fehritalesDrinks, Cigars & No Sports please!
Olympia ist schön. Olympia ist wichtig. Olympia ist jetzt dauernd im
Fernsehen.
Olympia zeigt die deutschen Talente! Als ob die Zone nie untergegangen
wäre! Sportweltmacht! Medaillenregen, z.B. im Biathlon. Dies ist nicht
die übliche Preisfrage, aber wer ist eigentlich auf die debile Idee gekommen,
Skifahren und Rumballern zu kombinieren und das Sport zu nennen? Ein Securitate-Agent
im Dienst, einen Bären für den großen Conducator jagend? Ein
trunkener SA-Mann, der im Rausch einen Förster erlegte und Gefallen an
roten Spritzern in schöner Winterlandschaft fand?
Wie so oft geht alles an mir vorbei ... Ich kann mich nicht freuen ... Unsere
Athleten auf dem Siegertreppchen ... Ich will ausnahmsweise mal Nachrichten
hören. Im Radio. Was passiert in der Welt? "Nach zwei von vier Läufen
können unsere beiden Rodler Sepp Obstler und Toni Promillo noch Gold holen."
(WDR2-17.02.2002) Sie haben es also noch nicht einmal. Sie könnten! Vielleicht!
Das sind Nachrichten! Da braucht man keinen Volksempfänger mehr! Hiermit
gebe ich bekannt, und das will ich in den 12.00 Uhr Nachrichten der nächsten
Zeit ausgiebig hören, dass ich, falls ich in den nächsten vier Jahren
nichts anderes als Skifliegen trainiere, vielleicht bei der nächsten Olympiade
Gold für Krautland hole! Radios anstellen! Ich bestehe auf Nachrichten!
Mehr Information bedeutet mehr Kommunikation, sprich mehr Debilität und
Delirium tremens ... von den Römern bis zur Riefenstahl haben das alle
schon kapiert. Erwin will Olympia für Düsseldorf. Selbst dem hat das
also wohl jemand gesteckt!
Frauen sagt man ja nach, dass sie zu wahrer Freundschaft nicht fähig sind.
Mag sein. Ist das allerdings in unseren Breitengraden ein Versäumnis? Wie
steht es denn mit den Männerfreundschaften? Der Stoiber ist dem Schüssel
sein Freund. Der Schüssel ist dem Haider sein Freund. Der Haider ist dem
Saddam Hussein sein Freund! Der Saddam Hussein ist dem Adolf Hitler ein ...
nun ja ... Nacheiferer ... Bewunderer? Oh, das ist mir jetzt so rausgerutscht
... Wenn man sich solche Männerbünde anschaut, dann ist die Nominierung
von Bush Junior zum Friedensnobelpreis eigentlich gar nicht mehr so absurd ...
Wenn man richtig harte Kriminalromane mag, dann sollte man James Ellroy lesen.
Sein neuestes Werk ist ein 850 Seiten Opus namens "Ein amerikanischer Albtraum",
in dem die US Geschichte von Dallas 1963 bis hin zu Bobby Kennedys Ermordung
1968 in einem trotz der Länge straffen Thriller verarbeitet wird. Die Wege
der Mafia, die Wege der Geheimdienste - oft gemeinsam - werden am Schicksal
von drei Männern, von denen zwei bereits in seinem letzten Roman Akteure
waren, beschrieben. Mit der knappsten, brutalsten und spannendsten Schreibe,
die man sich denken kann. Manchmal schon übertrieben. Aber unbedingt lesenswert.
Vor 10 Jahren gefiel mir "Angel Dust" von Faith No More gut. Tomahawk
ist eine Band, in der der damalige FNM Sänger Mike Patton mitspielt. Und:
Überraschenderweise klingt es so ähnlich wie damals. Gefällt
mir also gut! Paranoides metallisches abwegiges Funk - bis Kaputtnikrockgekrache!
Zum Abschluss hier die Auflösung des letzten, im Netz leicht zu knackenden
Rätsels. Magda Goebbels, vorher Quandt, vorher Ritschel, vorher Friedländer,
geborene Behrend war die charmante Dame, die linken Zionisten und Nazigauleitern
etwas abgewinnen konnte. Die Frau hatte eben schon damals begriffen, worauf
es heute mehr denn je ankommt. Offen sein, flexibel leben, alles konsumieren.
Weil die Frage leicht zu lösen war, haben sich eine ganze Reihe Leute gemeldet,
das wollte ich ja nur mal wissen. Der letzte Gewinner hat sein Bier schon bekommen
(die Besprechung der Anakoluth-CD kommt das nächste Mal. Garantiert!),
diesmal muss ich losen und melde mich dann. Aber aufgepasst, Freunde: Ich bin
ein asiatischer Despot! Verzweifelte Versuche von diversen Männern, statt
Bier ein Essen zu bekommen, sehe ich höchst ungern. Die Herren akzeptieren
offenbar meine Autorität nicht. Da würde sich doch der alte Lenin
im Grabe umdrehen ...
Auf ein Neues (Preise wie gehabt und nicht verhandelbar!): Da ich mich in dieser
Ausgabe auch mit den Segnungen des Stalinismus beschäftigt habe, eine Frage
hierzu: Welcher große deutsche Schriftsteller und Antifaschist besuchte
im Jahre 1938 (als der dritte große öffentliche Schauprozess stattfand)
Moskau und war über die "Einfachheit" von Josef Stalin erfreut
und attestierte ihm sogar Humor! Und sagte kein Wort zu den Prozessen! Dabei
wissen wir doch: Josef Dschugaschwilli war seeeeehr böse und gar nicht
luuuustig! Banzai!
Fehri
www.terz.org - 26.2.2002