Der Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten in Europa hat die DKP in
eine tiefe Krise gestürzt, weil sie sich mit ihnen identifiziert hat. Unvergesslich
ist beispielsweise die Bejubelung der DDR als Arbeiterparadies. Wegen dieser
Identifizierung mühen sich die Parteiideologen in ihrem Programmentwurf
nun damit ab, "die Ursachen des Zusammenbruchs und der Zerschlagung des
Sozialismus zu erfassen". Die "wissenschaftliche Analyse" dieses
komplexen Problems führt zu einem erhellenden Ergebnis: "Es gab innere
und äußere, ökonomische, soziale und politische, objektive und
subjektive Ursachen." Als wichtigster Faktor wird im Anschluss an diese
bombastische Phrase die "Geringschätzung politischer und bürgerlicher
Rechte" ausgemacht. Darum will die DKP jetzt eine "tatsächliche
Volksherrschaft" anstreben, in der das "zugleich kompetente und verantwortungsbewusste
Wirken des Einzelnen in der Gesellschaft" garantiert ist.
Das klingt hübsch, wird aber nur dann zum angenehmen Leben in einer sozialistischen
Gesellschaft führen, wenn Lehren aus den ökonomischen Problemen des
untergegangenen Sozialismus gezogen werden. Aber das leistet der Programmentwurf
dummerweise nicht. Die "ökonomischen Probleme" werden nämlich
lediglich erwähnt; eine Analyse der sozialistischen Warenproduktion sucht
man leider vergeblich. Dieser Mangel ist der Grund dafür, dass die DKP
erneut einen Sozialismus propagiert, der nichts taugt. Zwar wissen die Programmschreiber,
dass die Voraussetzung des Sozialismus ein "grundlegender Bruch mit der
kapitalistischen Wirtschaftsweise" ist, weil deren Zweck die "Erzielung
maximalen Profits" sei. Aber diesen Zweck wollen die wackeren Kommunisten
gar nicht abschaffen. Ihnen missfällt lediglich "die private Aneignung
des gesellschaftlich erzeugten Reichtums". Auf den Gedanken, dass der Zweck
der sozialistischen Wirtschaftsweise die Bedürfnisbefriedigung der Menschen
sein muss, mögen die DKP-Ideologen nicht kommen. Das ist sehr bedauerlich,
denn nur der Bruch mit dem Zweck der kapitalistischen Wirtschaftsweise führt
zu einer angenehmen Gesellschaftsform, in der nicht der Mensch für die
Produktion, sondern die Produktion für den Menschen da ist. Der Programmentwurf
hingegen zielt ab auf eine demokratische Variante der sozialistischen Warenproduktion,
in der paradoxerweise mit den Mitteln des Kapitalismus hantiert werden soll.
Allerdings wird uns versprochen, dass diesmal der Staat nicht die alleinige
Kommandogewalt über das Unding namens sozialistische Warenproduktion haben
soll. Vielmehr dürfen wir alle kompetent und verantwortungsvoll mitreden
bei der Bewältigung der sehr unangenehmen Aufgabe, die menschliche Arbeitskraft
als Mittel der Geldvermehrung möglichst effektiv auszubeuten.
Franz
Ein Ladenhüter namens antimonopolistische Demokratie
Eine seltsame Form des Internationalismus
www.terz.org - 17.12.2002