Auf dem Panzer nach Düsseldorf

Aloys Odenthal ist tot

91-jährig ist am 30. November 2003 der Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf Aloys Odenthal gestorben. Er gehörte 1945 einer losen Widerstandsgruppe um den Polizeipräsidenten Franz Jürgens an, die in den letzten Tagen des Krieges einige führende Nazifunktionäre festsetzten, bevor sie selbst verhaftet wurden. Dafür wurden Franz Jürgens, Heinrich Kleppe, Hermann Weil, Josef Knab und Theodor Andresen durch ein Standgericht noch in den letzten Stunden des Krieges in der Nacht zum 17. April an der Feuerbachstraße hingerichtet. Aloys Odenthal und der schon länger verstorbene Dr. Karl August Wiedenhofen schlugen sich durch die Linien des von US-Amerikanern umzingelten Düsseldorf und konnten die Militärs überreden, kampflos in die Stadt einzuziehen. Als Lotse und gut sichtbare Zielscheiben fuhren sie auf den ersten beiden von acht Panzern der US-Einheit mit 800 Soldaten, die über Flingern die Innenstadt erreichten.
Nach der Befreiung trat der gläubige Katholik 1949 in die CDU ein, blieb aber Zeit seines Lebens Antifaschist und seiner Überzeugung treu, die ihm mehrfach Konflikte mit seinen Parteifreunden einbrachte. 1999 trat Odenthal aus der CDU aus, weil die CDU-Bezirksvertretung es ablehnte, eine Gedenkveranstaltung zu Ehren seiner ehemaligen Mitstreiter, sowie der internationalen Zwangsarbeiter und des Widerstandes in Gerresheim abzuhalten.
Zurückblickend erwähnt er: "Ich konnte mich damals auf meine Freunde, unter denen auch Kommunisten waren, verlassen. Auf manche Katholiken dagegen nicht. Nach dem Krieg hat mir sogar ein Pastor vorgeworfen, mit den Kommunisten zusammengearbeitet zu haben. Mich hat an der CDU immer gestört, dass sie ehemalige Nazis sogar in höchsten Positionen geduldet hat - aber jeden kleinen Kommunisten so behandelt hat, als sei er persönlich für die Verbrechen Stalins verantwortlich."
Trotz häufig kritikwürdiger Ansichten war er immer ein integerer Mensch, der an seinen antifaschistischen Überzeugungen keinen Zweifel ließ. Damit hat er sich trotz der unterschiedlichen Überzeugungen auch bei den Linken viel Anerkennung geschaffen. Düsseldorf hat mit dem Tod von Odenthal einen aufrechten Antifaschisten verloren.

www.terz.org - 25.12.2003