, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. (Jungle World) Die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke stellte eine Anfrage zur Entwicklung antisemitischer und rechtsradikaler Gewalt. Die Regierung antwortete, im zweiten Quartal 2000 seien 157 antisemitische Straftaten registriert worden. Das seien 47 Straftaten mehr als im gleichen Zeitraum 1999. Ulla Jelpke kritisierte, Polizei und Justiz würden weiterhin zu lasch reagieren. Von 144 ermittelten Tatverdächtigen seien gerade mal zwölf vorläufig festgenommen worden, und nur gegen neun erging Haftbefehl. Das hieße im Klartext, meinte Ulla Jelpke, über 90 % der rechtsradikalen Straftäter laufen weiter frei herum. Polizei und Justiz sind eben wie in der Weimarer Republik auf dem rechten Auge blind. Seit der Wiedervereinigung sind über 30 Menschen von Nazis ermordet worden, aber Antje Vollmer halluziniert, die 68er hätten Deutschland zivilisiert. Seit der Wiedervereinigung hat die deutsche Mitte kontinuierlich und Schritt für Schritt Forderungen und Parolen übernommen, die zuvor nur von Neo-Nazis erhoben wurden. Angefangen von den "Schein-Asylanten" bis zur Abschaffung des Asylrechts und der Einrichtung von umzäunten und bewachten Lagern für so bezeichnete Abschiebehäftlinge. Niemand macht eine solch effektive Anti-Ausländerpolitik wie die Abschiebe-Maschinisten von der SPD in Nordrhein-Westfalen. Weder die CSU in Bayern, noch die rechten Totschläger haben mehr in Sachen "Ausländer Raus" erreicht als die SPD hier, die bereits 1993 mit 7602 offiziell registrierten Abschiebungen an der Spitze aller Bundesländer stand. Dahinter schon damals drei weitere SPD regierte Länder. (konkret) Heute ist selbst die PDS mit dem Regierungseintritt in Mecklenburg-Vorpommern ins Lager der Abschiebeverbrecher übergelaufen. Damit wählen weit mehr als 95 % der deutschen Wähler Anti-Ausländerparteien. Kein Wunder also, daß sich die rechten Totschläger als Vollstrecker des Volkswillen sehen. Weil die Deutschen, am Brandenburger Tor die Einheit feiernd, sich nur bierbetrunken gegenseitig ertragen können, deshalb müssen sie einen äußeren Feind herbeihalluzinieren, der als Vorwand dient, die eigentlich verhaßte eigene Gemeinschaft fortzuführen. Wo sich die Leute von schmarotzenden Asylanten und wuchernden Juden bedroht sehen, da müssen sie zusammenrücken, auch wenn sie sich eigentlich nicht ausstehen können. Aber je mehr sie zusammenrücken, desto mehr gehen sie sich wieder auf die Nerven, und um so größer müssen sie wieder die fremde Bedrohung ausmalen, um die eigene sinnlose Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

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Rechts ist die deutsche Mitte - Antisemitismus in Deutschland

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