Bilk. Am Samstag, den 13. Dezember 2003 bot sich den AnwohnerInnen rund um den Bilker Bahnhof ein seltsames Bild. Über hundert mit Erwin-Masken verkleidete DemonstrantInnen zogen durch den Stadtteil, um gegen Wohnungsnot und Sozialraub zu demonstrieren.
Auf Transparenten wie "Unsere Agenda heißt Widerstand" und
mit Parolen wie "Hartzkonzept und 2010 - der Fehler ist das System"
wurde deutlich gemacht, dass die Binterimstraße nur ein lokaler Ausdruck
von sozialem Kahlschlag ist. Wohnungslosigkeit muss als Folge von finanzieller
Not, hervorgerufen durch Perspektiv- und Arbeitslosigkeit verstanden werden.
Agenda 2010 und Hartzkonzept werden dafür Sorge tragen, diese Entwicklung
weiter zu forcieren. Und andersherum: Auf dem Immobilienmarkt geht es um die
Realisierung von Profiten. Ein großes Angebot an preisgünstigen Wohnungen
ist nicht sehr lukrativ. Mehr Kapital aus der Bebauung heiß umkämpfter
Flächen zu ziehen, lautet die Devise. Manchmal muß für diese
Form der Gewinnmaximierung auch Bestehendes abgerissen und neu bebaut werden,
wie aktuell auf der Binterimstraße.
Am 3. Dezember fand der erste Prozess gegen eine Mieterin der Binterimstraße
statt, gegen die die Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft eine Räumungsklage
angestrengt hatte. Durch einen Formfehler bei der Kündigung wurde diese
aber für ungültig erklärt. Die Mieterin hat somit Anspruch auf
eine erneute Kündigungsfrist von neun Monaten, da sie schon seit über
zehn Jahren in den Häusern wohnt. Der zuständige Richter legte der
Genossenschaft nahe, die Abfindungssumme zu verdoppeln, denn ein bisschen mehr
müsste ihr der Auszug schon wert sein. Fraglich ist, ob die Mieterin das
Angebot annimmt, geht es den noch in den Häusern verbliebenen Mietparteien
doch vornehmlich um den Erhalt des Häuserblocks. Am 21. Januar geht der
Prozess in die nächste Runde, wenn die Konfliktparteien sich nicht einigen
können, wird der Fall in die nächste Instanz vor das Landgericht kommen.
Die Genossenschaft wollte sich wie immer vor der Presse nicht dazu äußern.
Die Vorsitzende Kress ist anscheinend immer noch pikiert darüber, dass
die Lokalpresse ziemlich objektiv über die Hausbesetzung berichtet hat.
Die Genossenschaft macht inzwischen munter weiter mit der Wohnraumzerstörung.
Im Haus Nr. 28 wurden alle Holzdielen, Türen und Rahmen heraus gerissen.
Des weiteren wurden alle Fenster auf der Rückseite des Hauses zerstört,
damit die Feuchtigkeit eindringen kann und die Bausubstanz weiter geschädigt
wird. Gar nicht lustig fanden es Kress und Co. von der Wohnungsgenossenschaft
hingegen, dass in der ganzen Stadt Annoncen aufgetaucht sind, die preiswerte
WGs auf der Binterimstraße anbieten. Der zuständige Sachbearbeiter
war am Telefon ziemlich genervt, weil schon einige Dutzend Leute sich brennend
für die Wohnungen interessierten. Man darf gespannt sein, was sich Leute
noch einfallen lassen, um der Wohnungsgenossenschaft in die Suppe zu spucken.
In diesem Sinne: Unsere Agenda heißt Widerstand!
BIWOGE
www.terz.org - 25.12.2003