Der Novembermonat hat es in sich. Trauerarbeit ist angesagt. Bisher war dieselbige
vorrangig für´s Vaterland (Volkstrauertag) und nachrangig am Totensonntag
für die lieben Toten aus Verwandtschaft und Freundeskreis vorbehalten.
Das reicht einem Personenkreis aus dem Dormagener Raum offensichtlich nicht
mehr.
Sie organisierten am diesjährigen Totensonntag eine Feier der besonderen
Art: "Gleißendes Scheinwerferlicht erhellte den kleinen Tierfriedhof
in Hackenbroich", so die Westdeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 26.11.
"Knapp 100 Menschen trafen sich, um am ersten bundesweiten Gedenktag für
verstorbene Haustiere teilzunehmen."
Da man sich nicht mit der Weiterverarbeitung ihrer ehemaligen treuen Begleiter
zu Tierfutter abfinden wollte, hatten die Dormagener Tierfreunde erst im September
die Einrichtung eines Tierfriedhofs ertrotzt, und jetzt haben dort acht Tiere
"ihre letzte Ruhestätte gefunden" (WZ). So weit, so gut.
Da aber weder eine ordentliche Bestattung noch ein "Trauertag für
Vierbeiner" ohne pastorale Begleitung über die Bühne gehen kann,
war auch hierfür gesorgt worden. Brigitte Bußmann, katholische Referentin
aus Bergheim, sprach der Trauergemeinde seelsorgerischen Trost zu. Extra aus
Köln war ein Diplom-Theologe angereist, um Gröberes zu verhindern.
Immerhin musste er klarstellen: "Wir dürfen bei aller Trauer um den
Tod eines geliebten Haustieres aber nie vergessen, dass es zwischen Mensch und
Tier einen Unterschied gibt..." (WZ).
Doch das focht die wahren Tierfreunde nicht an. Sie erweiterten in einem Anfall
von Trauerextase ihre Herzen, ließen ihr Hirne ausgeschaltet und gedachten
"aller verstorbenen Tiere, die je gelebt haben", so die oben erwähnte
katholische Pastoralreferentin.
Und weil es so schön war, soll im nächsten Jahr an gleicher Stelle
am Weißen- und Totensonntag wieder ein solcher Gedenktag für die
lieben toten Vierbeiner stattfinden. Was ist aber mit den Fischen, Würmern
oder den Mücken und Küchenschaben...??
De mortuis nil nisi bene.
HPJ
Antisemitismus und Rassismus sind zwar nicht dasselbe, schließen sich
jedoch nicht aus. Nachdem Jürgen W. Möllemann mit Antisemitismus auf
Stimmenfang gegangen ist, versicherten sich die Hinweise, dass der Millionenbetrag
für seine Flugblattaktion aus seinen arabischen Kontakten über seine
Düsseldorfer Firma WebTec zusammengekommen ist. Dick die Finger darin hat
scheinbar der Möllemann-Intimus Rolf Wegener. Der Waffenhändler ist
u.a. Villenbesitzer auf der Klopstockstraße in Düsseldorf. Nun kommt
ans Tageslicht, dass Wegener sich seit 10 Jahren einen privaten "Butler"
gehalten hat, der nun gerichtlich gegen die Ausbeutung durch seinen ehemaligen
"Herren" vorgeht. Der Nigerianer war nach eigenen Beschreibungen 16
Stunden am Tag als Gärtner, Fahrer, Koch und Mädchen für alles
im Einsatz und wurde damit von Wegener mit einem monatlichen Taschengeld von
300 Mark abgespeist. Nachdem er seinen Hausherren auf die versprochene Monatsvergütung
von 3000 DM hingewiesen hat, die er nie erhalten habe, sei Wegener ihm mit Drohungen
entgegengetreten: "Er hat mich gehalten wie einen Sklaven", so der
Ausgebeutete. Zudem musste er laut eigenen Aussagen auch dem Wegener-Freund
Jürgen W. Möllemann wiederholt zu Diensten sein.
Die Herren scheinen wirklich ein allumfassendes Verhältnis zum Neoliberalismus
zu haben, dessen Vordenker Friedrich von Hayek schon früher verkündete:
"Tatsächlich ist es eines der Hauptziele des Liberalismus, die ethischen
Probleme dem Individuum zu überlassen, damit es mit diesen Problemen allein
fertig werden kann."
Das scheint Wegener genau befolgt zu haben!
Auf viel Interesse ist der Vorschlag von Innenminister Behrens gestoßen, die Reiterstaffel in Düsseldorf abzuschaffen. Falls es soweit kommt, was macht man dann nur mit den vielen, netten kleinen Tierchen. Wir empfehlen Sauerbraten- rheinische Art mit Rosinen. Lecker!
Das schreckliche Leben zwischen Drogen und Prostitution - seit einem Jahr ist
es noch schlimmer geworden. "Polizei und Ordnungsamt machen gezielt Druck
im Umfeld des Straßenstrichs auf der Charlottenstraße", erläutert
der Sprecher des "Initiativkreises Armut in Düsseldorf", Holger
Kirchhöfer. "Die Prostituierten reagieren mit einer Beschleunigung'
ihrer Tätigkeiten, steigen sofort in das Auto der Freier ein." Und
sind diesen dann oft schutzlos ausgeliefert: "Verbilligung sexueller Dienstleistungen,
erzwungene sexuelle Praktiken, ungeschützter Verkehr bis hin zu immer mehr
Vergewaltigungen."
Marita Wenzel ist Leiterin der Anlaufstelle Trebe Café auf der Kölner
Straße. 300 Mädchen bis 25 Jahre kommen pro Jahr dorthin. "Wir
versuchen nicht zu missionieren, aber wir sagen ihnen immer, sie sollten auf
ihr eigenes Gefühl hören und im Zweifel besser nicht einsteigen -
aber das wird immer schwieriger." Wegen der scharfen Kontrollen führen
die jungen Frauen oft in entferntere Stadtteile - "und da sind sie dann
noch mehr allein als sonst."
Für die Sozialarbeiterin steht fest: "Die Haltung der Stadt führt
zu vielen Katastrophen bei den Mädchen. Das sind keine professionellen
Frauen, sondern Elends-Prostituierte."
Homepage: http://www.ik-armut.de/
Michael Kerst
Langsam muß man den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch wohl als Neonazi bezeichnen. Zumindest werden die Unterschiede immer geringer. Die Wahl zum Ministerpräsidenten hatte er mit einer rassistisch angehauchten Kampagne gegen die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft gewonnen. Eine Kampagne, die auch von der hiesigen CDU fortgeführt wurde. Seine kriminellen Machenschaften im Zuge der hessischen Spendengeldaffäre haben bis jetzt nicht zu einem Prozeß geführt. Perfiderweise wurde der Landtagswahlkampf 1999 teilweise aus Schwarzgeldern bezahlt, die als "jüdische Vermächtnisse" getarnt an die Hessen-CDU überwiesen worden waren. Nun hat er wieder zugeschlagen. In einer aktuellen Stunde des hessischen Landtags um die Einführung einer Vermögenssteuer vergriff sich der CDU-Ministerpräsident Roland Koch ein weiteres Mal im Wort. In der Debatte seien die Reichen zu Menschen "mit so einer neuen Form von Stern an der Brust" gemacht worden, sagte Koch hörbar erregt. Es sei eine "schlimme Parallele zu anderen Zeiten", wenn Reiche als Schmarotzer der Gesellschaft stigmatisiert würden.
Mit der Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie ist das so eine Sache. Wenn der Bürger fleißig Zeitungen in die Container schmeißt, steigt das Altpapier-Angebot und die Preise sinken, weshalb das Düsseldorfer Müll-Unternehmen Awista weniger einnimmt. Wenn der Bürger dann noch nach Leibeskräften Müll vermeidet und mit den kleineren, billigeren Tonnen auskommt, hat die Awista ebenfalls ein Problem. Mit ihren ökologisch korrekten Einrichtungen wie Recycling-Höfen und Bio-Tonnen läßt sich dieses Defizit nicht ausgleichen. Also wollte die Müll-Firma die Gebühren um 20 % erhöhen. Aber dann wehte ein Hauch von Französischer Revolution durch Düsseldorfs Bürgerstuben, den die "Aufklärer" von der Rheinischen Post maßgeblich entfacht hatten. Vor ein paar Jahren hatte sich das Blatt noch vehement für eine Privatisierung dieser städtischen Dienstleistung ausgesprochen. Jetzt, wo das Outsourcing vollzogen ist und auch aus neoliberalem Müll keine profitträchtige New Economy geworden ist, müssen natürlich andere Gründe für das Defizit herhalten: Misswirtschaft, Dienstwagen, zu viele Geschäftsführer-Posten. Kein Wort davon, dass durch Privatisierung kein freier Wettbewerb entsteht, sondern Monopole wie die RWE (die bei der AWISTA einsteigen will), welche die Preise diktieren können. Vielleicht hätte sich die AWISTA an Trinekens ein Beispiel nehmen sollen, das sich gut auf schmutzige Geschäfte verstand und sich Politiker kaufte, um mit Scheiße Geld zu machen. Dass die AWISTA mit ihren Gebühren im Städte-Vergleich noch ganz gut darstand, erwähnten die Redaktionskämpfer ebenfalls nur in einer Fußnote. Bisher lag Düsseldorf mit 297 Euro bei den Kosten deutlich unter Städten wie Duisburg (482 Euro), Krefeld (457 Euro), Köln (413 Euro) und Dortmund (355 Euro). Sogar mit der 20-prozentigen Erhöhung würde die Landeshauptstadt sich noch im Mittelfeld befinden. Zu der wird es jetzt vermutlich nicht kommen - ein Sieg des Volkes im Müll-Kampf. Statt um 20 Prozent sollen die Kosten nur um 16,9 Prozent steigen. Die Awista mobilisierte noch Wirtschaftlichkeitsreserven. Wo? Natürlich bei der Ökologie: Das Unternehmen will unter anderem mehrere Recycling-Höfe schließen.
In NRW ist die offizielle Zahl der Telefonaböraktionen wiederum kräftig
gestiegen. Um fast 20% erhöhte sich die Anzahl der Telefonüberwachungen
von 402 Fälle im Jahr 2000 auf 475 Fälle im Jahr 2001. Die Anzahl
der abgehörten Telefonanschlüsse können jedoch ein vielfaches
Betragen, da mit der veröffentlichten nur die Personen gemeint sind, gegen
die ein Richter die Abhöraktion bewilligt hat.
Einen ganz anderen Einblick in Abhöraktionen gab der Telefondienstbetreiber
O2, ehemals Viag Interkom einigen seiner Kunden im Oktober. Weil sich Kunden
über doppelt abgerechnete Gespräche beschwerten, kam heraus, das deren
Telefone abgehört werden. Eine recht peinliche Panne. Betroffen waren nach
Informationen der "Frankfurter Rundschau" sowohl Abhöraktionen
der Polizei als auch der Geheimdienste. Sofort als der fehler nach wenigen Tagen
auffiel, stoppte O2 die Rechnungsverschickung und änderte die Software.
Insgesamt waren etwa 50 Personen betroffen. Da nur ein kleiner Kreis der Betroffenen
diese Rechnung bekam, kann man sich leicht ausmalen, daß die offiziellen
Zahlen nur schwer der Wahrheit entsprechen können. Nach Angaben der Zeitschrift
"Spiegel" werden in Deutschland 20.000 Telefone abgehört. Offiziell
werden im Jahr rund 4.000 Anschlüsse mit richterlicher Genehmigung belauscht.
Dazu kommen die Aktivitäten des Bundesnachrichtendienst BND, der jedes
ins Ausland gehende und vom Ausland eingehende Gespräch routinemäßig
überwacht und nach Keywords scannt.
Langsam geht es heiß her in Düsseldorf. Es dauert manchmal etwas
länger, aber die Proteste gegen die diversen Projekt in Düsseldorf
nehmen zu. Neben den Aktivitäten gegen die Olympiabewerbung Düsseldorfs
regt sich auch heftiger Widerstand gegen den Bau der Arena und den Ausbau der
Messe. Für die werden über 200 alte Bäume, darunter zwei sehr
seltene, gefällt. OB Erwin läßt keinen Zweifel daran, daß
der Bau der Arena fortgesetzt wird. Wiederkäuend rasselt er die Mär
von der nun aber wirklich feststehenden Finanzierung der Arena herunter. Auch
seine Haus-und-Hof-Gazette, läßt kaum einen Tag aus zu schreiben,
wie sicher die Finanzierung sei. Hinter vorgehaltener Hand kommen jedoch ganz
andere Sachen ans Licht. Demnach ist man von einer sicheren Finanzierung noch
ewig entfernt.
Der Bau der Arena wird angeführt, wenn es darum geht, den Beschäftigten
der Stadt die längst fällige Erhöhung ihrer Bezüge um 3%
zu verweigern. Da die öffentlichen Kassen leer seien, könne man auch
keine höheren Gehälter zahlen. Während mehreren sozialen Einrichtungen,
heftig die Zahlungen gekürzt werden, wird fleißig weiter an der überflüssigen
Arena, die sich kaum finanziell tragen kann, geplant.
Für ein weiteres Großprojekt rückt das Ende immer näher.
Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann der Sargnagel endlich auf den
Transrapid eingeschlagen werden kann.
Bemerkenswert ist die Begründung des Innensenators von Berlin zum Verbot
einer Demonstration gegen den Irak-Krieg, am 14.12.2002: Gefahr von Umsatzeinbußen!
Dazu heißt es: "Dies findet seine Ursache im wesentlichen darin,
dass der Samstag vorrangig von Familien und Touristen genutzt wird, also jenen
Gruppen, die aufgrund der eintretenden Behinderungen von Kaufabsichten zurücktreten.
Signifikant ist in diesem Zusammenhang, dass an solchen Tagen auffällig
hohe Einbußen im hochpreisigen Segment festgestellt werden."
Im Bescheid wird der Verstoß dieses Verbotes gegen die herrschende Rechtsauffassung
zugegeben. Kommerz soll in Zukunft Vorrang vor den Grundrechten bekommen.
Zur Erinnerung: Es ist der gleiche Politiker, der sagte, daß es kein Recht
auf Ausreise gäbe. Das ist kein übrig gebliebener Piefke aus der DDR,
sondern ein Mann der SPD.