AStA FH Düsseldorf in der Terz
Wo kein Wille ist,
ist auch kein Weg -
Vom Scheitern der BAföG-Reform
Am 20. Oktober 1998 legten die SPD und Bündnis 90/Die Grünen
in ihrem Koalitionsvertrag fest: "Mit einer grundlegenden Reform
der Ausbildungsförderung werden wir 1999 beginnen. In einem ersten
Schritt werden wir Einschränkungen der 18. BAföG-Novelle zurücknehmen
und die Freibeträge weiter anheben. Für eine grundlegende Reform
und Verbesserung der Ausbildungsförderung werden wir ein im Bundestag
und Bundesrat zustimmungsfähiges Konzept bis Ende 1999 vorlegen.
Dazu werden wir unter anderem alle ausbildungsbezogenen staatlichen Leistungen
zusammenfassen..."
Das Versprechen, dass mit einem Regierungswechsel auch ein Wechsel in
der Bildungspolitik einher geht, hat sich in keinster Weise erfüllt.
Die jetzige Bundesbildungsministerin formulierte im Februar 1997, damals
noch in der Opposition: "Die Reform der Ausbildungsförderung
ist unabdingbar notwendig, und sie ist möglich. Hierfür ist
vor allem politischer Wille erforderlich."
Laut aktuellen Meldungen in den Medien ist durch das Machtwort des Bundeskanzlers
eine grundlegende Reform der Ausbildungsförderung endgültig
gescheitert. Das lässt darauf schliessen, dass weder Gerhard Schröder
noch Edelgart Bulmahn jemals auch nur ein Fünkchen politischen Willen
zur Schaffung einer für alle Studierenden gerechten Studien-finanzierung
gehabt haben können.
Das ehemals von Bulmahn favorisierte Reformmodell (Sockelmodell) sah vor,
sowohl Steuerfreibeträge als auch das Kindergeld nicht mehr den Eltern
zukommen zu lassen, sondern den Studierenden direkt und elternunabhängig
auszuzahlen. Das Kindergeld aber würde als Teil des Familieneinkommens
nun den Eltern fehlen, so begründete jedenfalls Schröder seinen
Einspruch und fügte hinzu:"Viele Familien haben das Geld in
die Finanzierung ihrer Häuser und Wohnungen gesteckt."
Ganz abgesehen davon, dass ihm diese Idee schon vor den Wahlen hätte
kommen können, scheint der Bundeskanzler vergessen zu haben, dass
das Kindergeld und Steuerfreibeträge der Eltern vom Gesetzgeber für
die Studierenden vorgesehen ist und nicht fuer den Haeuslebau ihrer Eltern.
Was Frau Bulmahn also übrig zu bleiben scheint, wenn sie sich durch
das Kanzlerwort derart in die Schranken verweisen lässt, ist die
Anhebung der Bedarfssätze. Da auch der Finanzminister eine Reform
blockiert und nicht gewillt ist, den Etat des Bildungsministeriums in
ausreichender Höhe aufzustocken, kann es sich bei der Erhöhung
des BAföG nur um eine Art Inflationsausgleich und eine Befriedigung
des schlechten Gewissens der Ministerin handeln. Den Namen Ausbildungsfinanzierung
hat das heutige BAföG- Modell in keinster Weise verdient.
Von dem neoliberalen Verständnis der rot- grünen Bundesregierung
von Bildungspolitik zeugt auch der bündnisgruene Vorschlag zur Einrichtung
einer sogenannten "Bildungsbank". Dieser reiht sich ein in lauthalsige
Forderungen, besonders aus Reihen der SPD, nach Studiengebühren und
Eliteuniversitäten. Wenn der Kanzler dann in einer Imagekampagne
verlautbaren lässt: "Die drei wichtigsten Programmpunkte für
die Zukunft lauten: Bildung, Bildung, Bildung." , so können
Studierende über diesen Hohn nur staunen. Von dem 1998 versprochenen
Politikwechsel haben Studierende bislang noch nichts gespürt. Nach
anderthalb Jahren des geduldigen Wartens auf Veränderung ist die
Geduld vieler ausgereizt. Nun wird es an uns sein, zu handeln...
V. i. S. d. P.:
Vorstand des AStA FH D
Georg Glock-Str. 15
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211 - 451206
Fax: 0211 - 452369
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