Recht extrem
In der Bezirksvertretung Eller – so
lautete es vor einiger
Zeit in der Rheinischen Post – würden die Sozis gemeinsame Sache
machen mit
„Extremisten“. Damit meinte RP-Redakteur Schulte allem Anschein nach
die PDS.
Hierbei scheint er von dem CDUler Christian Rütz beraten worden zu
sein,
welcher mit seiner Kampagne gegen „die Roten“ in der BV um
Aufmerksamkeit
ringt. Ein Blick in die Aktivitäten des Herren Rütz selbst
bringt recht
Extremes zutage …
Im Düsseldorfer Stadtteil Eller sorgt seit letztem Jahr eine
neofaschistische Szene für Ärger und Unruhe. Daraufhin hat
sich eine
Bürgerinitiative gegen Rechts gegründet, die sich u.a. auch
an die BV gewandt
hat, mit der Bitte um Unterstützung von Aktivitäten gegen die
Rechten. Teile
der SPD und die ebenfalls in der BV vertretene PDS reagierten positiv
auf
dieses Ansinnen. Dagegen machte ein gewisser Christian Rütz mobil
und blies
populistisch zum Angriff auf die „roten Extremisten“ in der BV.
Stolz verweist
der 1978 geborene Rütz auf seiner Homepage
auf seine Mitgliedschaften: „CDU, JU, RCDS, Schüler Union, KPV,
seit 1994
(siehe auch Politik), Conservatives, Conservative Future, Bristol
University
Conservative Association, Postgraduate Society (seit 2001)“,
heißt es da. Wem
das noch nicht reicht, der kann weiter lesen: „Meßdiener St.
Michael Düsseldorf
seit 1988, Lektor & Kommunionhelfer seit 2003, Heimatverein
Lierenfeld seit
1999, Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr seit 1998, Bund
Freiheit
der Wissenschaft seit 1997.“ Wenn das nicht auf einen
recht(s)schaffenden
Bürger weist, was dann? Das Thema „Extremismus“ scheint dem
angehenden Juristen
Rütz eine Herzensangelegenheit zu sein – jedoch mit der
bemerkenswerten Note,
dass der bekennende Konservative sich hierbei anscheinend besonders der
Unterbindung antifaschistischer Aktivitäten verschrieben hat. So
berichtete der
AStA Düsseldorf schon in einer Veröffentlichung aus dem Jahr
2000 von
denkwürdigem Engagement seitens des RCDSlers Rütz: „Der AStA
der Heinrich-Heine-Universität
in Düsseldorf erhielt am 9.5. ein Schreiben des
Verwaltungsgerichts Düsseldorf,
in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er u.a. wegen eines Aufrufes zur
Anti-Nazi-Demo am 28.10.00, einer Anzeigenschaltung in der
»Stattzeitung Terz«
und wegen seines Engagements im Bürgerentscheid Stadtwerke
Düsseldorf wegen
Ausübung des Allgemeinpolitischen Mandats verklagt worden ist.
Eingereicht
wurde die Klage vom Vorsitzenden des RCDS Düsseldorf, Christian
Rütz.“
Die Klage hatte
zwar keinen Erfolg, offenbarte allerdings,
wessen Geistes Kind dort am Werke ist.
Alle
3 Strophen?
Nicht so genau
hingegen scheint es der angehende Jurist und
RCDSler Rütz mit der Abgrenzung nach rechtsaußen zu nehmen,
wenn man der
Tageszeitung taz und Flugblättern der Linken Liste aus Duisburg
Glauben
schenken kann. So berichtete die taz von einem RCDS-Liederbuch aus dem
Jahr
2000, in dem deutsch-nationales und militaristisches Liedgut wie die
„Wacht am
Rhein“ zum Besten gegeben wurde. Die Linke Liste Duisburg des dortigen
AStA
berichtete auf ihrem Flugblatt „Opposition“ im Jahr 2001 von dem
Liederbuch und
dessen Herausgeber Lars Kasischke. Im Flugblatt heißt es: „Im
Vorwort bedankt
er (Kasischke, Anm. TERZ) sich bei »Christian Rütz aus
Düsseldorf, dessen
Repertoire an Liedgut grenzenlos zu sein scheint«.” Zudem
behauptete die Linke
Liste Duisburg in jenem Flugblatt: „Für die NRW-Fassung des
Liederbuches hat
Rütz auch ein Grußwort verfasst, das noch einmal
verdeutlicht, dass es sich bei
der Sammlung keinesfalls um eine irgendwie kritische Ausgabe handeln
soll: »In
einer Zeit der Schnellebigkeit scheinen die in musikalische Form
gebrachten
Programmsätze, moralischen und ethischen Grundüberzeugungen
oder Bekundungen
der Heimatverbundenheit und Liebe zum eigenen Land Zeugen vergangener
Tage zu sein.«
(Christian Rütz, RCDS Düsseldorf) In dieser Fassung finden
sich, im Gegensatz
zu der vom Bundesverband vertriebenen, auch die ersten beiden Strophen
des
»Lied der Deutschen«.”
Extrem
doof
Nun ist es
sicherlich verständlich, sich als Gegner
jeglichen Extremismus zu präsentieren, wenn man, wie
augenscheinlich Rütz, in
der CDU was werden will. Peinlich wird es dabei jedoch, wenn man
hierbei
zugleich selber in die Hülle des zuvor Verteufelten schlüpft.
So präsentiert
der angehende Jurist Rütz auf seiner Homepage nahezu aufdringlich
die auch noch
so kleinste Pressemeldung über seine Person. In der chronologisch
sortierten
Liste von Pressemeldungen über ihn fehlt jedoch ein
Zeitungs-Interview. Unter
dem Titel „Nase voll von rot-grün“ gab Christian Rütz als
„Vize-Chef der
Schüler-Union (SU)“ der Zeitschrift für Salonfaschismus, der
„Jungen Freiheit“,
am 20.6.1997 ein Interview.
Im
Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen
2003 heißt es zur JF: „Die Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit
ist einer um
Intellektualisierung bemühten geistigen Strömung innerhalb
des
Rechtsextremismus zuzurechnen, die vielfach als ‚Neue Rechte’
bezeichnet wird.“
Nun ist es nicht
Sache der TERZ, mittels Kriterien des
Verfassungsschutzes danach zu forschen, ob Herr Rütz daraus
ableitend nun als
„rechtsextrem“, als „Neuer Rechter“ oder schlicht als extrem rechts zu
bezeichnen ist.
Wir sind
hingegen der Ansicht, dass jemand, der den Mund
voll nimmt gegen „Extremismus“, besser nicht in einem neurechten Blatt
schreiben sollte, das „um Intellektualisierung“ der Rechten bemüht
ist. Denn
das ist in erster Linie extrem dämlich.
AlC
www.terz.org - 22.12.2004