Nach langer Abstinenz meldete sich am 20. Dezember das "Nationale Infotelefon
Rheinland - Stimme des freien nationalen Widerstandes in NRW" der "Kameradschaft
Düsseldorf" zurück. Und das sowohl per Ansage auf Anrufbeantworter,
als auch als Text im "Weltnetz". Man sei "inzwischen das dienstälteste
Infotelefon in der brD" und habe "den Entwicklungen der Szene stets
versucht Rechnung zu tragen". In einer "sehr aktionistisch geprägte[n]
Zeit" habe sich das "Angebot hin zu einer Informationsflut" entwickelt,
die zwar "dem nationalen Widerstand viele Türen geöffnet"
habe, aber es sei "leider nur zu oft die Qualität der politischen
Arbeit außer Acht gelassen worden und zu Gunsten eines Demonstrationsmarathons
durch Quantität ersetzt worden". Das NIT plädiert für ein
"Umdenken im nationalen Widerstand". Man werde deshalb "in Zukunft
nicht mehr wahllos jeden noch so undurchdachten und aus bloßer Lust am
demonstrieren angesetzten Demonstrationstermin veröffentlichen und unterstützen."
Ob dieses "Umdenken" tatsächlich einer inhaltlichen und strategischen
Analyse geschuldet ist oder vielmehr zunehmender Bequemlichkeit und Zeitgründen,
bleibt hier wohl das Geheimnis der "Umdenker". In den letzten zwei
Jahren findet man die Düsseldorfer "Kameraden" jedenfalls immer
seltener und in deutlich kleinerer Besetzung als früher auf Demonstrationen.
Seit 1994 versorgt das Düsseldorfer "NIT Rheinland" (Motto "Informationen
von der Szene für die Szene - von der Front für die Front!")
mit einigen Unterbrechungen die Neonazi-Szene mit Informationen. 1994 vom Bonner
FAP-Kader Norbert Weidner initiiert, nach dessen "Ausstieg" und dem
Verbot der FAP dann kurzzeitig in der Obhut der nordrhein-westfälischen
"Jungen Nationaldemokraten" und seitdem von der "Freien Kameradschaft
Düsseldorf" betrieben, tat man sich in den letzten Jahren aber immer
schwerer mit dem kontinuierlichen Betrieb. Die Betreiber (Udo Birr bis 1997,
anschließend Jörg Wagner und bis vor der letzten langzeitigen Unterbrechung
Marco Schirmer) gerieten jeweils unter antifaschistischen Druck, ebenso wie
die eigentliche Hauptfigur hinter dem NIT: der im März 26 Jahre alt werdende
"Kameradschaftsführer" Sven Skoda. Dieser ließ sich seit
Herbst 2002 nur noch selten in Düsseldorf blicken. Auch auf neonazistischen
Aktionen war er seitdem selten anzutreffen. Ausnahmen in NRW bildeten die Demos
zu Kriegsbeginn am 20. März 2003 in Essen "gegen US-Imperialismus,
die wahre Achse der Guten' (Washington - Israel) und gegen ONE-WORLD-Terrorismus"
sowie gegen die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht im Herbst
2003 in Dortmund. Auch außerhalb von NRW machte er sich im Vergleich zu
früher rar. Ausnahmen bilden z.B. die neonazistische 1. Mai-Demo in Halle,
die Demo gegen den "Abriss des Denkmals des 1.SS-Panzerkorps" am 22.
November 2003 in Marienfels bei Koblenz sowie die eine oder andere norddeutsche
und niederländische Aktion.
Offensichtlich in die Fußstapfen seines politischen Ziehvaters Christian
Malcoci aus Korschenbroich tretend, zog es Skoda in die Niederlande. Ebenso
wie diverse andere Neonazi-Aktivisten und -Kader hat Malcoci seit vielen Jahren
gute Kontakte zur niederländischen Neonazi-Szene. Der ehemalige Elektrotechnik-Student
an der FH Düsseldorf verlegte 2002 seinen Wohnsitz in die NL und kandidierte
in Kerkrade für die neonazistische "Nederlandse Volkunie" (NVU)
um deren "Partijleider" Constant Kusters. Malcoci bekleidet das Amt
des "Partijsecretaris" der NVU.
Skoda folgte dem "Secretaris" noch im selben Jahr und nahm in Venlo
ein Informatik-Studium an der Fachhochschule "Fontys Hogeschool" auf.
Von der "hochschulgebundenen Aktiengesellschaft PetQuisit'",
einer "Jung-Unternehmung", wird er als "IT Department - Assistant"
geführt, vorgestellt mit Foto und in feinem Zwirn gekleidet auf deren Homepage.
Die Firma schaffte es, ein "innovatives Produkt auf den niederländischen
und deutschen Markt zu bringen, unser Designernapf Petquisit'". Designernapf?
"Das Unternehmen steht für eine einzigartige Futterstation für
ihren Hund oder Katze mit gehobenen Ansprüchen." Es bleibt die Frage,
ob bei soviel verantwortlicher Tätigkeit noch Zeit zum Marschieren bleibt
- und dazu, das im Informatik-Studium Erlernte beim Programmieren der "NIT-Rheinland"-Homepage
anzuwenden.
Bereits Mitte Dezember kündigte der neonazistische "Wattenscheider
Widerstand" auf seiner "Heimatseite" für den 13. März
2004 einen Aufmarsch unter dem Motto "Stoppt den Synagogenbau - 4 Millionen
für's Volk!" gegen den Bau der neuen Synagoge in Bochum an. Veranstalter
sei der "NPD-Landesverband NRW, unterstützt durch freie Kräfte
aus NRW". Der geplante Aufmarsch wäre der vierte in Bochum innerhalb
von 15 Monaten. Unter den zwischenzeitlich konkretisierten Aufrufern finden
sich neben dem NPD-Landesvorstand, diversen NPD-Kreisverbänden und dem
"Wattenscheider Widerstand", die "Freien Kameradschaften"
aus Dortmund und dem Hochsauerland. Weiterhin die ebenfalls den "Freien"
zuzurechnenden NRW-Gruppierungen "Warendorfer Widerstand", "Nationaler
Widerstand Münsterland", "Aktionsgruppe Ruhrgebiet (Herne/Recklinghausen)",
"Aktionsgruppe Duisburg" und das Düsseldorfer "NIT Rheinland".
Außerdem die Postille "Freiheit Wattenscheid" und die Gruppierung
"Ruf der Freiheit - Süddeutschland".
Gegen den Aufmarsch haben sich am 21. Januar mit einem veröffentlichten
Schreiben an den Bochumer Polizeipräsidenten insgesamt 24 Richterinnen
und Richter des Amtsgerichts und des Landgerichts Bochum gewandt und ein Verbot
der Demonstration gefordert. Diese "würde sich nicht nur gegen die
Glaubensfreiheit der jüdischen Gemeinde richten", sondern "zugleich
einen späten Versuch der Wiedergutmachung für die Verbrechen verhöhnen,
die unsere Vorfahren an Juden begangen oder hingenommen haben. Wer sich dem
Bau einer neuen Synagoge in den Weg stellt, reiht sich 65 Jahre später
erneut in die Reihe derer ein, die die alte in Schutt und Asche legten."
Informationen über die weitere Entwicklung und eventuelle Gegenaktionen
sind im Internet unter www.bo-alternativ.de
abrufbar.
www.terz.org - 27.1.2004