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Das war Stanislaw Hantz' erste Verhaftung - nach kurzer Zeit schaffte
er es, freizukommen. Einige Monate später hatte er weniger Glück.
Am 12. August 1940 wurde er auf dem Weg zur Arbeit bei einer Razzia in
Warschau verhaftet. "Ausweise und andere Dokumente, Bitten und Erklärungen
hatten hier keine Bedeutung. Als Antwort auf jedes Wort gab es Schläge
und die Androhung von Erschießung." Drei Tage später war
er in Auschwitz. Über vier Jahre blieb er im Lager. In dieser Zeit
arbeitete er im Stammlager und in Birkenau, war 53 Tage im Bunker vom
Todesblock eingesperrt, sah Menschen kommen und sterben.
Über 1,5 Millionen Menschen wurden zwischen 1940 und 1944 in Auschwitz
von den Nazis ermordet, vor allem Juden, aber auch sowjetische Kriegsgefangene,
polnische politische Gefangene sowie Sinti und Roma. Ab 1942 wurden Juden
aus ganz Europa in Viehwaggons nach Auschwitz gebracht. Direkt nach der
Ankunft wurden sie von der SS selektiert. Die meisten, die Älteren,
Schwächeren, Frauen mit Kindern wurden sofort in die Gaskammern getrieben,
ermordet und verbrannt. Ein kleinerer Teil der Menschen - je nach betrieblichen
Erfordernissen - wurde zur Zwangsarbeit ausgewählt, z.B. bei der
IG Farben, für die eigens das Lager Auschwitz-Monowitz errichtet
worden war. Auch von diesen Häftlingen überlebten die wenigsten
die unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei minimalen Essensrationen und
die Misshandlungen der SS.
Stanislaw Hantz überlebte. Weil er Freunde im Lager hatte, die ihm
halfen, weil er die Hoffnung nicht verlor, nicht zuletzt weil er unwahrscheinliches
Glück hatte. Vor der näher kommenden Ostfront wurde er von den
Nazis im November 1944 in das Konzentrationslager Groß-Rosen und
dann nach Flossenbürg verlegt. Von hier wurden die Häftlinge
zu Fuß nach Dachau getrieben. "Nach Dachau bin ich mit letzter
Kraft gekommen, dort wurde ich am 29. April 1945 von der amerikanischen
Armee befreit. Ich habe vier Jahre, acht Monate und vierzehn Tage darauf
gewartet."
Nach dem Krieg arbeitete Stanislaw Hantz einige Jahre lang am Aufbau des
Museums in Auschwitz mit. 1950 heiratete er, wurde Vater, begann als Bergmann
zu arbeiten und ein möglichst normales Leben zu führen. "Zwanzig
Jahre lang habe ich nicht von Auschwitz gesprochen", sagt er. "Ich
wollte nicht mehr daran erinnert werden. Irgendwann ist meine Tochter
in einem Buch eines anderen Überlebenden auf meinen Namen gestoßen.
Sie hat mich überredet, öffentlich von meinen Erfahrungen zu
berichten. Wer soll das tun, wenn nicht du, fragte sie mich."
Heute ist Stanislaw Hantz als einer der wenigen überlebenden Zeitzeugen
zu Gesprächen bereit. Regelmäßig trifft und begleitet
er Besuchergruppen in Auschwitz. Auf Einladung des AStA der HHU und des
Antifa-KOK ist er in Düsseldorf, wird von seinen Erfahrungen berichten
und Fragen beantworten.
Veranstaltungen:
Sonntag, 18.3.2001, 15.00 Uhr im Zakk, Fichtenstraße
- gleichzeitig wird eine Fotoausstellung zu Auschwitz gezeigt.
Außerdem ist Stanislaw Hantz am Freitag, den 16.3.2001,
19.00 Uhr im Haus der Jugend Kolbergstraße in Leverkusen-Opladen.
Buchempfehlung:
"Zitronen aus Kanada. Das Leben mit Auschwitz des
Stanislaw Hantz" (ISBN-Nr. 3-00-002699),
herausgegeben vom Staatlichen Museum Auschwitz.
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Eigentlich
wollten die deutschen Besatzer den 70jährigen Stanislaw Hantz verhaften.
Der polnische Sozialist war allerdings bereits gestorben, als sie kamen.
Da nahmen sie eben den 17jährigen Sohn mit, der hieß genauso.
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