Antisemitismus und Nazipropaganda finanziert vom
Verfassungsschutz NRW
Der bekennende Antisemit und ehemalige stellvertretende NPD Landesvorsitzende Wolfgang Frenz aus Solingen wurde bis 1995 als informeller Mitarbeiter des Verfassungsschutzes geführt und bezahlt.
Das Bundesverfassungsgericht hat die mündliche Verhandlung über das
NPD-Verbot vorerst aufgehoben, nachdem nun bekannt wurde, dass einer der vorgeladenen
NPD-Vertreter Verbindungsmann des Verfassungsschutzes ist. Dabei handelt es
sich um das langjähriges Mitglied des NPD-Bundesvorstandes und des Vorstandes
eines NPD-Landesverbandes, Erwin Kemna. Sechs der neben Kemna gerichtlich geladenen
"Auskunftspersonen" gehören dem NPD-Bundesvorstand an: Holger
Apfel, Jürgen Distler, Jens Pühse, Sascha Roßmüller, Frank
Schwerdt und Doris Zutt. Peinlich nun, dass einer der Vorgeladenen sich seine
faschistischen Ergüsse von der NRW-Institution hat bezahlen lassen, welche
die Verfassung angeblich vor der NPD schützen will.
Ein derartiges "Mitwirken" in der Nazi-Szene durch den VS ist an sich
nichts Neues: So wurde Mitte Mai der stellvertretende Thüringer NPD-Vorsitzende
Tino Brandt als Spitzel enttarnt und schätzungsweise hat der VS mit bis
zu 100 NPD-Funktionären derartige "geschäftliche Verbindungen".
Der letzte Agent, der für "Furore" gesorgt hatte, war der "Karatelehrer"
Bernd Schmitt aus Solingen, der unter den Augen des Wuppertaler Staatsschutzes
und im Auftrag vom
Verfassungschutz eine Karateschule für Nazis aus der Region aufbaute, in
den die Solinger
Jungnazis "kanakenfreien Spezialtraining" bekamen, die dann den rassistischen
Brandanschlag auf ein Haus in Solingen verübten, durch den fünf türkische
Frauen und Mädchen ermordet wurden. Schon dabei erwies sich die enge Zusammenarbeit
der Behörden der "Inneren Sicherheit" mit hochkarätigen
Nazikadern als folgenlos. Braune Propaganda, Antisemitismus, Ausländerjagd
bis zum Mord und Totschlag wird für die Informationsgewinnung staatlich
finanziert.
Die aktuellen Entwicklungen verfestigen den Eindruck, dass der radikale NPD-Flügel
vom Verfassungsschutz mit gesteuert wird.
Staatsknete für die "weiße Rasse"
"Man braucht eine regenerierte weiße Rasse und neue Führer,
um Europa im alten Glanz wieder herstellen zu können." (NPD-Vize-Landesvorsitzender
von NRW, Wolfgang Frenz) Der Heilpraktiker Wolfgang Frenz, Aktivist der NPD
der ersten Stunde, ehemaliger Redakteur der NPD-Postille "Deutsche Zukunft"
ist einer der widerwärtigsten antisemitischen Hetzer, der auf der Gehaltsliste
der Landesregierung stand. In seinem Buch "Über den Verlust der Väterlichkeit
oder Das Jahrhundert der Juden", erschienen im Frühjahr 1998, spricht
er Klartext: "Auschwitz ist für die Juden der ganzen Welt ein religiöser
und politischer Angelpunkt geworden. ... Wenn es Auschwitz nicht gegeben hätte,
müsste es für die Juden von heute erfunden werden. Denn Auschwitz
ist die Machtergreifung durch das vernetzte Judentum." (S.18) Weiter heißt
es dort: "Hitler mit seinem Antisemitismus war genau gesehen ein Glücksfall
für die Juden. Aus diesem hitlerischen Antisemitismus entstand die euphorisch
stimmende semitische Massenhysterie, die zur Gründung des Staates Israel
führte, dessen nationalistischer Größenwahn bisher die Welt
in Atem hält. So war nach Verständnis vieler Juden der letzte Weltkrieg
ein Religions- und Rassenkrieg. Es ging darum, die arisch-nordische Rasse zu
vernichten, die noch über die Kraft verfügte, sich gegen eine Weltherrschaft
durch Juden zu wehren."
Als in Düsseldorf Brandsätze auf die Jüdische Synagoge flogen,
bekam der Kanzler Angst um den Wirtschaftsstandort Deutschland und rief zum
sog. Aufstand der Anständigen. Die ausführenden Ämter seines
Innenministers bezahlen - gesetzlich ebenso anständig - Antisemiten wie
Frentz, die Ansichten verbreiten wie: "Daß deutsche Revisionisten,
die mit geschichtlichem Wissen und naturwissenschaftlichen Forschungen Deutschland
vom Schuldvorwurf befreien wollen, an den Juden einen Genozid verübt zu
haben, darf nicht sein. Sie werden von denen mit rattenhafter Wut verfolgt,
die von der Schuldhaftigkeit des deutschen Volkes Vorteile haben. Auschwitz
ist für die Juden der ganzen Welt ein religiöser und politischer Angelpunkt
geworden. (...) Auf Auschwitz gründet alles. Es ist die tönerne Säule,
auf der die Fundamente der Bundesrepublik Deutschland ruhen. Fällt Auschwitz,
stürzt auch das gegenwärtige politische System."
Antisemitismus und die Leugnung von Auschwitz scheinen nur dann strafbar zu
sein, wenn sie dem deutschen Ansehen schaden. Wenn nicht, dann können solche
Aktivitäten scheinbar sogar staatlich finanziert werden. Der antisemitische
Heilpraktiker Frenz war übrigens wiederkehrend Gast bei der sog. "Düsseldorfer
Herrenrunde" im Düsseldorfer Nobelhotel "Nikko". Jene vom
Chef der Düsseldorfer "Interfinanz" mit Sitz auf der Schadowstraße
86, Prof. Dr. Carl Zimmerer, gegründete Runde von sich als "rechts"
verstehenden Wirtschaftsführern, Unternehmern Anwälten und anderen
"anständigen Leuten" lädt seit etlichen Jahren zentrale
Figuren der extremen Rechten zum sog. Herrenabend ein. Vielleicht hat dabei
auch Heilpraktiker Frenz Passagen aus seinem Traktat vorlesen können wie
die folgende:
"Den Berichten, wonach es in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches,
die eine innere jüdische Lagerverfassung und jüdische Lagerpolizei
hatten, reges geistiges Leben mit Lageruniversität, Bibliotheken, Musik
und Theateraufführungen, sportliche Betätigungen und ein erotisches
Nachtleben gab, kommt eine größere Wahrheit zu, als den Berichten
über Massengreuel, die das Andenken der in den Lagern verstorbenen Internierten
ebenso schänden, wie die der deutschen Soldaten, die das Unglück hatten,
diese Menschen bewachen zu müssen."
Zimmerer als Chef dieser Herrenrunde wurde übrigens für seine Verdienste im Bank- und Kreditwesen von der Landesregierung NRW der Professorentitel verliehen; eine anständige Anerkennung für seine anständige Tätigkeit, so scheint es.
www.terz.org - 29.1.2002