Leider ist uns in der letzten Ausgabe der TERZ ein unverzeihlicher Fehler unterlaufen: Statt des beabsichtigten Titels "Textron macht dicht!" mussten wir lesen: "Textron endlich dicht". Unser Layouter hat seine Schuld voll zugegeben. "Eine Freudsche Fehlleistung", behauptete er, sei der Grund seiner Untat gewesen. Bei der Lektüre der Parolen habe er sich so sehr über die Selbstbezichtigung des Textron-Personals als "Milchkühe" geärgert, dass das Unterbewusstsein die Kontrolle über seine Fingerbewegungen an der PC-Tastatur übernommen habe.
Phase 2 des Arbeitskampfes
Während überall mit der Ergebnislosigkeit des Abwehrkampfes bei Textron
gerechnet wird, auch die TERZ schließt sich da nicht aus angesichts der
bisherigen Erfahrungen (siehe IHC-Case, Ideal Standard), kommt es nun zur überraschenden
Wende: Da viele Kunden von Textron bekannte Automobilproduzenten sind, die schon
seit Jahren bei ihren Lieferanten auf "just-in-time"-Lieferungen umgestellt
haben - und dies ist selbstverständlich den Kollegen bekannt - wird dies
bewusst ausgenutzt. Unter dem Vorwand, nicht genügend informiert zu sein,
wird eine am 21. November anberaumte Betriebsversammlung "filibusterhaft"
über mehrere Stunden gestreckt, vertagt und fortgesetzt. In dieser Zeit
wird natürlich nicht gearbeitet und es kommt zu Lieferengpässen, da
entgegen der Lage damals bei Ideal Standard, wo es hohe Lagerkapazitäten
gab, bei Textron keine Vorräte liegen. Dadurch kommt es zu gravierenden
Stockungen der Produktion an den Fertigungsstraßen bei VW, Opel und anderswo.
Die darauf einsetzenden Reaktionen - drohende Konventionalstrafen in ungeahnter
Höhe - lassen die Konzernherren bei Textron zusammenknicken. Da die Kunden
nicht auf andere Produkte ausweichen wollen, muss Textron einlenken: Die aktuellen
Schließungspläne werden zurückgenommen und eine so genannte
Opel-Lösung angestrebt.
Diese bedeutet zum einen Entlassungen an allen Textron-Standorten und zweitens
keine Gewähr, dass es nicht vielleicht doch noch anders kommt. Wie eben
aktuell beim Namensgeber Opel in Bochum: Dort wird angekündigt, trotz der
Absprachen mit dem Gesamtbetriebsrat im kommenden Jahr doppelt so viele Arbeitsplätze
abbauen zu wollen wie bislang erwartet. Man droht, mit bestimmten Produktionsabteilungen
in die Billig-Lohn-Länder Tschechien bzw. Ungarn abzuwandern.
HPJ
www.terz.org - 21.12.2001