|
"Und der Diener wird der Herr sein..." |
Im Grillo-Theater in Essen wird derzeit Bert Brechts Exilstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" in einer Inszenierung von Matthias Kniesbeck gezeigt. |
|
Das Volksstück entstand 1940 während Brechts finnischen Exils.
Auf Einladung der Schriftstellerin Hella Wuolijoki verbrachte Brecht mit
seiner Familie den Sommer auf ihrem Gut Marlebäk in Kausala. Wuolijokis
Erzählungen und ihre Konversationskomödie "Die Sägemehlprinzessin"
fanden Eingang in Brechts eigene Arbeit. In sein Arbeitsjournal notierte
er am 2. September 1940: "Was ich zu tun habe, ist, den zugrunde
liegenden Schwank herauszuarbeiten, die psycho-lo-gi-sie-renden Gespräche
niederzureißen und Platz für Erzählungen aus dem finnischen
Volksleben oder für meine Meinungen zu gewinnen, den Gegensatz 'Herr'
und 'Knecht' szenisch zu gestalten, und dem Thema seine Poesie und Komik
zurückzugeben." Und zwei Wochen später: "Es wäre
unglaublich schwierig, den Gemütszustand auszudrücken, in dem
ich am Radio und in den schlechten finnischen Zeitungen der Schlacht um
England folge und dann den Puntila' schreibe. Dieses geistige Phänomen
erklärt gleichermaßen, dass solche Kriege sein können
und dass immer noch literarische Arbeiten angefertigt werden können.
Der Puntila geht mich fast nichts an, der Krieg alles; über den Puntila
kann ich fast alles schreiben, über den Krieg nichts. Ich meine nicht
nur darf', ich meine auch wirklich kann'. Es ist interessant,
wie weit die Literatur, als Praxis, wegverlegt ist von den Zentren der
alles entscheidenden Geschehnisse." JULIA Weitere Vorstellungen: |