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TERZ:Wie seid Ihr überhaupt zur Country-Musik gekommen? Ihr kommt
doch eigentlich vom Punk Rock.
Drew: Ich war damals in Texas und die Art von Texas-Stuff fand
ich schon beeindruckend. Und bei den ersten Hack Mack Jackson Konzerten
haben die Leute gejubelt. Und es gab auch sofort Geld - alles andere Verhältnisse
als beim Punk Rock.
Feeling: Für mich ist Punk Rock und Country dasselbe. Die
ganzen Typen, die das gespielt haben, waren irgendwelche Land- oder Bahnarbeiter.
In den 20er und 30er Jahren gab's dann in jedem Kaff einen Contest und
die Leute von den Plattenfirmen sind durchs Land gezogen und haben sich
die Besten rausgezogen.
Drew: Das war nicht in den 20er Jahren!
Feeling: Natürlich! Jimmie Rodgers und die ganzen Jodler-Geschichten.
Drew: Das fing später an, mit den Singles. In den 20ern gabs
doch nur die Acetat Platten, die du nach ein paar Mal spielen weg-schmeißen
konntest ... Den Übergang von Punk zu Country fand ich deswegen cool,
da die Country Sachen textlich sehr einfach und ein-gänglich sind,
und deckt auch so einen Kosmos ab, den ich von einem Sound erwarte.
TERZ:Was für einen Kosmos?
Drew: Frauen und Saufen! Und was sich daraus ergibt.
TERZ:Für dich ist das anders, Lonesome?
Lonesome: Ich komm ja gar nicht vom Punk Rock ...
Feeling: Vom Mond!
Lonesome: Als ich den Feeling zum ersten Mal auf der Bühne
gesehen habe, habe ich gedacht: Cool, mit dem willst du in einer Band
zusammenspielen. Aber der hat sich dann vier Wochen nicht meinen Namen
merken können. Das war wirklich ein Reiz für mich. Doch mit
einem richtigen Schlagzeug kam das nicht so richtig, es fehlte die Power.
Da haben wir dann gesagt, wir machen das mit einem Standschlagzeug etwas
trashiger und von da her hat sich das dann so gebildet. Trash fand ich
auch immer sehr cool. Also eher nicht der reine Country, sondern mehr
dieser Trash-Billy. Aber der Feeling war damals schon eine Legende für
mich.
Feeling: Country ist auch sich zurücknehmen zu können
und sich auf die wirklich wichtigen Sachen zu konzentrieren. Einfach und
unkompliziert sein, was nicht heißt dumm zu sein. Die Essenz aus
allem rauszuziehen. So direkt es geht, und es so gut zu machen wie wir
es können. So wie du auch denkst: Haust du mir aufs Maul, hau ich
dir aufs Maul!
TERZ:Ist das die Verherrlichung texanischer Lebensphilosophie von
Selbstjustiz?
Drew: Das Thema hatten wir schon ein paar Mal. Doch wir sind mit
der Diskussion noch nicht am Ende, darum möchte ich da kein generelles
Band-Statement geben. Wir sind ja nicht in Texas. Hier ist alles viel
zu eng, du kannst doch keine Bewegung machen ohne kontrolliert zu werden.
Und wenn hier jeder Voll-Spacko eine Knarre hätte...
Feeling: Es geht um die Einstellung. Ich sage ja nicht, ich hole
mir eine Knarre und niete jeden um, den ich...
Lonesome: Angel!! Du bist doch so ein Hells-Angels-Typ.
Feeling: Wenn dir jemand auf den Dätz haut, was willste denn
machen? Die Polizei rufen?
Lonesome: Bei uns passiert doch gar nichts, bei unseren Gigs war
noch nie eine Pölerei. Wir sind doch eine harmlose, nette, menschliche
Band und keine Schläger. Das kommt jetzt voll schlägermäßig,
das sind wir doch überhaupt nicht.
Drew: Country ist ja auch nicht nur Frauen und Saufen. Es geht wirklich
um das Wichtigste im Leben. Mein Lieblings-Coun-trysong ist z.B. "I
can say I love you, when you are sitting on my face".
TERZ:Wobei wir wieder bei den zwei großen Themen wären.
Lonesome: Wir sind nicht einzuschätzen. Wir können doch
alles machen, das finde ich gut. Wir können auf der Bühne Stiefel
abbrennen, wir können schlecht sein oder gut sein, wir sind nicht
auf diesen Perfektionismus angewiesen..
TERZ:Madonna trägt jetzt Cowboy-Hut und H&M verkauft lila
Cowboy-Hüte für 20,- DM. Gibt es eine neue Country Bewegung?
Drew: Das eine hat mit uns nichts zu tun. Wir haben zwar unser
ständiges Publikum, aber es gibt keine Szene. Man kennt sich natürlich
untereinander. Jim Wayne, Smokestack Lightnin', Velvetones ...
Lonesome: Im März läuft hier in Düsseldorf das Hayride
Rodeo Festival und im Mai noch einmal in Hamburg, da entwickelt sich schon
was.
Drew: Das Hayride Rodeo war letztes Jahr schon ein Statement. Da
haben sich erstmals auch mehrere Läden zu Country bekannt und den
Cowboy-Hut nach vorne gestellt. Wir gehören jedoch keiner Bewegung
an und das finde ich auch angenehmer als im Punk Rock. Mit dem was wir
jetzt machen, sind wir einzigartig. Wir haben somit künstlerisch
große Freiheiten und wer das schlecht findet kann ganz gepflegt
kacken gehen.
Lonesome: Wir haben uns da ein eigenes Terrain aufgebaut, doch
es könnten gerne noch welche dazukommen.
TERZ:Was ist denn mit gegenseitiger Inspiration?
Lonesome: Das ist eigentlich nicht so gegeben.
Drew: Ich fand beim letzten Hayride einen ziemlichen Kick, dass
Thee Watzloves und DM Bob uns so tierisch geil fanden. Der Gig war eher
mittelmäßig und wir wollten uns schon dem Schnaps zuwenden,
und dann haben die uns da total abgefeiert.
Feeling: Es muss keine Bewegung geben. Dann wird es auch immer
direkt modisch, und wir wollen nicht modisch sein. Etabliert, das ist
schon was anderes.
Drew: Von Bewegung kann da in keinster Weise die Rede sein. Wenn
so ein paar blöde Mode-Tussies einen Hut aufsetzen, naja, solln sie
doch machen.
TERZ: Ihr habt auf der Kö bei der "Nacht der Poeten"
gespielt.
Lonesome: Für mich hat das was mit Kunst zu tun, eine Art
Statement, in so einem Literatur-Umfeld zu spielen. Du konfrontierst die
Leute da unten, das ist schon spannend.
Feeling: Helmut Karasek ist gegangen. Der saß in der ersten
Reihe und ist direkt nach dem ersten Stück geflüchtet. Der konnte
das nicht mehr ertragen.
Lonesome: Und alle die gleichen Hemden an, das war super. Wir sahen
aus wie die ...
Drew: ... Flippers!
Feeling: Das macht aber keinen richtigen Spaß. Du spielst
da für Leute, die scheißen auf dich. Aber letztendlich scheißen
wir noch vielmehr auf die.
Drew: Beim ersten Set waren wir noch relativ unentspannt, beim
zweiten war das doch richtig gut.
Feeling: Wir haben da zweimal gespielt?
Lonesome: Es geht doch darum, dass man sowas machen kann, ohne dazustehen
wie andere Bands als Abziehbilder von sich selbst.
Feeling: Ich spiele doch überall wo ich Lust habe. Das ist
für mich Country!
Drew: Du hast doch gar keine Ahnung von Country.
TERZ: Was war für euch ein gutes Konzert?
Drew: In München, das fande ich so mit das Beste.
Feeling: Da kann ich mich nicht mehr dran erinnern.
Drew: Du bist danach ja auch noch verhaftet worden. Da brannte
die halbe Bühne, der Holthausen hat seine Gitarre mal wieder zerdroschen
und jeder, der noch eine CD gekauft hat, hat noch ein Stück von der
Gitarre bekommen.
Lonesome: Ich war ja leider nicht dabei.
Drew: Doch klar. In München!
TERZ:War überhaupt jemand von euch dabei?
Lonesome: Ach ja!! Das war am Anfang total Horror. Grauenhaft!
Doch das wurde immer besser. Die Körperflüssigkeiten flossen,
das finde ich auch immer wichtig, die ganze Bühne war voll Bier,
mit Scherben und Gitarrenresten übersät, du tropfst aus der
Maske wie ein Schwein. Einfach geil. Und wenn du von der Bühne gehst
weißt du einfach, das war eine geile Show. Das kannst du halt nicht
immer machen, das ist auch nicht planbar. An so einem Abend weißt
du auch, Feeling kommt nochmal auf die Bühne und spielt Detroit Rock
City und irgendjemand stimmt noch mit ein.
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