Eine "feindliche Übernahme" nennt der Düsseldorfer Millionär
Bolko Hoffmann laut Meldung der FAZ vom 11.1.04 süffisant die Aufnahme
von Schill und seinen Getreuen in seine Partei "Pro Deutsche Mitte",
die als Pro DM/Schill am 29. Februar zur Hamburger Bürgerschaftswahl kandidieren
will.
Hoffmann ist Hauptaktionär der Nachrichtenagentur ddp gewesen, Leiter der
Effecten-Spiegel AG und Herausgeber des dazu gehörenden Börsen-Journals
"Effecten-Spiegel" sowie Besitzer von 0,5% der Audi AG. Allein mit
dem Kauf und Verkauf von Rhenag-Aktien hat er laut eigenen Aussagen 52 Millionen
Euro erspekuliert. Zudem war der Millionär mit 6,3% größter
Aktionär der ehemaligen IG Farbenindustrie AG in Abwicklung, die nun ohne
Entschädigungszahlungen an die NS-ZwangsarbeiterInnen wg. Insolvenz liquidiert
werden soll. Hoffmann gehört allerdings zu denjenigen AnteilseignerInnen,
welche die Ansprüche der IG auf während der NS-Zeit in der Schweiz
geparktes Vermögen nicht aufgeben will. Sie beabsichten eine Stiftung zu
gründen, um dieses Geld einzuklagen. Einen "Möchtegern-Berlusconi"
nennt die Süddeutsche Zeitung vom 13.1.04 den DM-Populisten Hoffmann wegen
dessen Griff nach der Politikberatungsagentur "Hunzinger Information AG".
Hoffmann hat sich dort laut eigener Aussage wegen deren "Filetstücke",
der Hamburger Bildagentur "Action Press" und dem Meinungsforschungsinstitut
"Infas" als Mehrheitsaktionär eingekauft und liefert sich seitdem
mit dem früheren Scharping-Berater Moritz Hunzinger einen Machtkampf wie
eine mediale Schlammschlacht.
Populistenspiele
Den Sohn des früheren NS-Gauleiters Albert Hoffmann hat es schon seit Jahrzehnten
zur Politik getrieben. Dem Tagesspiegel (13.1.04) erklärte er, dass er
schon in den Achtzigern ein Spitzenamt in der Bürgerpartei übernommen
hätte. Deren Scheitern erklärt der Millionär süffisant mit
deren Positionierung, welche wohl "zu weit rechts" angesiedelt gewesen
sei.
Nach Sichtung von Berichten in älteren Zeitschriften kann sich jedoch der
Eindruck verfestigen, dass Hoffmann schon seit etlichen Jahren den Hang zu extrem
rechten Positionierungen hat. So veröffentlichte die Zeitschrift "Tempo"
(10/1989) Auszüge aus einem Protokoll der REPs, in dem es hieß: "Diese
unserer Partei sehr nahestehende Agentur hat in allen großen bayrischen
Zeitungen Wahlkampfanzeigen, zum Teil sogar halbseitige Anzeigen, aufgegeben.
Die Agentur hat sogar zugesagt, dass bei fehlender Wahlkampfkostenrückerstattung
für die Partei auf eine Bezahlung ihrerseits verzichtet wird." Ebenso
meldete die rechtsextreme Zeitschrift "Nation & Europa" (N&E
6/1998, S. 54), dass Bolko Hoffmann in den achtziger Jahren die REPs unterstützte.
Zur Bundestagswahl 1998 trat Hoffmann dann mit seiner im selben Jahr gegründeten
"Initiative Pro DM - neue liberale Partei" an und scheiterte trotz
millionenschwerer Anzeigenkampagne mit 0,9% Wählerstimmen. Neben der Forderung
nach Erhalt der DM enthielt das Programm vergleichbare Parolen wie sie sich
später auch die Schill-Partei auf ihre Fahnen schrieb: Gegen ausländische
Drogendealer, für Zuwanderungsbeschränkung, Steuerentlastung für
Unternehmer etc. Im Jahre 2002 wurde die erfolglose Pro DM-Partei von Hoffmann
umbenannt in "Pro Deutsche Mitte". Wo für den "Möchtegern-Berlusconi"
aus Düsseldorf die "Deutsche Mitte" angesiedelt ist, zeigte Hoffmann
mit seinem Bestreben, sich mit dem Rechtspopulisten Jürgen W. Möllemann
zusammen zu tun, nachdem jener nach seiner antisemitischen Wahlkampf-Flugblatt-Aktion
aus der FDP ausgeschlossen wurde. Hoffmann erklärte laut FAZ, er sei sich
mit Möllemann schon einig gewesen, zur Landtagswahl in Thüringen unter
der "Pro DM"-Flagge und zur Landtagswahl in Sachsen mit ihm selbst
als Spitzenkandidaten anzutreten. Doch zu Hoffmanns Verdruss machte Möllemann
dem Millionär mit seinem Freiflug einen Strich durch die Rechnung.
Nachdem Ende letzten Jahres in Hamburg die Rechts-Koalition zwischen Schill-Partei
und CDU zerfiel und der "Richter Gnadenlos" mit fünf Abgeordneten
die "Roland-Schill-Fraktion" bildete, sah der Millionär aus Düsseldorf
seine Chance und tat sich mit dem rechtspopulistischen Haufen zusammen zur Partei
"Pro DM/Schill", mit welcher Hoffmann nun auf den Einzug in den Hamburger
Senat spekuliert.
Billige Saubermänner
Den Millionär aus Düsseldorf und den durchgeknallten Amtsrichter aus
Hamburg verbindet wohl eher Pragmatismus als das grüne Band der Sympathie.
So hatten sich Hoffmann und die Schill-Partei in der Vergangenheit mit Strafprozessen
wegen Verwendung des Begriffs "PRO" im Partei-Namen überzogen
und das Auftreten der zwei Möchtegern-Führer zeugt auch nicht gerade
von großen Chancen auf kooperatives Handeln. Doch beide scheinen sich
gut gebrauchen zu können. Die abgehalfterte Schill-Fraktion ist aus eigener
Kraft nicht in der Lage, so kurz vor der Wahl eine neue Parteistruktur und notwendige
Wahlkampfmittel zu organisieren. Hoffmann hingegen spekuliert laut FAZ auf den
"immer noch guten Klang" des Namens Schill in Hamburg und rechnet
damit, dass Schill noch für "bis zu zehn Prozent Wählerstimmen
wert" sei: "5,002% wären der absolute Sieg, 4,99% die absolute
Niederlage." Der eine hatte vor der Vereinigung also noch keine eigene
Partei und vor allem zu wenig Euros. Der andere besaß eine bis dato erfolglose
Partei und noch kein Zugpferd. Nun ein billiger Einkauf; daher nun diese explosive
Mischung aus Biedermann & Brandstifter im Doppelpack. Wie sehr die selbsternannten
Saubermänner aus Hamburg auf die Euros des Millionärs aus Düsseldorf
aus gewesen sind, offenbart ein Blick in die Wochenzeitung für Salonfaschismus,
die "Junge Freiheit". Dort erklärte der Geschäftsführer
der "Pro DM/Schill"-Partei Richard Braak in einem Interview, dass
es ihm "ziemlich egal" sei, woher Hoffmann seine Wahlkampfmittel hole:
"Ich bin froh, daß wir finanziell endlich mal in etwa gleichberechtigt
mit den Etablierten sind."
Eigentlich wären derartige Possenspiele ein Fall für eine gute Satire
über Politik, doch die realen Verhältnisse sind leider so, dass sie
derartige Figuren nicht nur hervorrufen, sondern hin und wieder auch noch wählbar
machen...
www.terz.org - 27.1.2004