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Tatort
Worringer Platz - der Tod eines Schwarzafrikaners
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Am
26. Januar stirbt am Wor-ringer Platz der 19jährige John Amadi aus Nigeria
bei einer "Polizeikontrolle wegen Dro-gen-handels". Für die Düsseldorfer
Polizei ist die Ursache für den Tod eindeutig: Der Schwarz-afrikaner ist
an den Folgen eines im Magen aufgeplatzten Drogenpäckchens gestorben.
Ein tragischer Unfall also, ein Drogentoter mehr in der jährlichen Statistik
und ... das war´s?
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So wünscht es sich zumindest die Düsseldorfer Polizei. Sie
erklärte direkt nach dem Vorfall, der Nigerianer habe bei einer Polizeikontrolle
ein Drogenpäckchen, einen sogenannten Bubble, verschluckt, um die
Sicherstellung der Drogen zu verhindern. Dieser Bubble sei im Magen von
John Amadi geplatzt und habe eine Überdosis verursacht, an der der
Schwarzafrikaner gestorben sei. Eine voreilige Beurteilung der Situation,
wohl auch um einem eventuellen Polizeiskandal direkt entgegenzuwirken
zu können. Denn Angehörige und Freunde von John Amadi bezweifeln
die offizielle Erklärung der Polizei. Ihnen liegen Berichte von Augenzeugen
vor, nach denen der Schwarzafrikaner von sechs Polizeibeamten zu Boden
geworfen worden sei, von denen zwei ihn mit ständigen Tritten in
den Magen traktiert und andere Beamten ihn am Hals gewürgt hätten.
Dabei muß der 19jährige gestorben sein, denn die Zeugen berichten
weiter, daß er sich nach kurzer Zeit nicht mehr bewegte. Der 15
Minuten später eintreffende Rettungsdienst konnte auch nur noch den
Tod des 19jährigen feststellen. Ein tragischer Unfall?
Hintergrund für das brutale Vorgehen der Polizei: Bis heute weigern
sich die Krankenhäuser in Düsseldorf aus ethischen Gründen,
das extrem gesundheitsschädliche Brechreizmittel Apomorphin zur Sicherung
von Beweismitteln zu vergeben. Das Brechreizmittel löst tagelange
Übelkeit und Schüttelfrost aus, und dies sei mit dem bloßen
Tatverdacht nicht ausreichend legitimiert. Nun legen die Polizeibeamten
bei der Festnahme schon mal selber Hand an und versuchen durch Überstreckung
des Kehlkopfes und Druckausübung auf den Magen einen Brechreiz beim
Tatverdächtigen auszulösen. Die Todesursache und die Verantwortung
der eingesetzten Polizeibeamten bleibt auf jeden Fall weiterhin ungeklärt.
Hätte die Polizei statt ihrem brutalen Vorgehen - das ebenfalls Ursache
für den Tod sein kann - direkt ärztliche Hilfe organisiert,
vielleicht wäre der Tod des 19jährigen zu vermeiden gewesen.
Der Vorfall am Worringer Platz reiht sich ein in eine Reihe von willkürlichen
Aktionen der Polizei gegen SchwarzafrikanerInnen am Düsseldorfer
Hauptbahnhof. Seit 1996 wird seitens der Polizei der "Kampf gegen
den Drogenhandel am Hauptbahnhof" propagiert - mit höchst dubiosen
und rassistischen Methoden. Waren es zunächst Großeinsätze
der Polizei, die insbesondere darauf abzielten, SchwarzafrikanerInnen
am Bahnhof zusam-menzutreiben und zur Personenkontrolle ins Polizeipräsidium
am Jürgensplatz zu verfrachten, so dienten ihr ständige Personalienkontrollen
u.a. unter ausländerrechtlichen Aspekten später eher dazu, um
dem Hauptbahnhof für dunkelhäutige Menschen zu einer Gefahrenzone
werden zu lassen - zu sogenannten No go areas (Terz berichtete). Dabei
kam es schon zu einer Reihe von kleineren Polizeiskandalen. So ist ein
Mitarbeiter des amerikanischen Konsulats in eine Razzia geraten und mußte
mehrere Stunden auf dem Polizeipräsidium verbringen, ehe er aufgrund
erwiesener Unschuld wieder freigelassen wurde. Das Vorgehen der Polizei,
das die Hautfarbe eines Menschen zum Kriterium für potentielles kriminelles
Handeln macht, bestätigt das in der Gesellschaft weit verbreitete
Bild des drogen-dealenden Schwarzafrikaners. Die Stigmatisierung von SchwarzafrikanerInnen
zu Drogendealern findet in der Polizeimethodik ihre Entsprechung und fördert
sie wiederum. So ist es nicht verwunderlich, daß gerade Schwarz-afrikanerInnen
sich von dem Tod des 19jährigen betroffen fühlen und anfangen
sich zu wehren - denn es hätte jede/n von ihnen treffen können.
Sie verhinderten mit Hilfe der nigerianischen Botschaft in Bonn, daß
die Leiche auf Anordnung der Polizei direkt verbrannt wurde. Als sie in
den Besitz der Leiche gelangten, veranlassten sie eine polizeiunab-hängi-ge
Obduktion. Das Ergebnis: Es konnten keine Hinweise darauf gefunden werden,
daß John Amadi an einer Überdosis einer Droge gestorben ist.
In seinem Magen wurden auch keine Drogenpäckchen gefunden. Die Ursache
für seinen Tod bleibt weiterhin ungeklärt.
Am 3. Februar organisierten Freu-n-dIn-nen und Angehörige einen Trauermarsch
vom Hauptbahnhof zum Polizeipräsidium. Über 50 Personen nahmen
an dem Marsch teil. Während der Demonstration am 3.2. wurde ein afrikanisches
Lokal auf der Bismarckstraße, das als Kontaktadresse für Augen--zeu-gInnen
diente, von der Polizei auf unbestimmte Zeit geschlossen. Begründung:
Verdacht auf Drogenhandel. Aus Angst vor weiteren Schikanen der Polizei
bleibt nun lediglich eine Handy-Nummer (0174-63 65 042), um den Kontakt
mit ihnen aufzunehmen. Unter dieser Nummer können sich aber weiterhin
Zeugen melden, die den Vorfall am 26. Januar am Worringer Platz beobachten
konnten.
Für eine lückenlose Aufklärung der Todesumstände von
John Amadi ! Schluß mit der rassistischen Hetze gegen SchwarzafrikanerInnen
am Düsseldorfer Hauptbahnhof! Kampf dem rassistischen Normalzustand!
AKTION KNASTMUCKE,EINE ANTIRASSISTISCHE INITIATIVE
Aktion Knastmucke ist eine offene Gruppe. Wer Lust hat
mitzumachen, der/die komme doch einfach mal vorbei. Wir treffen uns jeden
Sonntag um 19 Uhr im Falkenheim auf der Ecke Lessingstraße/Industriestraße.
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