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Deportation
class der Lufthansa weiter
in Betrieb
Bereits im Juni kündigte der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa
AG, Weber, an, daß Flüchtlinge nicht mehr gegen ihren Widerstand
mit der Lufthansa abgeschoben würden. Es gebe Verhandlungen mit dem
Bundesinnenministerium darüber, wie die Fluggesellschaft aus dem
Geschäft mit dem Transport von Zwangspassagieren aussteigen könnte.
Auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens waren den Aussagen des
Lufthansa-Chefs tumultartige Szenen vorausgegangen, bei der es Mitgliedern
des Netzwerkes kein mensch ist illegal gelungen war, massiv zu stören
und dadurch das Thema Abschiebungen auf die Tagesordnung zu setzen. Geändert
hat sich nach den Bekundungen Webers allerdings nichts. Am 3. November
wurde der sudanesische Flüchtling Yagoop Shafee mit dem Linienflug
LH 588 in Begleitung von zwei Bundesgrenzschutzbeamten (BGS) und mit Handschellen
gefesselt vom Frankfurter Flughafen nach Khartum abgeschoben. Laut dem
sudanesischen Men-schenrechtsverein in Frankfurt widersetzte sich Shafee
energisch der Abschiebung und protestierte auch in der Maschine noch lautstark,
ohne daß der verantwortliche Pilot eingegriffen hätte. Unter
der selben Flugnummer - LH 588 - war im Mai vergangenen Jahres der sudanesische
Flüchtling Aamir Ageeb getötet worden. Die drei begleitenden
BGS-Beamten hatten den 30-Jährigen gefesselt, ihm einen Motorradhelm
aufgesetzt und ihn solange auf den Sitz gedrückt, bis er erstickte.
"LH 588 FRA-Khartum -- Wann folgt der nächste Todesflug der
Lufthansa?" stand dann auch auf dem Transparent, mit dem Abschie-be-gegnerInnen
die von der Lufthansa durchgeführte Pressekonferenz am 15. November
besuchten. Diesmal zeigte sich die Leitung der Fluggesellschaft aber wenig
gesprächsbereit und setzte die DemonstrantInnen mit Hilfe des eigenen
Sicherheitsdienstes vor die Tür. Dabei scheint die Situation für
die Lufthansa AG brisanter zu werden. In mehreren rechtswis-senschaftlichen
Gutachten, die in den letzten Monaten erstellt wurden, wird die Auffassung
vertreten, daß die Piloten ihre Verantwortung bei Abschiebungen
nicht einfach an die begleitenden BGS-Beamten delegieren können.
Genauer gesagt, die Piloten, und damit die Airline, bleiben rechtlich
haftbar, wenn Flüchtlinge an Bord verletzt oder getötet werden.
Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher der Gewerkschaft
der Polizei, Radeck, der seine Beamten nur als Erfüllungsgehilfen
des Piloten sieht, der die alleinige Verantwortung für Passagiere
und Flugzeug besäße.
Angriff ist die beste Verteidigung
"Nutzung der für unsere Mandantin typischen Farben gelb/blau",
"Nutzung des für unsere Mandantin typischen Schriftzuges",
"eine öffentliche Herabsetzung und Verunglimpfung" bestehe
auch in der Verwendung des Begriffes "Deportation", "Einsatz
und Manipulation der für unsere Mandantin eingetragenen Marken"
etc. lauten die Begründungen, mit denen die Anwälte der Lufthansa
eine Abmahnung gegen die Kampagne "deportation class" einklagten.
Stein des Anstoßes war eine Ausstellung politischer Plakatkunst
auf den Internetseiten der Kölner Stadtrevue. Dort werden verschiedene
Plakate, die sich kritisch mit der Abschiebepraxis der Fluggesellschaft
auseinandersetzen, gezeigt. Am Anfang des Jahres hatte kein mensch ist
illegal zu einem Plakatwettbewerb aufgerufen, die besten Entwürfe
wurden zu einer Ausstellung zusammengefaßt, die mittlerweile durch
ganz Deutschland tourt. Die Abmahnung bezog sich aber nur auf die Internetversion
der Ausstellung. Die Betreiber weigerten sich, die Bilder vom Webserver
zu nehmen. Dieser "dreiste Angriff auf die Freiheit der Kunst"
führte zu Solidaritätsbekundungen der Internetöffentlichkeit.
Sogenannte Mir-roraktionen wurden vorbereitet, die international zur Spiegelung
und Verbreitung der Seiten aufriefen. Außerdem gab es Angebote aus
aller Welt, der Ausstellung "politisches Asyl" zu gewähren.
Dazu kam es aber nicht mehr, denn die Lufthansa AG zog ihre Abmahnungsklage
zurück. Anscheinend hatte das Unternehmen die Gefahr eines politischen
Eigentors früh genug erkannt, denn bei den folgenden Gesprächen
war keine Rede mehr von Copyright- und Fälschungsvorwürfen.
"Deportation class" stoppen
Unterstützung erhielten die AktivistInnen von kein mensch ist illegal
inzwischen von ganz anderer Seite. Der Gewerkschaftstag der ÖTV,
der vom 4. bis zum 10. November in Leipzig stattfand, hat einstimmig beschlossen,
daß "Ar-beitnehmervertreterInnen, VertreterInnen von ÖTV
und DAG im Aufsichtsrat der Lufhansa AG aufgefordert werden, sich dafür
einzusetzen, daß die Lufthansa keine zur Abschiebung vorgesehenen
Flüchtlinge mehr transportiert." Weiter fordert die Gewerkschaft
ÖTV ihre Mitglieder auf, "sich nicht mehr an Abschiebungen zu
beteiligen." In der Begründung wird angeführt, daß
bei Abschiebungen Flüchtlinge zu Tode kommen oder verletzt werden.Zudem
wird die Abschiebepraxis der Bundesregierung kritisiert, die auch Abschiebungen
in nicht sichere Herkunftsländer zuläßt. Die GewerkschaftlerInnen
verweisen dabei auf die europäischen Nachbarländer. Nachdem
die belgische Gewerkschaft ihre Mitglieder aufgefordert hat, sich nicht
mehr an Abschiebungen zu beteiligen, fielen bei der Fluggesellschaft Sabena
Abschiebungen für längere Zeit aus. Mittlerweile hat Sabena
den gewaltsamen Transport von Abschiebehäftlingen ganz eingestellt.
Die Swissair verweigerte nach zahlreichen Protest- und Aufklärungskampagnen
die Mitnahme von sich wehrenden Flüchtlingen. Auch die niederländische
Fluggesellschaft Martinair ist inzwischen aus dem Geschäft mit Abschiebungen
ausgestiegen. Desweiteren wird darauf hingewiesen, daß eine Beförderungspflicht
gegen den Willen der Passagiere aus dem LuftVG nicht abzuleiten ist. Deshalb
kann die Lufthansa jegliche Art von Abschiebung ablehnen, wenn diese für
das Unternehmen aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen unzumutbar
ist. Als es um den Transport von tropischen Ziervögeln ging, hat
die Lufthansa dies bereits getan.
In der perfektionierten Abschiebemaschinerie scheinen die Fluggesellschaften
immerhin ein Ansatzpunkt zu sein, an dem es Interventionsmöglichkeiten
für antirassistische Initiativen und FlüchtlingsunterstützerInnengruppen
gibt. Auch die Vielfältigkeit der Proteste und die Beteiligung an
den Aktionen gegen die "deportation class" der Lufthansa werden
in den nächsten Wochen darüber entscheiden, wie lange das Unternehmen
es sich leisten kann, sich wehrende Flüchtlinge weiter abzuschieben.
Wenn dies nicht gelingt, ist der nächste Todesflug der Lufthansa
schon vorprogrammiert.
Aktion Knastmucke
- eine antirassitische Initiative -
Ihr könnt bei uns mitmachen.
Wir treffen uns: jeden Sonntag
19 Uhr im Falkenheim,
Lessingstraße 22, Düsseldorf-Oberbilk.
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Todesflug
LH 588
Seit
März diesen Jahres muß sich die Fluggesellschaft Lufthansa
mit einer vom Netzwerk kein mensch ist illegal initiierten Kampagne
auseinandersetzen, die ihre führende Rolle als Abschiebefluglinie
the-matisiert. "Deportation class" ist eine Anspielung auf
die 16.000 Abgeschobenen, die sogenannten Deportees, die allein im letzten
Jahr in Lufthansa-Maschinen aus Deutschland in ihre Herkunftsländer
geflogen wurden. Mehrere Aktionen an deutschen Flughäfen, u.a.
in Frankfurt und in Hamburg, sollen den Druck auf die Lufthansa AG verstärken,
keine abzuschiebenden Flüchtlinge mehr zu transportieren.
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