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"Die Stimme des Freien Nationalen Widerstandes" und die "Kameradschaft Düsseldorf" Von einigen kleineren Unterbrechungen abgesehen beliefert das NIT Rheinland seit Juli 1994 von Düsseldorf aus die neonazistische Szene in der BRD mit Informationen. Über die Düsseldorfer Telefonnummer können sich SympathisantInnen darüber auf dem Laufenden halten, was sich gerade in der Neonazi-Szene tut. Hier ist durch die zweimal wöchentlich aktualisierten Anrufbeantworteransagen zu erfahren, zu welchen Aktionen mobilisiert wird, wo nähere Informationen zu diesen Aktionen zu bekommen sind, wo Szene-Zeitschriften und Propagandamaterial erhältlich sind und wie aktuelle politische Ereignisse von den "Führungskameraden" bewertet werden. Besonders wichtig sind die NIT für das Szene-Umfeld, das nicht fest in Gruppen oder Parteien eingebunden und von daher schwieriger erreichbar ist. In dieser Kommunikationsstruktur hat sich das NIT Rheinland im Laufe der letzten Jahre zum wohl wichtigsten und in der neonazistischen Szene anerkanntesten NIT in der BRD entwickelt. 1994 von auswärtigen Kadern der FAP ins Leben gerufen und vom Düsseldorfer FAP-Kreisverband eingerichtet, wurde es 1995 nach dem Verbot der FAP in die Struktur der JN überführt. Nachdem der ANTIFA-KOK 1997 eine Kampagne gegen das NIT und die JN gestartet hatte, bekam der damalige JN'ler und ehemalige FAP'ler Udo Birr, der das NIT von seiner Privatwohnung in Düsseldorf-Reisholz aus betrieb, Ende Juni 1997 kalte Füße und stellte den Betrieb ein. Er verlegte zudem seinen Wohnsitz nach Hilden in die Koebenerstraße 6 und pflegt heute gute Kontakte zur immer aktiver werdenden Neonaziszene in Hilden. Danach wurde das NIT von dem 26-jährigen Jörg Wagner in seiner Wohnung in der Dorotheenstr. 3 in Düsseldorf-Flingern eingerichtet. Wagner ist zwischenzeitlich - vermutlich mitsamt dem NIT-Anschluß - in die Moltkestr. 20 nach Düsseldorf-Derendorf verzogen. Die 1999 eingestellte "Direktleitung" des NIT war in der Birkenstraße 61 in Düsseldorf-Flingern geschaltet, in der der 22-jährige "Kameradschaftsführers" Sven Skoda bei seinen Eltern lebte. Sven Skoda verfaßt auch die Ansagetexte des NIT Rheinland. Aus ihrer politischen Orientierung macht die "Kameradschaft Düsseldorf" keinen Hehl. So heißt es in der Ansage des "NIT Rheinland" vom 30.12.1997, gerichtet an die mit "Nationalsozialisten! Deutsche Volksgenossen!" angesprochenen "Kameraden": "Die Nationale Opposition hat auch 52 Jahre nach der großen Niederlage, nach der Auslöschung der sozialen Gerechtigkeit und Freiheit durch ihren unerbittlichen Einsatz und Opferwillen gezeigt, daß unsere Idee nicht einen Funken an Aktualität verloren. (...) Revolutionär im Herzen sein und nach den Grundsätzen der nationalsozialistischen Revolution leben, darauf kommt es an. Heil Deutschland!" An anderer Stelle wurden Juden als "Deutschlands größte Feinde" bezeichnet und Ignatz Bubis Tod gefeiert. Alles bislang ungestraft. Mitglieder der "Kameradschaft Düsseldorf" sind währenddessen bei nahezu allen regionalen und bundesweiten neonazistischen Aktionen und Veranstaltungen zu finden; ihre Bedeutung innerhalb der Szene steigt stetig. Die Gruppe besteht im Kern aus ca. 10-15 Personen mit einem zahlenmäßig nur schwer bezifferbaren Umfeld. Zu landes- und bundesweiten neonazistischen Demonstrationen können währenddessen bis zu 30 Personen aus Düsseldorf, dem Kreis Mettmann und aus Neuss mobilisiert werden. Zum Kern der Gruppe gehören auch bereits erwähnter Udo Birr, Marco Schirmer, der die Gegend um seine Wohnung in der Maybachstraße 12 am Derendorfer S-Bahnhof regelmäßig mit neonazistischen Aufklebern bestückt, sowie Stefan Krekel. Letzterer versorgt die andere Seite der Bahnlinie mit Propagandamaterial. Auch er wohnt in der Nähe des Derendorfer S-Bahnhofs, in der Yorckstraße. 7. Ebenso wie das Unterrather "Kameradschafts"mitglied Tibor Engler war Krekel Anfang der neunziger Jahre Mitglied der NF. Beide engagierten sich damals ebenso wie Udo Birr in der Düsseldorfer "Republikaner"-Abspaltung "Freie Wählergemeinschaft" (FWG) um ihren Vorsitzenden Herbert Zaunbrecher, deren Fraktionsgeschäftsführer und Pressesprecher der Düsseldorfer Nazi-Yuppie Torsten Lemmer war. Krekel und Engler nahmen 1992 und 1993 auch am "kanackenfreien Freitagstraining" des Solinger "Deutschen Hochleistungskampfkunstverband" (DHKKV) teil, derjenigen neonazistischen Kampfsportschule, in der auch drei der vier Personen trainierten, die am 29.5.1993 ein türkisches Wohnhaus in Solingen anzündeten und fünf türkische Frauen und Mädchen ermordeten. Aber nicht nur am Beispiel dieser beiden "Kameraden" wird deutlich, wohin die Reise gehen soll, wenn die Situation als günstig angesehen wird (O-Ton des "NIT Rheinland": "Der Tag wird kommen..."). In der ersten Ausgabe der seit Frühling 2000 erscheinenden und auf der Homepage der "Kameradschaft" präsentierten "Kameradschafts"zeitung, dem "Düsseldorfer Beobachter", wird zum Beispiel ein als "abgeurteilter Wehrwolf" bezeichneter Neonazi interviewt, der offensichtlich heute selbst der "Kameradschaft" angehört. Der als "Kamerad, der ... nur noch im gewaltsamen Aufstand eine Möglichkeit sah, sein Recht auf seine Heimat auszudrücken" vorgestellte Neonazi wird in dem Interview über die Gründe seiner begangenen Tat, zu seinem Prozeß und zu seiner vierjährigen Zeit im "Systemkerker" befragt. Am 31.07.96 hatten die Düsseldorfer Marcus Fink, Stefan Engels und Marcel Goeritz ein AussiedlerInnenwohnheim, in dem 23 Menschen schliefen, in Brand gesetzt, nicht ohne vorher alle Feuerlöscher zu beseitigen. Einem Bewohner, der mitten in der Nacht nach Hause kam, ist es zu verdanken, daß es nicht zu einer Katastrophe kam und das Feuer rechtzeitig gelöscht werden konnte. Man habe damals in "Notwehr" gehandelt, so der ‚mutige' "Wehrwolf", einer der drei Täter. Heute sei er klüger geworden und lasse sich nicht mehr zu "unüberlegten Taten" hinreißen. Gemeint sein dürfte wohl eher, derartige Taten in Zukunft besser zu planen und bei der Wahl der Mittäter etwas anspruchsvoller vorzugehen. Auf jeden Fall scheint "Kamerad Wehrwolf" schnell wieder Anschluß an die Szene gefunden zu haben. Beste Voraussetzungen also, da weiter zu machen, wo er kurz vor seiner Festnahme Anfang August 1996 aufgehört hatte. Im Umfeld der "Kameradschaft Düsseldorf" ist auch der neonazistische Waffennarr Ralf Spies anzutreffen. Spies betreibt auf der Gerresheimerstr. 51 den Laden "Survival Security & Outdoor" für "Polizei-, Armee-, Sicherheits-Zusatzausrüstungen". Hier ist von Messern, Schlagstöcken und anderen Waffen alles zu haben, was der "nationale Kämpfer" und andere Waffennarren so brauchen. Spies ist schon mehrmals wegen einschlägiger Propaganda- und Körperverletzungsdelikte in Erscheinung getreten. Er gilt selbst in der extremen Rechten als "Amokläufer". Das Umfeld der "Kameradschaft" besteht im wesentlichen aus "Jungnazis" und rechten Jugendlichen, die in losen Cliquen "organisiert" sind, von denen in Düsseldorf eine ganze Reihe existieren, z.B. in Bilk, Wersten, Holthausen, Garath und in Hellerhof. Dieses Umfeld wird durchaus erfolgreich eingebunden, was sich nicht zuletzt durch die Teilnahme diverser Düsseldorfer Jungnazis an neonazistischen Aufmärschen zeigt. |
Die militante Neonazi-Szene in Düsseldorf Inhalt der Sondernummer |