bookDie libertäre Revolution
Mittlerweile sieht und liest man eher weniger über den spanischen Bürgerkrieg.
Viele Bücher sind vergriffen oder werden nicht mehr aufgelegt. Um so erfreulicher
ist es, daß der Nautilus Verlag ein ganz neues Buch über diese bis
heute wichtige Zeit veröffentlicht hat. Es war der erste Versuch, den Faschismus
in Europa zu bekämpfen. Das Besondere war, daß sich damals keine
Armee der faschistischen Armee entgegenstellte, sondern überwiegend die
einfache Bevölkerung, darunter, als eine weitere Besonderheit, viele Frauen,
und sie hatten Erfolg. In den Teilen Spaniens, die den Faschisten abgerungen
werden konnten, machte sich häufig die soziale Revolution breit, und genau
davon handelt das Buch. Heleno Saña hat den spanischen Bürgerkrieg
und den letztlichen Sieg von Franco als Kind erlebt. Seit 1959 lebt er als Journalist
und Schriftsteller in der BRD. Seine Erlebnisse als Kind ließen ihn nicht
los, auch wenn er erst viel später die Bedeutung erkannte.
Seine Sympathien sind eindeutig auf Seiten der Anarchisten. Der spanische Bürgerkrieg,
bzw. die die soziale Revolution, die dort stattfand, ist bis heute der mit Abstand
größte Versuch, anarchistische Theorien in die Tat umzusetzen. Es
ist auch der Bürgerkrieg, der mit der größten Tragik verbunden
ist, die bis heute die Betrachtung spaltet. Bücher über den spanischen
Bürgerkrieg sind meist stark eingefärbt. Neben der vernachlässigbaren
faschistischen Sicht der Dinge gibt es anarchistische und kommunistische Betrachtungsweisen,
die es einem bis heute schwer machen nachzuvollziehen, was dort wirklich passierte.
Um so erfreulicher ist die Darstellung im vorliegenden Buch. Durchaus kritisch
gegenüber den Anarchisten, versucht Saña ein lebendiges Bild der
sozialen Revolution im Bürgerkrieg zu zeichnen. Während die Anarchisten
die Revolutionierung des Lebens vorantrieben, versuchten die Kommunisten dieses
einzudämmen. Ein selbstbestimmtes, freies Leben war den Stalinisten verhasst.
Das Ergebnis war eine große Tragödie, in deren Verlauf die Anarchisten
ausgeschaltet wurden und viele von ihnen in kommunistische Gefängnisse
kamen. Eine wahre Tragödie, die da geschah. Neben dem Fokus auf die soziale
Revolution auf dem Land und in der Stadt versucht Saña eine ungeschminkte
Sicht auf die Ereignisse, was angesichts der Tatsachen schwer fällt. Ein
tolles Buch, das mit anarchistischen Mythen genau so abrechnet wie mit einseitigen
Ansichten.
Aber Vorsicht. Es ist kein Buch für Einsteiger in diesen Teil der Geschichte,
sondern für jene, die zumindest ein wenig davon kennen. So gilt als Einstieg
bis heute George Orwell "Mein Katalonien" und von Hans- Magnus Enzensberger
(auch wenn er mittlerweile die Seiten gewechselt hat) "Der kurze Sommer
der Anarchie". Aber danach sollte man unbedingt dieses Buch lesen. Allerwärmstens
zu empfehlen, nicht nur für die wenigen Idealisten, die an eine andere
Gesellschaft glauben.
MEIKEL F
Die libertäre Revolution
Heleno Saña
Edition Nautilus
317 Seiten für etwa 20 Euro
bookDer süße Duft des Todes
Der Roman des Mexikaners Guillermo Arriaga handelt von den Abgründen
des menschlichen Seins.
Ein Dorf in den Tiefen Mexikos. Ein Mord geschieht an einer jungen Frau. Die
Suche nach dem Täter beginnt. Es geht hier jedoch nicht um die polizeiliche
Suche, denn die Probleme werden hier, weit weg von der nächsten Stadt,
selber geregelt. Mosaikhaft werden einzelne Facetten, Halbwahrheiten, Lügen
zusammengetragen zu einer Wahrheit, die nicht mehr zu verändern ist. Schnell
ist klar, wer der Täter sein muß und wer die Tat zu rächen hat.
Ramón muß der jugendliche Liebhaber sein, der nur zu gern selber
daran glaubt. Die Geschichte verselbständigt sich, und Ramón kann
sich der dörflichen Erwartung nach Ausübung der Rache nicht mehr entziehen,
obwohl einige wissen, daß der Ausgesuchte nicht der Mörder sein kann.
Arriaga zeigt, wie Wahrheiten entstehen, denen sich keiner mehr entziehen kann,
bis jegliche rationale Einwände nicht mehr wirken. Wie in einem Rausch
stürzen sich die meist männlichen Protagonisten auf die Suche. Indem
der Fremde als Mörder identifiziert wird, wird die dörfliche Einheit
zusammengeschweißt, die schon bedroht gewesen wäre, wenn der Mörder
in den eigenen Reihen gefunden worden wäre. Deshalb können die Einzelnen,
die wissen, daß es anders war, an einem bestimmten Punkt nicht mehr zurück.
Die Tragödie beginnt.
Angeblich sollen sich die Bewohner des existierenden Dorfes köstlich bei
der Lesung amüsiert haben. Arriaga hat sehr genau an einer fiktiven Geschichte
die ganze Bandbreite menschlicher Schwächen aufgezeigt. Zu genau kennt
ein jeder die Entstehung von Klatsch und Tratsch, der dann zur Wahrheit wird.
Eine richtig schöne und spannende Studie.
MEIKEL F
Der süße Duft des Todes
Guillermo Arriaga
Unionsverlag
207 Seiten für etwa 14 Euro
www.terz.org - 21.12.2001