comicInterview - Popcomics
Es ist nicht der erste Versuch, Interviews in Comicform zu publizieren.
Selten ist es jedoch so gut gelungen, wie in diesem Fall. Helge Arnold und Christopher
Tauber haben nicht einfach nur Interviews geführt und die dann als Comic
umgesetzt. Sie haben sich unterschiedliche Ideen für die jeweiligen MusikerInnen
ausgedacht, die von den Interviewten weitergesponnen wurden und in der Regel
von Tauber zeichnerisch umgesetzt wurden. Manchmal griffen die Interviewten
auch selber zum Zeichenstift. Herausgekommen ist auf jeden Fall ein Band voller
ganz unterschiedlichen Geschichten, die sich wohltuend von dem gängigen
Frage-und-Antwort Spiel der üblichen Interviews abhebt. So ergeben sich
ganz neue und ganz andere Eindrücke der Bands und MusikerInnen, zumal man
natürlich dazu verleitet wird, auch die Geschichten von MusikerInnen zu
lesen, deren Interviews man im Leben nicht lesen würde.
Wie Arnold und Tauber angeben, waren die meisten Interviewten froh über
diese Abwechslung, und das merkt man den Geschichten auch an.
Herausgekommen sind nicht nur Geschichten, die inhaltlich vollkommen unterschiedlich
sind, sondern auch gestalterisch außerordentlich abwechslungsreich gemacht
sind. Insgesamt finden sich 21 Interviews mit Musikern im Heft. Sie werden kurz
mit Diskographie vorgestellt. Dann schildern die Autoren wie und wo es zum Interview
kam. Sie sprachen mit so unterschiedlichen Leuten wie Helge Schneider, Cardigans,
Eels, Travis, Kante, Sportfreunde Stiller, Stereo Total und so weiter. Mal wird
die Geschichte eines Songs erzählt (White Stripes), mal die Anfänge
der Band (Ash), mal gibt man der Band einen Stadtplan von Bergen und läßt
die Band sich vorstellen, daß sie Könige wären und um die gleiche
Herzensdame buhlen (Kings of Convenience) und so geht es weiter. Außerdem
beschreiben die beiden noch, welche Geschichten mit Bands nicht geklappt haben.
Insgesamt ein herzerfrischendes Interviewbuch, das eine wahre Freude macht,
es in Ruhe zu lesen und möglichst der Musik der Interviewten zu lauschen.
Somit wäre eine dazugehörige CD das non plus ultra für dieses
Buch gewesen. Trotzdem schwerstens zu empfehlen.
Interview - Popcomics, Helge Arnold und Christopher Tauber
Ventil Verlag, 128 teilweise farbige Seiten für 12,90 Euro
comicDie kleinen Mutterficker No
3
Da sind sie wieder Deutschlands Antwort auf Enimen. Cooler, frecher
und garantiert Un-PC. Die Dinter Brothers haben mit dieser kleinen Reihe ein
famoses Werk geschaffen. Die amerikanisierten Hiphopper auf Deutschlands Strassen
werden gnadenlos durch den Kakao gezogen. Nichts ist ihnen heilig und so machen
die Dinters deftige Späße mit den Klischees. Es ist ja auch ein schweres
Los, wenn man so ein cooler HipHopper ist und im hessischen Heslach wohnt. So
versuchen die kleinen Mutterficker in die coolste Dorfdisko zu kommen, wenn
da nicht Big Ändy, der Türsteher, vehement dagegen wäre. So müssen
die drei sich einiges einfallen lassen. Die große Idee kommt im Religionsunterricht.
Schließlich sind bald wieder die Sternsinger im Auftrage des Herrn unterwegs.
Nicht nur, daß man bei jedem klingeln darf, um dann locker rumzujammen,
danach muß sogar das Haus getagt werden. Allerdings gibt es vorher noch
Streß, wer denn der "nigger" sein darf. Eine absolut geniale
Geschichte, bei der man sich beim Lesen nicht mehr halten kann. Super. Aber
es kommt noch besser, denn sie müssen noch dem Weihnachtsmann aus einer
mißlichen Lage helfen und werden dafür fürstlich mit leckeren
Kräutern belohnt, die es auch in sich haben.
Ein Heft so richtig passend zum heiligen Weihnachtsfest, das die christlichen
Bräuche aus der Tiefe des Mittelalters holt und für die heutige Zeit
modernisiert. Echt phat.
Die kleinen Mutterficker No 3
A Dinter Joint
Zwerchfell Verlag
24 Seiten für 3,50 Euro
comicHeld
Helden gibt es ja viele. Der bekannteste ist ja nun mal der "Held der
Arbeit". Hier geht jedoch im Prinzip um den Held in einem selbst. Das vorliegende
Comic ist die Diplomarbeit des 25 jährigen Felix zum Thema Autobiographie.
Aber hat jemand in diesem Alter überhaupt etwas zu erzählen. Aber
ja doch! Held ist ein nettes, liebenswertes Comic über das Aufwachsen des
kleinen Felix. Das Besondere an ihm ist sein großer Bruder. Das ist aber
nicht irgendein großer Bruder, sondern der, der ihn vor dem großen
Stier beschützt, der häufig zu Felix ins Zimmer stürzt. Vorzugsweise
Nachts. Der große Bruder ist immer für ihn da. Erstaunlich findet
es Felix, daß andere Kinder nicht so einen großen Bruder haben und
auch keine Monster zu ihnen ins Zimmer kommen. Klar, daß man sich so zum
Gespött der anderen macht. Auch seine megagroße Brille lindert den
Spott nicht gerade. Da bleibt ihm gar keine andere Möglichkeit als viele
Albernheiten zu machen, damit er auch gebührend beachtet wird. Wenn da
nicht die Monster wären...
"Held wird man nicht erst. Held ist man. An jedem verdammten Tag seines
Lebens." Wir wahr, wie wahr! Eine herrlich leichtgängige Geschichte
über die Kindheit. Man darf auf den nächsten Teil gespannt sein.
Held 1
Flix
Zwerchfell Verlag
28 Seiten für 3,50 Euro
comicBizarr Bazar No 4
Jau, das ist ein treffender Name für das Comic. Auch wenn es die Nummer
Vier ist, fängt mit diesem Heft eine Trilogie an, die es in sich hat. "Nazizombies
gegen Mangagirlies" heißt eine Geschichte, wo es nicht nur der Titel
in sich hat. Sehr bizarr. Bis man zu dieser Geschichte kommt, hat man allerdings
schon eine Menge anderer skuriler Geschichten gelesen. Im Kampf der Kromosomen
geht es um die ultimative Schlacht der xx gegen xy Chromosomen. Er endet mit
einem überraschenden Ergebnis. Weiterhin ist das Heft gespickt mit noch
vielen weiteren Geschichtchen und Geschichten, mal lustig, mal weniger lustig.
Halt etwas für Freunde und Freundinnen des etwas seltsamen Humors.
Bizarr Bazar No 4
Wittek
Zwerchfell Verlag
32 Seiten für 4 Euro
www.terz.org - 17.12.2002