von recht und unrecht
Mit dem juristischen Engagement gegen Rassismus ist es kompliziert, denn Widerstand
gegen Rassismus kann sowohl legal, als auch illegal sein. Hierzu zwei juristische
Fallbeispiele: Ein Abteilungsleiter der Uni-Verwaltung Düsseldorf musste
sich wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten. Er soll in der Kaffeepause
mit einem Zeitungsartikel über ein totes türkisches Kind gewunken
und erklärt haben: "Wieder ein Türke weniger..." Laut Aussagen
der Angestellten soll dies kein Einzelfall gewesen sein. Nachdem sich die Angestellen
mehrmals vergeblich beim Personalchef über die rassistischen Sprüche
des Abteilungsleiters beschwert hatten, zeigten sie ihn wegen Volksverhetzung
an. Vor Gericht stimmte dieser nach zähen Verhandlungen dem Auflösungsvertrag
zu, und der Richter stellte das Verfahren gegen 400 Euro Buße ein.
In einem anderen Fall vor dem Wuppertaler Amtsgericht klagte ein Personalchef
einer Textilfirma erfolglos gegen seine fristlose Kündigung. Er hatte sich
aus ethischen Gründen der Anweisung seines Chefs widersetzt, fortan keine
türkischen Zugewanderten mehr einzustellen und verwies hierbei auf das
europäische Antidiskriminierungsgesetz. Dieses, so der Richter, habe jedoch
hierzulande keine Rechtsgültigkeit, weshalb das Anliegen des Chefs rechtens
sei. Sein Widerstand gegen das vom Chef erforderte rassistische Personalauswahlverfahren
sei deshalb kündigungswürdig.
Was lernen wir daraus? Wohl, dass zwischen dem Aufstand der Anständigen
und dem Engagement gegen Rassismus ein paar juristische Widersprüche bestehen...
immer ärger mit der arena
Düsseldorfs größte Baustelle dürfte sich anders als geplant
im September 2004 nicht zur Wahlkampf-Arena für Oberbürgermeister
Joachim Erwin mausern. Ursprünglich sollte in diesem Monat die Eröffnungsfeier
mit Stars aus Funk und Fernsehen stattfinden und Erwin so Auftrieb für
die anstehende Kommunalwahl geben. Aber die Bauarbeiten haben sich verzögert.
Der OB lässt jedoch nicht locker und will nun "under construction"
feiern. Die dazu nötige Prominenz ist allerdings nicht in Party-Laune.
"Große Künstler kommen nicht auf eine Baustelle", sagt
der bei der Walter AG kurzzeitig zum Event-Manager abgestellte Thomas Speck.
Deshalb wird es jetzt lediglich "Kleinkunst auf der Bühne" geben.
Eine Helm-Pflicht für alle BesucherInnen konnte Erwin gerade noch abwenden.
Auch nach der Inbetriebnahme steht dem Mega-Stadion eine Zukunft als größte
Kleinkunst-Arena der Welt bevor. Speck ist es bis jetzt nämlich noch nicht
gelungen, für das Jahr 2005 KünstlerInnen zu verpflichten, die mainstream
genug sind, um 50.000 BesucherInnen anzulocken und die meisten der in Frage
kommenden Dumpfbacken haben schon woanders unterschrieben. Die internationale
Veranstaltungsfirma, welche für die Show-Stars sorgen sollte, hat den Vertrag
mit der Arena inzwischen aufgelöst. Auch mit dem Interessenten für
den Hotel-Betrieb gestalten sich die Verhandlungen schwierig.
arzt zum kotzen gefunden
Trotz langwieriger Verhandlungen gelang es der Stadt nicht, ein Krankenhaus
zu finden, das sich der Polizei als verlängerter Arm zur Verfügung
stellen wollte, indem es mutmaßlichen Drogen-DealerInnen Brechmittel zur
Sicherstellung des Beweismittels "Drogen-Bubble" einflößt.
Jetzt hat das Polizei-Präsidium einen Arzt ohne medizinisches Ethos aufgetrieben,
der dazu bereit ist. Nun müssen nur noch geeignete Räumlichkeiten
für die staatlich induzierte Kotzerei her - Krankenhäuser wollen ihre
nämlich nicht zur Verfügung stellen.
"ich liebe es"
Auch McDonalds geht es nicht mehr so gut wie früher. Zwei Filialen haben
in Düsseldorf schon dicht gemacht. Dennoch besuchen Gourmet Freunde dieses
freundliche Familienrestaurant mit dem Charme einer heruntergekommenen Bahnhofstoilette,
deren Angestellte nicht nur zu Minilöhnen arbeiten müssen, sondern
denen in der Regel auch die gewerkschaftliche Vertretung vorenthalten wird.
Da liegen die Nerven schon mal blank. Musste man sich früher gelegentlich
mit kaputten Scheiben und Schnellbeton in den Klos rumärgern sind es heute
nörgelnde Gäste. Vor zwei Jahren beschwerte sich ein leicht Angetrunkener
in einer Düsseldorfer Filiale, dass er statt einer bezahlten Maxi Portion
nur die einfache Version bekam. Daraufhin wurde der 34-jährige Geschäftsleiter
rabiat und prügelte den 19-jährigen aus dem Lokal, wo er von Mitarbeitern
auch noch getreten wurde. Das Landgericht Düsseldorf verurteilte den Leiter
nun zu 2400 Euro Geldstrafe und zu Zahlung von 1200 Euro Schmerzensgeld. Da
soll noch einer sagen, dass Fleisch nicht aggressiv macht.
land feiert "kann-wegfallen"-orgie
Das Land Nordrhein-Westfalen kürzt den Wohlfahrtsverbänden massiv
Zuschüsse. Die Diakonie erhält 100.000 Euro weniger, der Awo streicht
das Land 132.000 Euro und die Caritas muss mit 62.000 Euro weniger auskommen.
Unter den Einsparungen haben unter anderen die Sucht-Prävention, die Ehe-
und Lebensberatungs-Einrichtungen, die Frauenhäuser, Weiterbildungsangebote
und die Kinder-Tagesstätten zu leiden. Das Frauen-Notruftelefon ist sogar
in seiner Existenz gefährdet.
rat gegen wehrmachtsausstellung
Der Rat hat abermals den Antrag der PDS abgelehnt, die Wehrmachtsausstellung
nach Düsseldorf zu holen. 39 Ja-Stimmen von PDS, Grünen und SPD standen
40 Nein-Stimmen aus den Reihen der CDU und ein ablehnendes Votum des Republikaner-Vertreters
entgegen. Hätte nicht zufällig ein SPDler während der Abstimmung
den Sitzungssaal verlassen, hätte also die CDU die Schau wieder einmal
nur in Tateinheit mit den Neofaschisten verhindern können.
Auch der PDS-Vorschlag, die Stadt möge sich an der "Aktion Stolpersteine"
beteiligen und Patenschaften für die zum Gedenken an Nazi-Opfer in die
Bürgersteige eingelassene Steine übernehmen, fand keine Mehrheit.
Gegen den Antrag der beiden PDS-Ratsherren, der "Vereinigung der Verfolgten
des Nazi-Regimes" (VVN) 6.000 Euro für ihre Arbeit zur Verfügung
zu stellen, stimmten anders als vor zwei Jahren sogar die Grünen. Überraschenderweise
konnte der Rat sich auch nicht für das PDS-Begehr erwärmen, den Antifa-KOK
mit einer Summe in gleicher Höhe zu fördern.
grüße und weiter so!
Am 1. Januar 2004 ist es 10 Jahre her (ja, ja, wie die Zeit vergeht!), dass
im Urwald von Chiapas eine kleine Gruppe weltweit Aufmerksamkeit erregte. Am
Morgen des neuen Jahres kamen ganz unglaubliche Nachrichten von einem Aufstand
einer bis dahin weitestgehend unbekannten Guerilla von Indigenas, die einige
Städte im Süden von Mexico erobert hatten. Als die erste postfordistische
Guerilla machte die EZLN weltweit Schlagzeilen. Die 1993 gegründete Guerilla
nutzte intensiv die damals noch neuen Medien, wie z.B. das Internet. Aushängeschild
und Sprachrohr der Guerilla ist bis heute Subcommandante Marcos, der mit Witz
und Poesie manchmal auch seine weltweiten Anhänger verwirrt.
http://www.gruppe-basta.de/
http://www.ezln.org/
gastfreundschaftliche abschiebungen
Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft haben sich was ganz Perfides ausgedacht: ein Preisausschreiben
zur Wahl der freundlichsten Ausländerbehörde. Urteilen durften ausländische
Studierende und Doktoranden. Diese wählten die Ausländerbehörde
der Stadt Bochum. "Das ist für uns super", jubilierte der dortige
Ordnungsdezernent Hanspeter Knirsch. "Die Kooperation mit dem Akademischen
Auslandsamt ist ausschlaggebend für die Bewertung", erklärte
der Leiter des Einwohnermeldeamts von Bochum. Angehende AkademikerInnen mit
Migrationshintergrund haben wohl gelernt aus der "Kinder statt Inder"-Kampagne
bei der letzten Landtagswahl, und wählten ohne zu murren brav mit. Der
Bochumer Ordnungsdezernet betont zugleich, dass das Ausländeramt nicht
nur angenehme Aufgaben zu bewältigen habe. Aber "wir bemühen
uns, auch bei Abschiebungen höflich und freundlich zu sein", erklärte
er offenherzig. So etwas nennt man Service für den Standort Deutschland!
giftgasproduktion in deutschland
Fast unbekannt ist, dass auch in Deutschland Giftgas produziert wird. Während
andere Länder für die angebliche Produktion bombardiert werden, wird
durch die rot/grüne Landesregierung NRW dem Bayer Werk Uerdingen die Erlaubnis
erteilt, die dortige Phosgen-Produktion auszuweiten. Gegen die Ausweitung und
der grundsätzlichen Produktion protestieren der NRW-Landesverband des Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Coordination gegen
BAYER-Gefahren. Die Ausweitung wird als unrechtmäßig und die Produktion
als zutiefst gefährlich bezeichnet. Demnach sei die Anlagen-Erweiterung
ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne Unterrichtung der Öffentlichkeit
erfolgt. Das Mitglied der deutschen Störfallproduktion Prof. Rochlitz:
"Die Phosgenproduktion gehört zu den risikoreichsten Anlagen in NRW.
Durch die Genehmigung neuer Anlagen wird diese hochgefährliche Produktionsweise
für Jahrzehnte festgeschrieben. Es ist völlig inakzeptabel, dass Umweltverbände
und Öffentlichkeit im Vorfeld nicht informiert wurden und nicht die Möglichkeit
erhielten, Einwendungen zu erheben." BAYER hatte im vergangenen Jahr die
Phosgenproduktion um rund 60.000 Tonnen/Jahr erhöht. Phosgen wurde im 1.
Weltkrieg als tödliches Kampfgas eingesetzt und wird heute im großen
Maßstab als Vorprodukt bei der Kunststoffproduktion verwendet.
steuerhinterzieher erwin?
Gegen Oberbürgermeister Joachim Erwin laufen zwei Verfahren wg. Steuer-Hinterziehung.
Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn und seine Frau unter anderem, Zins-Erträge
in fünfstellige Höhe aus einer Geld-Anlage in Luxemburg - wo auch
sonst? - nicht ordnungsgemäß deklariert zu haben. Sollte der Fisch
in Düsseldorf etwa vom Kopfe stinken, während der Ordnungs- und Servicedienst
jedem Kaugummi-Wegspucker und Kippen-Wegwerfer nachstellt? Der Kopf sagt nein
und spuckt eben mal wieder eine Verschwörungstheorie aus. Erwin sieht sich
als Opfer einer angeblich von der Landesregierung als Drahtzieher initiierten
Rufmord-Kampagne und hat sich den Anwalt Helmut Kohls als Verteidiger ausgesucht.
Der weiß ja auch bestens, wie man schmutzige Geheimnisse bewahren kann.
gastfreundschaftliche abschiebungen
Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft haben sich was ganz Perfides ausgedacht: ein Preisausschreiben
zur Wahl der freundlichsten Ausländerbehörde. Urteilen durften ausländische
Studierende und Doktoranden. Diese wählten die Ausländerbehörde
der Stadt Bochum. "Das ist für uns super", jubilierte der dortige
Ordnungsdezernent Hanspeter Knirsch. "Die Kooperation mit dem Akademischen
Auslandsamt ist ausschlaggebend für die Bewertung", erklärte
der Leiter des Einwohnermeldeamts von Bochum. Angehende AkademikerInnen mit
Migrationshintergrund haben wohl gelernt aus der "Kinder statt Inder"-Kampagne
bei der letzten Landtagswahl, und wählten ohne zu murren brav mit. Der
Bochumer Ordnungsdezernet betont zugleich, dass das Ausländeramt nicht
nur angenehme Aufgaben zu bewältigen habe. Aber "wir bemühen
uns, auch bei Abschiebungen höflich und freundlich zu sein", erklärte
er offenherzig. So etwas nennt man Service für den Standort Deutschland!
rechtes auf der kö
Demnächst wird das Lichtburg Kino auf der Kö geschlossen. Zum Abschluss
gibt es dort noch einen Eklat. Der angeblich so sehr geläuterte Rechtsradikale
Torsten Lemmer tritt dort mit weiteren Gesinnungsfreunden auf. Am 8. Januar
soll dort der Auftakt für eine drei Wochen lang laufende Propagandashow
unter dem Titel: "Hamlet. This is your Family" sein, mit der er und
seine Kommpane unter der Regie von Christoph Schlingensief in Zürich schon
mal für negative Schlagzeilen gesorgt hatte. Zur Premiere, die aus einer
Podiumsdiskussion und Szenen der Hamlet Inszenierung bestehen soll, sind nur
geladene Gäste vorgesehen. Offizieller Veranstalter ist Peter Kern, der
nun von dem geladenen OB Erwin eine freundliche Absage bekommen hat und ihm
dennoch alles Gute für den Auftritt wünscht.
www.terz.org - 25.12.2003