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Vor X Jahren gab es mal Adolf Hitler-Poster mit der Titelzeile "Welcome
Back", was als zynischer Humor gemeint war angesichts der neonazistischen
Umtriebe. Damals wußte man ja noch nicht, was der Sieg der freien
Welt im Kalten Krieg vor allem in Deutschland und dort besonders unter
sozialistisch erzogenen jungen Erwachsenen in der ehemaligen Zone erst
für Energien freisetzen würde. Da hätte so manch einer
der vom Kommunismus gepeinigten und kontrollierten alten Tante keinen
Kaffee und Sachen, die man selber nicht haben wollte, geschickt. Das ist
Geschichte.
Aber ein anderer meldet sich vehement und vielversprechend zurück.
Bush Junior (genauso dämlich wie sein Dad), der in unser aller Vorbilddemokratie
mit Stimmenminderheit zum Präses gewählte Pseudocowboy. Und
direkt mal ein paar Bomben auf die Kameltreiber werfen. Was den Deutschen
ihre Serben, scheinen den Amis ihre Araber zu sein, zumindest insofern
die nicht tun, was sie sollen, nämlich Öl verkaufen und die
eigene Bevölkerung niederzuknüppeln im Interesse der globalen
Marktwirtschaft. Aber das tut Saddam ja auch, nur hat er eben auch eigene
Pläne. Gründe für die Bombardierung? Brauchen kaum noch
angegeben zu werden. Selbst Scharping weiß nichts und feiert mit
seiner Gräfin Karneval. Ich sags ja immer: Man soll die Amis niemals
unterschätzen, der Rudi ist denen einfach zu unterbelichtet.
Hätte man Saddam vor 10 Jahren vernichten können? Ja freilich,
aber Stabilität geht halt vor. Es sei hier an den hervorragenden
Roman von Larry Beinhard namens "American Hero" erinnert, in
dem auf köstliche Weise, leicht übertrieben und natürlich
fiktiv die Hintergründe über den Golfkrieg erzählt werden.
Noch mal kurz zu Adolf Hitler. Jörg Haider hat seinem - na ja, sagen
wir mal Landskameraden - bekanntlich eine vernünftige Beschäftigungspolitik
attestiert. Hier muß hinzugefügt werden, daß auch die
Rentenpolitik weit vorausschauend war. Ohne die Weisheit des Führers
hätten wir doch heute Millionen Rentner mehr; Leute, die so z.B.
den heiligen Boden von Stalingrad oder Omaha Beach mit Ihrem Leben verteidigten
und es dort ließen. All diese Personen hätten nach dem Krieg
nur gering in die Rentenkasse eingezahlt und müßten heute mit
durchgefüttert werden, eine unvorstellbare Vorstellung in neoliberalen
Tagen. Ich denke, eine bahnbrechende Erkenntnis. Joschka und Rudolf haben
vielleicht beim Kosovokrieg auch daran gedacht: Die Entlastung zukünftiger
Generationen. Dafür hätte man aber doch einen Bodenkrieg führen
müssen, denn die Muftis und ähnliche Opfer zählen da ja
nicht und zahlen tun sie auch nicht. (Wäre noch eine Idee: Wiedergutmachungszahlungen
von Jugoslawien an Deutschland, die in die Rentenkasse einfließen
würden) Man sieht: Vielleicht habe ich den beiden doch Unrecht getan.
Wer übrigens die sogenannten Theorien Finkelsteins ernst nimmt, sollte
diese Seite besser ganz schnell vergessen.
Nun möchte ich ein hervorragend geschriebenes, köstlich erzähltes
und seltsam sentimentales Buch empfehlen. Rich Cohen hat in Murder Inc.
oder Nicht ganz koschere Geschäfte in Brooklyn eine Geschichte der
jüdischen Gangs in den USA der Dreißiger und frühen Vierziger
Jahre geschrieben. Das Buch ist sehr persönlich, da noch seine Großeltern
so einige der Geschilderten kannten und es auch eine Auseinandersetzung
mit der jüdischen Geschichte ist. Killer wie Abraham Reles, der mindestens
12 Menschen ermordete oder ganz Große der Mafia wie Louis Lepke
oder Meyer Lansky üben auf Cohen eine Faszination aus. Wie kommt
das? Cohen ist ein junger Autor, lange nach dem Weltkrieg und der Shoah
geboren. Und ganz bestimmt kein Freund von brutalen Kriminellen. Aber
die Geschichte dieser Gangster ist eben alles andere als die der leidenden
jüdischen Opfer. Sondern hier handelte es sich um Männer, die
wahrlich nicht in dieses Klischee passten, denn sie nahmen sich was sie
brauchten, oft und keineswegs nur notfalls mit Gewalt. Und sie haben den
US-Nazis das Leben schwer gemacht. So wird der jedem Ellroy-Leser bekannte
Gangster Mickey Cohen betreffend eines Besuchs einer Naziversammlung zitiert:
"Also sind wir rüber, haben uns gepackt, was uns in die Quere
kam - diese bescheuerten Bilder und Plakate-, haben ihnen damit die Scheiße
aus dem Hirn geprügelt und sie so gut es ging auseinandergetrieben.
Für so einen Job hab ich keine Bezahlung angenommen. Mit keinem Geld
der Welt wäre so was aufzuwiegen." Da kann man sehen, daß
früher die Mafia zumindest in diesem Punkt moralischer war als manch
ein deutscher Politiker heute.
Musik kommt diesmal etwas kurz, aber zum Abschluß schnell noch zwei
coole neue Scheiben. Ich mochte The Fall ja über viele Jahre gerne,
aber mit sinkender Tendenz. Die neue "The Unutterable" (Eagle
records) ist allerdings die mit Abstand beste, die sie seit langem gemacht
haben. Es sollen mehr Musiker teilgenommen haben und Mark E. Smith hat
diesmal nicht alles alleine geschrieben. Ob es daran lag, weiß ich
nicht, aber alte Fans sollten mal reinhören.
Ebenfalls neu ist Vibravoid aus Düsseldorf mit "2001 Love is
Freedom" (Triggerfish). Neopsychedelische Sounds, die hervorragend
zu hören sind. Nicht zu abgehoben, einfach zwischen Beat und Verträumtheit
pendelnd, ohne jemals langweilig zu werden. Warum Sie allerdings als Opener
ausgerechnet eine 3 Minuten Soundcollage für Tibets Freiheit auswählten,
ist mir mehr als nur schleierhaft. Trotzdem prima!
FEHRI
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