Kommentar
Bundeswehr
– Folterwehr!
Von
Jürgen Stein
„In der Bundeswehr wird nicht gefoltert“, sagte das Mitglied der
deutschen Bundesregierung Peter Struck vor noch nicht langer Zeit.
Für rüden
Umgang und Einschüchterung durch Vorgesetzte sei in der Bundeswehr
niemals
Platz gewesen und werde es auch künftig nicht geben, meinte
Generalinspekteur
Schneiderhahn. Ebenfalls noch nicht so lange ist es her, dass in den
Medien
dieses Landes über Folterungen im Irak berichtet wurde – begangen
von
Besatzungssoldaten der USA und Großbritanniens. Die Empörung
darüber war mit
Recht sehr groß. Aber jetzt? Wie berichtet, wurden nicht nur im
westfälischen
Bundeswehrstandort Coesfeld Untergebene durch Vorgesetzte nicht nur
misshandelt, sondern richtig gefoltert. KommentatorInnen und
PolitikerInnen
äußerten sich, und es wurde zunächst so getan, als ob
das alles nur Ausrutscher
seien. Peter Struck, jener SPD-Kriegsminister, der erklärt hat,
Deutschland
müsse am Hindukusch verteidigt werden, meldete sich zu Wort. Das
sei alles
nicht so schlimm, sagte er jetzt, aber die Sache werde schnellstens
bereinigt.
Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, und dann sei
alles wieder
in Ordnung. Aber so einfach ist die Sache nicht. Um Ausrutscher handelt
es
sich, wie mittlerweile klar sein sollte, keineswegs. Schon werden
Kriegsminister Struck und PolitikerInnen aller Couleur sowie ein im
„Deutschlandfunk“ auftretender Ex-General und sogenannte
„Militär-Experten“,
die ebenfalls zu den Schönrednern zu zählen sind, korrigiert.
Die angeblichen
„Ausrutscher“ erweisen sich als das, was sie sind: als
militärischer
Normalfall. Auch aus anderen Bundeswehrstandorten werden
haarsträubende
Berichte gemeldet. Über etwa 170 „Missbrauchsfälle“, darunter
Folter und
Vergewaltigungen, werden auch aus Großbritannien gemeldet. Auch
in den
britischen Streitkräften hat das Ganze System. Selbst aus den
Reihen des
österreichischen Bundesheeres, in dem doch angeblich „die Welt in
Ordnung“ zu
sein schien, wird über solche bösen Dinge berichtet. Ein Ende
ist nicht
abzusehen. Wie die Zeitschrift „EMMA“ dokumentiert hat, werden im
Kosovo Frauen
in extra für die Bundeswehr hergerichteten Bordellen gegen ihren
Willen
festgehalten. Auch das ist nichts anderes als Folter. Dass so etwas
geschehen
könne, sei doch nicht normal, meint der überraschte
Zeitgenosse. Dabei genügt
ein Blick zurück in die Geschichte, um zu zeigen, dass
Erniedrigung und eben
Folter immer schon Teil militärischen Wesens waren. Sie sind
Bestandteil
militärischer Realität und gehören zu jeder Armee, wie
die Luft zum atmen. Aus
diesem Grund kann und wird sich auch nichts ändern, solange es
Staat und
Militär geben wird. Und so dürfte sich die Frage von allein
beantworten, was
getan werden muss, um das Problem von Grund auf zu lösen: Die
Auflösung
jeglichen Militärs nämlich. Das ist aber nicht möglich
mit Staat und Kapital,
sondern nur gegen sie.
www.terz.org - 22.12.2004