Dienen nach preußischem Vorbild -
Der V-Mann Udo Holtmann
VON PIERRE BRIEGERT
Unter den täglich mehr werdenden ,enttarnten' V-Männern des Verfassungsschutzes in der NPD dürfte der Vorsitzende der NPD Nordrhein-Westfalen, Udo Holtmann aus Oberhausen, der wohl ranghöchste in der Partei gewesen sein. Er arbeitete von 1978 bis Ende Januar 2002 für das Bundesamt für Verfassungsschutz. Ende Januar 2002 wurde er aus der NPD ausgeschlossen. Ist aber Holtmann tatsächlich nur ein NPDler, der in der Partei mitgeschwommen ist, wie es der VS glauben machen will?
Die Prä-Verfassungsschutzkarriere des Udo H.
Eigenangaben der NPD zufolge war der 1937 in Duisburg geborene, später
nach Mülheim/Ruhr und Oberhausen verzogene Holtmann schon als 14jähriger
"Mitglied einer vaterländischen Jugendgruppe" gewesen. Mit 18
sei er dann der "Deutschen Reichspartei" (DRP) beigetreten. Er habe
dem "sozialistischen Flügel der Deutschen Reichspartei" angehört,
"trennte sich aber von dieser ... um ... die Deutsche Freiheitspartei zu
gründen - ein Unternehmen, das keinen Bestand hatte, aus der neben Holtmann
jedoch die führenden Leute um die Unabhängigen Nachrichten (UN) hervorgingen."
Bei dem Urheber dieses Zitats handelt es sich um Holtmanns V-Mann-Kollege Wolfgang
Frenz aus Solingen, einen "NPD-Mann der ersten Stunde", der schon
zu seinen DRP-Zeiten angeworben worden war und angeblich 1995 abgeschaltet wurde.
Mit den "Unabhängigen Nachrichten" ist die Struktur "Freundeskreis
Unabhängige Nachrichten" mit Sitz in Oberhausen gemeint, der die Zeitschrift
UN herausgibt. Diese NPD-nahe Organisation ist fest in das Gefüge der deutschen
Neonazi-Szene eingebunden und betätigt sich insbesondere in den Bereichen
Propagandaarbeit und Logistik. In der Oberhausener UN-Druckerei werden tonnenweise
Aufkleber, Flugblätter und Zeitschriften hergestellt, die überall
in der BRD verteilt werden. Bei der "Deutschen Freiheitspartei" (DFP)
handelt es sich um eine 1962 gegründete Abspaltung der DRP. Grund für
die Abspaltung war die unkritische Haltung des DRP-Bundesvorsitzenden Adolf
von Thadden zur NATO. Die DFP und Holtmann fühlten sich einer nationalneutralistischen
Politik im Sinne Strassers verpflichtet.
1966 fand er dann etwas verspätet den Weg zur NPD und übernahm von
Beginn an leitende Funktionen. Bereits im Januar 1967 wurde er als stellvertretender
Kreisvorsitzender des NPD-Kreisverbandes Duisburg geführt, noch im selben
Jahr übernahm er den Vorsitz. Schon 1968 war er Mitglied des Landesvorstandes
und führte "in dieser Sturm- und Drang-Zeit' der noch jungen
NPD die Referate Propaganda und OD-Leitung", wie es der derzeitig amtierende
NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt 1999 ausdrückte. Als Leiter des nordrhein-westfälischen
NPD-"Ordnungsdienstes" (OD) war der ehemalige Zeitsoldat und heutige
Oberfeldwebel der Reserve auch für die persönliche Sicherheit seines
ehemaligen politischen Widersachers und jetzigen NPD-Bundesvorsitzenden Adolf
von Thadden bei dessen Wahlkampftour 1969 verantwortlich. Die nebenstehend dokumentierte,
dem Buch "Alles Große steht im Sturm" des NPD-Bundesvorstandsmitglied
Holger Apfel entnommene Abbildung zeigt Holtmann (r.) neben von Thadden 1969
in Duisburg. Aus den Reihen des von Holtmann geführten OD entstand kurze
Zeit nach dem Scheitern der NPD bei den Bundestagswahlen 1969 die in sieben
Kommandobezirke gegliederte terroristische "Europäische Befreiungsbewegung"
(EBb). Diese wurde von dem 1970 25jährigen kommissarischen Duisburger NPD-Kreisvorsitzenden
Helmut Blatzheim geleitet. Die Organisation bestand aus 20 Aktivisten, allesamt
NPD-Mitglieder aus Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Krefeld, Köln und
Betzdorf. Synonym zu EBb wurde auch die Bezeichnung "Europäische Befreiungsfront"
(EBF) benutzt, die von der vom NPD-Kreisvorsitzenden und Bundestagskandidaten
Volker Lachenicht in Krefeld gegründeten Gruppe übernommen worden
war. Nach Auffassung der Hitler verehrenden Mitglieder müssten "die
bolschewistischen Zersetzer des Abendlandes liquidiert werden". Die NPD
selbst hatten sie nach deren Scheitern abgeschrieben. Nun ging es darum, einen
angeblich in Österreich, Italien und Frankreich entstandenen und seit den
Bundestagswahlen 1969 auch auf die BRD ausgeweiteten "europäischen
Kommunistenblock" zurückzuschlagen - mit allen zur Verfügung
stehenden Mitteln. Mitte Mai 1970 griff die Polizei bei einer großangelegten
Razzia zu. Hierbei sollen diverse schriftliche Aufzeichnungen, "13 Gewehre
(Schnellfeuergewehre - MP-, Karabiner, Sturmgewehre, - teilweise mit Zielfernrohren),
17 Pistolen und verschiedene Sprengkörper sowie Hieb. und Stichwaffen;
ca 3.000 Schuß Munition" gefunden worden sein. Acht Personen aus
Duisburg, Mülheim/Ruhr und Oberhausen wurden festgenommen. Der NPD-Landesvorstand
NRW will erwartungsgemäß von der Existenz der EBb bzw. EBF nichts
gewusst haben, eine Behauptung, die nicht zuletzt deswegen angezweifelt werden
darf, da auf der Liste der Organisation auch ein Landesvorstandsmitglied der
NPD gestanden haben soll, vermutlich Holtmann persönlich. Auch in der EBb/EBF
hatte der VS einen fleißig an vorderster Front mitmischenden V-Mann, was
sich aber erst im Verlauf des folgenden Prozesses herausstellte und letztendlich
zu nur geringfügigen Strafen für die Angeklagten führte.
V-Mann und Bundesvorstandsmitglied
1977 wurde Holtmann auf dem 11. Bundesparteitag der NPD in Hannover erstmalig
als Beisitzer in den NPD-Bundesvorstand gewählt, dem er bis zu seiner Enttarnung'
angehörte. Kurze Zeit später wurde er offensichtlich vom VS angeworben.
"1982 machte er sich selbständig und betreibt eine eigene Druckerei,
mit der er der NPD schon oft aus der Patsche' half, wenn unsere Freunde'
von Links oder aus dem System wieder mal einen Druckerei-Boykott gegen uns initiierten",
schrieb Udo Voigt 1999 in seiner Laudatio auf das " ,Fossil' im amtierenden
Parteivorstand". Bei der von Voigt erwähnten Druckerei handelt es
sich um die Oberhausener Firma "Offset-Express", über die auch
die Zeitschrift des NPD-Landesverbandes "Deutsche Zukunft. NPD-Landesspiegel
Nordrhein-Westfalen" und andere Druckerzeugnisse der Partei gedruckt und
verschickt werden.
Als die Aufmarschwelle der NPD auch in NRW begann, war Holtmann einmal mehr
an vorderster Front dabei. Bei der ersten Demonstration am 12.9.1998 in Münster
trat er gemeinsam mit dem damaligen JN-Landesvorsitzenden Achim Ezer als Redner
und Versammlungsleiter in Erscheinung. Danach ließ er sich aber auf Demonstrationen
in NRW nicht mehr blicken. Statt dessen übernahm er federführende
Funktionen bei der Organisation bundesweiter Großveranstaltungen. Parallel
zu seiner Arbeit für die Bundespartei führte er den Landesverband
immer stärker in die Offensive. Über 200 neue Mitglieder in den letzten
drei Jahren sprechen nicht gerade davon, dass die NPD in NRW den Rückwärtsgang
eingelegt hat.
Holtmann wurde zuletzt am 16.9.2001 beim NPD-Landesparteitag, Essen mit 100
% der Delegiertenstimmen in seinem Amt bestätigt. Bei der Nominierung der
NPD-KandidatInnen für die nordrhein-westfälische Landesliste zur Bundestagswahl
im Jahr 2002 überließ er Voigt den ersten Platz und gab sich selbst
mit dem zweiten zufrieden. Bei den Bundestagswahlen 1998 war Holtmann noch als
Spitzenkandidat auf der Landesliste angetreten. Nun wurde Voigt wunschgemäß
mit 100 % der Delegiertenstimmen als Spitzenkandidat auf der Landesliste nominiert.
Niedere und obere Dienstherren
Holtmann, so fasste es Udo Voigt 1999 lobend zusammen, sei "ein lebendes
Beispiel für das alte preußische Prinzip: Ich diene!'".
Dass Voigt nichts von Holtmanns staatlichem Dienstherrn gewusst haben will,
klingt zwar unglaubwürdig, ist aber bis heute nicht widerlegbar. Nachdem
sich Holtmann dem argwöhnischen und zur Abwehr des NPD-Verbotes in den
Kampf gezogenen Horst Mahler laut "Der Spiegel" (Ausgabe 6/2002) freiwillig
und gegen den Willen seines V-Mann-Führers als V-Mann zu erkennen gegeben
hatte, präsentierte er jedoch ein Schreiben des ehemaligen NPD-Anwalts
Wolfgang Huber vom 16.3.1978. Hierin wird Holtmann zu der "Ihnen angebotenen
nachrichtendienstlichen Tätigkeit" mitgeteilt, "der Herr Vorsitzende"
- gemeint war der damalige NPD-Bundesvorsitzende Martin Mussgnug - habe Huber
ins "Vertrauen gezogen". "Da wir nichts zu verbergen haben ...
erteilt der Herr Vorsitzende Ihnen die Zustimmung. ... Es wurde vereinbart,
daß Sie durch dieses Schreiben abgesichert werden sollen." Auch Mussgnugs
Nachfolger Günther Deckert bekundete bei einem Presseinterview, von Holtmanns
V-Mann-Tätigkeit gewusst und gemeinsam mit ihm gemeinsam die Berichte an
den VS verfasst zu haben. Da Deckert aber für seine Selbstdarstellungssucht
bekannt ist, dürften Zweifel an seinen Aussagen angebracht sein. Schwer
nachvollziehbar, aber durchaus denkbar ist, dass zwar innerhalb der alten Machteliten
in der NPD Holtmanns V-Mann-Tätigkeit bekannt war, seit Anfang der Neunziger
nicht aber der Parteispitze. Holtmann teilte am 26.1.2002 Udo Voigt schriftlich
mit, dass er sich "keiner Schuld bewusst" sei und sich "durch
dieses Schreiben abgesichert'" gefühlt hätte. "Bis
zur vollständigen Klärung" trete er aber dennoch von seinen Parteiämtern
zurück. Am Folgetag beschloss das NPD-Präsidium, "die enttarnten
Verfassungsschutzspitzel Udo Holtmann und Wolfgang Frenz aus der Partei auszuschließen."
Der Solinger Heilpraktiker Frenz hatte sich bereits 1999 weitgehend aus der
Parteiarbeit zurückgezogen. "Der langjährige Leiter der Redaktion
der Deutschen Zukunft" sei "auf persönlichen Wunsch ... rückwirkend
zum 03.08.1999" ausgeschieden, heißt es in der NPD-Landeszeitung
(Ausgabe 8/1999). Frenz sei nicht bereit gewesen, "den neuen Kurs (Inhalt
und Gestaltung)" mitzutragen. "Die Verweigerung ..., weiter an der
Sache für Deutschland mitzuarbeiten" sei indes nicht nachvollziehbar.
Frenz hatte also zum Zeitpunkt seiner Enttarnung keinen Wert mehr für die
NPD dargestellt. Im Gegensatz hierzu dürfte aber der taktisch notwendige
Ausschluss von Holtmann einen herben Verlust bedeuten. Zu halten war der langjährige
"preußische Diener" nach dem öffentlichen Bekanntwerden
seiner Spitzeltätigkeit offensichtlich nicht. Und so musste eben ein Opfer
für "Partei und Reich" gebracht werden.
Ein Eingeständnis von Voigt, von der V-Mann-Tätigkeit Holtmanns gewusst
und diese gedeckt zu haben, wäre der ohnehin schon verunsicherten und von
den "Freien Kameradschaften" agitierten Parteibasis kaum vermittelbar
gewesen. Der Dank der Partei wird dem "Diener" Holtmann aber trotzdem
sicher sein. Immerhin hat er erheblichen Anteil daran, dass das NPD-Verbotsverfahren
zumindest einstweilig zum Erliegen kam, und beinahe Otto Schily in den Ruhestand
geschickt wurde. Um nicht noch mehr politischen Schaden anzurichten, hatte sich
Schily nach Holtmanns Gespräch mit Mahler politisch gezwungen gesehen,
der NPD zuvorzukommen und Holtmanns V-Mann-Tätigkeit sofort öffentlich
zu machen. Offenbar war Holtmann davon ausgegangen, dass nach der Enttarnung
von Frenz seine eigene Enttarnung kurz bevor stand und es nicht möglich
sein würde, die Bombe erst bei seiner Zeugenvernehmung im Rahmen des NPD-Verbotsverfahrens
platzen zu lassen. Dieses hätte dann garantiert zu einem Rücktritt
von Schily geführt.
V-Männer mit schlagender Wirkung?
In NRW arbeitete also von 1993 bis mindestens 1995 mit Holtmann und Frenz die
komplette Landesspitze der NPD gleichzeitig für den VS, ersterer für
das Bundesamt, letzterer für das Landesamt. Beide erhielten regelmäßige
Zahlungen von den Verfassungsschutzämtern, die ihnen Freiräume für
ihre zeitaufwendige politische Arbeit verschafften. Der Wert der gelieferten
Informationen, erst recht, wenn sie mit der Parteiführung abgestimmt waren,
dürfte gering, wenn überhaupt vorhanden gewesen sein. Aber Holtmann
und Frenz scheinen auch nur die Spitze des Eisberges zu sein. Auch der zweite
langjährige stellvertretende Landesvorsitzende, der NPD-Bundesschatzmeister
Erwin Kemna aus dem Kreis Steinfurt, wird immer wieder in Verbindung zum Verfassungsschutz
gebracht. Eine V-Mann-Tätigkeit wird von ihm jedoch vehement bestritten.
Auch der nordrhein-westfälische JN- und NPD-Funktionär Thorsten Crämer
aus Schwelm soll nach Aussagen des CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach für
den VS gearbeitet haben. Ebenso der JN-Funktionär Nico Wedding aus Duisburg.
Beide streiten das ab. Sollten sie dennoch für den VS tätig (gewesen)
sein, käme eine zusätzliche Brisanz in die Sache. Am 9.7.2000 organisierte
der damalige JN-Landesvorsitzende Crämer, der zu diesem Zeitpunkt auch
Beisitzer im NPD-Landesvorstand war, einen Angriff auf 15 Teilnehmer Gedenkveranstaltung
der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen"
(VVN-BdA) an der Gedenkstätte des ehemaligen KZ in der Kemna in Wuppertal.
Crämer hatte zuvor vom NPD-Landesvorstandsmitglied Wolfgang Kevering aus
Herten einen telefonischen Hinweis auf diese Veranstaltung bekommen. Crämer
wurde letztendlich zu einer zweijährigen, der tatbeteiligte stellvertretende
JN-Landesvorsitzende Nico Wedding zu einer 18monatigen Haftstrafe verurteilt.
Während sich Crämer seit seiner Haftentlassung im Hintergrund hält,
wurde Wedding auf dem letzten NPD-Landesparteitag bereits wieder in den NPD-Bundeshauptausschuss
gewählt und ist heute wieder auf jeder neonazistischen Demonstration zu
finden. Wenige Stunden nach dem Angriff in der Kemna telefonierte Crämer
von seinem Handy aus mit Udo Holtmann. Dass die beiden hierbei nicht über
das Wetter, sondern über die "außer Kontrolle geratene Aktion"
gesprochen haben dürften, erscheint höchst wahrscheinlich. Dass Holtmann
die ihm offenbar gebeichtete Beteiligung Crämers an dem Anschlag dem VS
mitteilte, darf alleine schon deswegen angezweifelt werden, da Crämer erst
drei Tage nach der Tat nach belastenden Aussagen einiger Mittäter von der
Polizei als Täter ermittelt werden konnte und in U-Haft genommen wurde.
Der sicherlich mitgeschnittene Inhalt des Gespräches zwischen Crämer
und Holtmann wurde erst gar nicht in den Prozess eingeführt. V-Männer
werden eben besser geschützt als TeilnehmerInnen an KZ-Gedenkstättenveranstaltungen.
Und "preußische Diener" wissen sich im Zweifelsfall für
den recht(er)en Dienstherrn zu entscheiden. Einige Opfer des Angriffs haben
jetzt die Initiative ergriffen und über ihren Rechtsanwalt Aufklärung
von der Bundesregierung verlangt, ob und wie V-Männer in den Angriff involviert
waren. Von Crämer selber wird in diesem Zusammenhang immer wieder der Name
von Axel Boris Hausweiler genannt. Der war bis kurz vor dem Startsignal zum
Angriff hochmotiviert und schwer bewaffnet vor Ort und auch an der Vorbereitung
der Aktion beteiligt gewesen, hatte sich dann aber unbeobachtet von der Gruppe
abgesetzt und vor Gericht umfangreiche und belastende Aussagen gemacht.
Selbst wenn Holtmann die Information an den VS weitergegeben hätte, hätte
das vermutlich nichts bewirkt. Es wäre nicht das erste Mal, dass unter
den Augen des VS neonazistische Gewalttaten vorbereitet oder gar durchgeführt
wurden. Das wohl beste Beispiel aus NRW ist das des zwielichtigen Solinger Kampfsportlehrers
Bernd Schmitt, der in seiner Kampfsportschule 1992 und 1993 hochkarätige
Neonazis ausbildete und gleichzeitig als V-Mann tätig war. Zwei der drei
Mörder, die 1993 in Solingen fünf türkische Frauen und Mädchen
durch einen Brandanschlag ermordeten, trainierten in Schmitts Kampfsportschule.
Der "Deutsche Hochleistungskampfkunstverband" (DHKKV) übernahm
auch unter Schmitts Leitung Security-Dienste für neonazistische Veranstaltungen,
beispielsweise bei einerVeranstaltung der "Deutschen Liga für Volk
und Heimat" (DLVH) 1992 in Köln. Ausgerechnet die DLVH, die heute
in Köln unter der Tarnbezeichnung "Bürgerbewegung Pro Köln"
auftritt, möchte am 9. März in Köln eine Demonstration gegen
den Verfassungsschutz durchführen. Gefordert wird die Auflösung des
VS. In dem Aufruf zur Demonstration wird der ehemalige JN-Landesvorsitzende
und heutige "Pro Köln"-Führer Manfred Rouhs mit den Worten
zitiert: "Der Verfassungsschutz hat die KZ-Gedenkstätte Kemna überfallen.
Dort haben seine Schergen Menschen brutal zusammengeschlagen". Das Bemühen'
von Rouhs, sich vom Innenministerium eine Strafanzeige wegen Verleumdung einzuhandeln,
war übrigens bereits erfolgreich. Die "Pro Köln"-Strategen
hatten bei ihrer Analyse" ebenfalls übersehen, dass einer ihrer
wichtigsten Kader, der in Burscheid lebende und in Leverkusen praktizierende
Rechtsanwalt Markus Beisicht, Strafverteidiger des stellvertretenden NPD-Kreisvorsitzenden
Wuppertal, Norbert Wölk, ist. Wölk war einer der Haupttäter in
der Kemna und sitzt zur Zeit noch seine zweijährige Haftstrafe ab.
Wer wird neuer Führer?
Unklar ist zur Zeit noch, wer Holtmanns Funktion als NPD-Landesvorsitzender
übernehmen wird. Szenekenner tippen auf den seit Jahrzehnten in federführender
Position tätigen Essener Bernd Kremer oder auf den deutlich jüngeren
Iserlohner Timo Pradel, der in letzter Zeit sämtliche NPD-Demonstrationen
in NRW leitete. Kurz nach dem Ausscheiden von Holtmann überließ Pradel
sein Amt als Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Märkischer Kreis seinem
bisherigen Stellvertreter Axel Schoppmann. Begründung: Er wolle sich von
nun an auf die Arbeit im Landesvorstand konzentrieren. Ob sich die NPD nun für
einen eher unbeweglichen altbackenen Parteirecken wie Kremer oder für eine
Verjüngung, also für den auch bei den "Freien Kameradschaften"
akzeptierten Pradel entscheidet, wird demnächst auf einem außerordentlichen
Landesparteitag entschieden werden.
www.terz.org - 26.2.2002