Polizeischutz für Grünen-Promi
Am 05.12.2001 fand im Salzmannbau in Düsseldorf-Bilk eine Veranstaltung
des Düsseldorfer Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen statt.
Das Highlight des Abends sollte ein Liveauftritt der Bundestagsfraktionsvorsitzenden
Kerstin Müller sein.
Die grüne Frontfrau und Mitglied des Bundestages wurde gleich beim Betreten
des Veranstaltungsraumes mit Überschwang begrüßt. Das meist
junge und kriegsbegeisterte Publikum bedachte sie mit frenetischem Applaus,
der immer, wenn sie das Wort ergriff, aufs Neue anhob. Mit Ausrufen wie: "Endlich
können wir mitkämpfen! Nur keine falsche Zurückhaltung mehr!
Jetzt spielt Deutschland auch endlich außenpolitisch die Rolle, die ihm
zukommt! Kerstin lebe hoch!" sorgten die neuen FreundInnen von Bündnis
90/Die Grünen für Stimmung im Saal. Die Basis-Grünen wussten
erst gar nicht wie ihnen geschah - hatten sie doch gegen den Kriegseinsatz gestimmt.
Die Vorstands-Grüne zeigte sich anfänglich noch erfreut über
den herzlichen und warmen Empfang. Auf Begehren der jungen Leute wurde dann
auch gleich ganz unbürokratisch die Tagesordnung umgeworfen, so daß
Kerstin Müller als erste das Wort erhielt. Sie wandte sich direkt an die
vielen jungen Leute. Standing Ovations, tosender Applaus - ein Jubel, wie er
lange nicht mehr bei Bündnis 90/Die Grünen zu vernehmen war - schallte
durch den Saal. "Wir wollen Krieg", "Frauenparkplätze für
Afghanistan" riefen die jungen Leute der Fraktionsvorsitzenden zu.
Mit der großen und nicht mehr abklingenden Zustimmung sichtlich überfordert,
wandelte sich die Freude schnell in Empörung. Die Bundesgrüne verstand
alles falsch und zeigte dem Publikum sogar wutentbrannt den Mittelfinger!
Der Feind war dann auch schnell ausgemacht: "Das kennt man ja von der Antifa!",
"Ihr seid noch armseliger als die Hitlerjugend!" - worauf mit "Störer
und Zecken raus!"-Rufen von Seiten der jungen "KriegsbefürworterInnen"
reagiert wurde. Nach nur 15 Minuten verließ die Kriegstreiberin sichtlich
genervt den Saal.
Somit wurde die Veranstaltung, zur Enttäuschung der vielen Grünen-AnhängerInnen,
kaum dass sie angefangen hatte, schon wieder beendet. Kerstin Müller und
die Düsseldorfer Bündnis 90/ Die Grünen verließen empört
den Saal. Die vielen interessierten Menschen blieben mit einem Gefühl der
Leere zurück. Nicht mal mehr auf die vielfach geäußerten Beitrittswünsche
wurde eingegangen.
Die Kreisgrünen, die sich mittlerweile auf den Gang zurückgezogen
hatten, entschieden sich, während im Saal "Frieden schaffen nur mit
Waffen!" angestimmt wurde, für einen zweiten Anlauf in einem anderen
Raum. Das war inzwischen auch möglich, da sich die Anzahl der anwesenden
VeranstaltungsbesucherInnen drastisch reduziert hatte. Ein Teil war gegangen,
der andere Teil hatte sich mit den "KriegsbefürworterInnen" im
Saal solidarisiert. So zog das übrig gebliebene Grüppchen nörgelnder
ParteisoldatInnen in die oberen Etagen des Salzmannbaus.
Aber wo der Star, da auch die Fans: Bald sammelten sich die "Kriegs-Fans"
auch vor diesem Raum und brachten ihre Unterstützung für die nun endlich
in Deutschland angekommenen Grünen zum Ausdruck: "Wir wollen Kerstin!
Kerstin, unsere Frau im Parlament und an der Front! Krieg ist die einzige Lösung!
Wir sind dir treuer als deine Basis!"
Nun verlor die Veranstaltungsleitung vollends die Nerven. Mit den Worten: "Wir
werden hier angegriffen!" rief sie paranoid und voller Hektik die Polizei.
Diese brauchte etwas länger, kam dafür aber nach etwa 15 Minuten mit
6 Einsatzfahrzeugen, Blaulicht und lalü lala filmreif angerauscht. Das
wiederum verärgerte nun auch die übrigen Basisgrünen. Mit Äußerungen
wie: "Sind wir jetzt schon so tief gesunken, dass wir die Polizei rufen"
verließen schließlich auch sie den Schauplatz der realgrünen
Satire. So wurde eine öffentliche Veranstaltung von Bündnis 90/Die
Grünen eine nichtöffentliche!
Mit einer Stunde Verspätung und äußerst geringer Beteiligung
konnte die Diskussionsveranstaltung zu Ende gebracht werden. Die hier zu Tage
tretende Unfähigkeit der Bündnis-Grünen, sich mit der Entwicklung
Deutschlands hin zu weltweiten Kriegseinsätzen konstruktiv auseinanderzusetzen
und mit der zunehmenden Kriegsbegeisterung umzugehen und sie mitzugestalten,
enttäuschte die interessierten jungen Menschen.
Sie stellen nun kritisch fest: In den letzten Jahren haben Bündnis 90/Die
Grünen eindrucksvoll bewiesen, dass sie in der Lage sind, mit einer veränderten
Situation umzugehen. Besonnen, aber immer mit vorwärts gewandtem Blick,
wurden von ihnen wichtige Veränderungen vorgenommen. Doch fällt es
der Partei Bündnis 90/Die Grünen immer noch schwer, sich den Herausforderungen
der Zeit zu stellen und sich den nun gestellten Aufgaben zu widmen.
Zu guter Letzt:
Unnötig zu sagen, dass die Polizei niemanden festgenommen oder des Platzes
verwiesen hat, da niemand ausfindig gemacht werden konnte, den man des Platzes
hätte verweisen können.
Darüber hinaus lagen sich die Düsseldorfer Grünen mächtig
in den Haaren, weil sich auf dieser Veranstaltung die Positionen extrem polarisierten.
Die Situation ist offensichtlich sehr, sehr angespannt. Bleibt nur zu hoffen,
dass dies nicht die letzte Intervention war!
Krieg keinen Frieden!!
www.terz.org - 21.12.2001