|
Der Schriftsteller Ralf Giordano engagiert sich kontinuierlich gegen Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus. Für die antifaschistische Demonstration des Antifa-KOK am 5.8. in Düssldorf sendete er seine solidarischen Kampfesgrüße, die wir folgend ausschnittweise wiedergeben. "Wird Deutschland wieder gefährlich?"Antifaschistische Mitkämpferinnen und Mitkämpfer, durch schwerwiegende Umstände am persönlichen Erscheinen auf dieser Kundgebung verhindert, entsende ich euch, als Bundesgenossinnen und Bundesgenossen eines Überlebenden des Holocaust, meine solidarischen Kampfesgrüße! Und ich rufe euch zu: Hitler und seine Anhänger sind zwar vor 55 Jahren militärisch, aber im Jahre 2000 immer noch nicht politisch geschlagen. Deshalb: Nieder mit der braunen Pest! Nieder mit der neuen SA! Nieder mit diesen feigen Horden und ihren ungeistigen und finanziellen Hintermännern, die nur da mutig sind, wo sie es unter ihren Bedingungen zu können glauben. Ändern wir diese Bedingungen - jetzt!! Machen wir durch den geschlossenen Widerstand der Mehrheit diese Verbrecher an der Front des Fremdenhasses und des Antisemitismus ihrerseits zu Geächteten, zu Gejagten, wo immer sie auftreten. Wir sind die Stärkeren - aber wir müssen auch durchsetzen, daß wir es sind. Denn es reicht, es ist übergenug. In Borna (Sachsen) wird ein schwerbehinderter Asylbewerber überfallen und krankenhausreif geschlagen; in Ludwigshafen-Oppau bei einem Brandanschlag eine Familie aus dem Kosovo schwer verletzt; in Dessau der Mozambikaner Alberto Adriano ermordet; in Düsseldorf-Derendorf gibt es einen Mordversuch an einem Griechen (die Täter werden auf freien Fuß gesetzt), und am S-Bahnhof -Wehrhahn" durch eine Bombe 10 Menschen schwer verletzt - ein Katalog der Schande, der beliebig fortgesetzt werden könnte. Das heißt: Gewalttaten gegen Fremde und Einheimische sind im Deutschland des beginnenden 21. Jahrhunderts zu den Selbstverständlichkeiten unseres Alltags geworden. Nur, wenn aus diesem Verbrechens-Marathon ein besonders scheußlicher Fall herausragt, wird überhaupt noch Notiz davon genommen. Bis dahin verkommen, taucht vor Europa und der Welt erneut die Frage auf: Wird Deutschland wieder gefährlich? Es sind nicht Linke, die gegen Ausländer hetzen, Hatz auf sie machen, sie prügeln und töten, Juden bedrohen und ihre Friedhöfe schänden - es sind Rechte! Es sind Rechte, die jahrzehntelang wie ungezogene Verwandte behandelt worden sind, obwohl bekannt ist, daß ein Siebtel der Bevölkerung mit ihrem geschlossen rechtsextremistischen Weltbild sympathisiert. Und es sind Rechte, die ungestraft ihre Stinkmarken "Nationalbefreite Zone" oder "Für Ausländer verboten" setzen dürfen. Wo sind wir denn? Obwohl es vom Gesetz her in Deutschland keine rechtsfreien Räume gibt, bestehen sie dennoch - überall dort, wo dieser braune Absud der Gesellschaft auftrumpfen kann, weil die Polizei, die Justiz, die Bürgermeister und die Bevölkerung sich ducken und wegschauen. Dabei ist die einzige Sprache, die diese feigen Politrabauken verstehen, der Mut der Gegenwehr, der sich diese gewalttätige Minderheit samt ihren Geldgebern nicht mehr gefallen lassen will, und es auch demonstriert - so wie die glatzköpfigen Schläger und Springerstiefelträger es einzig verstehen. Aufstand gegen eine Justiz, die die Gewalttäter mit Bewährungsstrafen in Watte packt; keine justizielle Gnade mit Schuldigen, die gnadenlos gegen fremde und einheimische Schuldlose vorgehen. Ein Ende also mit der staatlichen Schmusetour und Schluß auch mit der ständigen Zitierung des "Rechtsstaates" im täterbegünstigenden Sinn! Die demokratische Republik, der demokratische Verfassungsstaat, sie haben endlich aufzuwachen und sich einzugestehen, welche gefährliche Natter da über Jahrzehnte hin an ihrer Brust genährt worden ist. Denn sagen wir es offen: Ein neues Zeitalter ist angebrochen, unglaublicherweise, der Übergang von verbalen Bedrohungen von rechts über Gewalt, Totschlag und Mord an Einzelnen bis zu Massenattentaten mit Sprengstoff und Splitterbomben. Gefordert sind alle, politische Institutionen, Organisationen und, natürlich, die Regierung - tut endlich was, verdammt noch mal! Am meisten gefordert sind aber wir - das Volk, gegen all unsere realen und potentiellen Bedroher. Denn glaubt nicht, daß sich diese rechte, wenn sie könnte, allein gegen Fremde, gegen Juden, gegen Sinti und Roma richten würde - glaubt das nicht! Sie würde sich gegen jeden richten, der nicht so ist, wie sie! Das ist eine große Lehre, die Hitler und seine Anhänger unserer nationalen geschichte mit den bekannten katastrophalen Folgen ein für allemal eingebleut hat. Die Lektion sollte gereicht haben. Also: wo immer die braune Pest auftaucht - Gegenwehr und nieder mit ihr! Wo immer Aufklärung über den Ungeist nötig ist: klären wir auf! Reden wir, wenn möglich, auch mit dem Einzelnen aus dieser Rechten, nicht den Alten, an denen nichts mehr zu retten ist, aber den Jungen, die vielleicht zur Humanität zurückgeführt werden können - ich kenne solche Beispiele. "Stoppt den brauen Terror" -ja! Jetzt, heute, gleich. Und dabei, antifaschistische Mitkämpferinnen und Mitkämpfer, immer unseres Mottos eingedenk: Wir - wir sind die Stärkeren! In diesem Sinne,
|
Faschismus ist |