"100 Jahre Völkermord an Herero und Nama
Am 12. Januar 2004 jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Krieges
deutscher Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika, dem heutigen
Namibia, gegen Herero und Nama. In diesem Jahr wird es aus diesem Anlass verschiedene
Veranstaltungen zur deutschen Kolonialgeschichte und der Forderung nach Entschädigung
für Völkermord und Ausplünderung in den betroffenen Ländern
geben.
Unser Beitrag zum Auftakt dieses Jahres ist die Kenntlichmachung des Kolonialkriegerdenkmals
auf dem Frankenplatz in Düsseldorf, das fünf in diesem Krieg gefallener
deutscher Kolonialsoldaten gedenkt. Es ist das letzte seiner Art, alle anderen
Denkmäler wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört oder
nach dem Krieg abgerissen. Dieses Denkmal wurde 1909 vom Füsilier-Regiment
39 errichtet. Es wurde zunächst im Hof der Infanteriekaserne in der Tannenstrassse
aufgestellt und dort für die Erinnerungskultur und Selbstvergewisserung
des Militärs eingesetzt. Die damalige Inschrift, die heute nicht mehr vorhanden
ist, lautete: "Sterben im Dienste der Pflicht heißt Leben im Herzen
der Nachwelt, Afrikas Helden, Euch nach führe uns der Stern Eures Ruhms."
Die Nationalsozialisten stellten es 1935 im Zuge der Militarisierung öffentlicher
Räume an seinen heutigen Standort. Mit davor inszenierten Kundgebungen
stellten sie sich in die Tradition der imperialen deutschen Geschichte und glorifizierten
den soldatischen Heldentod für "Volk und Vaterland".
In der kollektiven Erinnerung der bundesrepublikanischen Mehrheitsgesellschaft
wurde der Genozid an den Herero und Nama völlig verdrängt. Die Verantwortung
für Völkermord und Ausbeutung in den ehemaligen deutschen Kolonien
und die Tradition und Kontinuität dieser mörderischen Geschichte zum
Nationalsozialismus bis zu den aktuellen Einsätzen deutschen Militärs
in Kriegen weltweit sollten bei jeder Gelegenheit angemessen zur Sprache gebracht
und erinnert werden.
An dem Denkmal haben wir daher folgende Inschrift angebracht:
100 Jahre Völkermord an Herero und Nama
und einen Eimer roten, schwer entfernbaren Autolack über der Figur des
dahingesunkenen deutschen Mörders ausgegossen.
Düsseldorf, 9. Januar 2004"
www.terz.org - 27.1.2004