Auf die Frage, ob er für eine kriegerische Aktion gegen Saddam Hussein sei, antwortete Peter Handke: "Nein".
Er wolle nicht "mit dem Gesindel, das den Krieg gegen
Jugoslawien befürwortet hat, in irgend etwas einstimmen." (zit. nach Frankfurter Rundschau, 14.2.02)

Grüne Friedensfreunde

An für Neusser Verhältnisse ungewöhnlicher Stelle war in der Ausgabe der Neuß-Grevenbroicher am 15.2. eine Anzeige vom Kreisverband Bündnis90/Die Grünen zu lesen.
Die Bündnisgrünen hatten sich entschlossen, ihr entschiedenes "Nein zum Krieg im Irak!" zu Protokoll zu geben. Diese "Neusser Erklärung" - darunter tut man's nicht mehr - war unterzeichnet nicht nur von Mitgliedern von B90/Die Grünen, sondern es fanden sich darunter auch Friedensfreunde anderer Parteien und Verbände. Dies muss stutzig machen.
Immerhin ist der Verein B90/Die Grünen Regierungspartei und hat bereits zwei veritable Kriegseinsätze auf dem Buckel.
Der "Erklärungstext" operiert nicht nur mit der Vergesslichkeit, was die oben erwähnten Kriege anbelangt, sondern verschweigt, dass genau diese Bundesregierung und die sie stützenden Parteien weiterhin das gemeinsame Bestreben verfolgen, das Regime des unbotmäßigen Irak zu entwaffnen und unter ihre imperialistische Kontrolle zu bringen.
Sorgfältig verpackt wird dieses Bestreben in der nach Friedfertigkeit klingenden Formulierung: "Wir unterstützen die deutsche Bundesregierung in ihrem Bemühen um eine friedliche Lösung des Konflikts ..." Welchen Konflikts?
Witzig ist in der Erklärung auch die Passage: "Für uns wäre ein solcher (kriegerischer, HPJ) Angriff eine Aggression, auch wenn er durch eine Zustimmung des UN-Sicherheitsrates gebilligt wäre." Ausgeblendet wird hierbei, dass z.B. der NATO-Krieg gegen Jugoslawien geführt wurde, ohne die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates überhaupt in Erwägung zu ziehen. Damals hätte auch ein Veto gedroht - also ließ man es sein.
Das beweist: Man benutzt die Organisationshüllen und ideologischen Rechtfertigungsmuster je nach Bedarf.
Auch diejenige Kritik läuft stets in die Irre, die meint, die "bösen USA" seien so scharf auf Krieg, quasi aus Prinzip. Nein, wenn es ohne Krieg geht, um so besser. Und man sieht ja auch bei dem diplomatischen Theater der EU und der NATO der letzten Tage, dass Krieg als "letztes Mittel" nicht ausgeschlossen werden soll. Gerhard Schröder braucht es da nicht schwer zu fallen, darauf hinzuweisen, dass er nie anders gedacht habe, verweist er doch zu Recht auf die beiden Kriegseinsätze seiner bisherigen Amtszeit.
Dies sind also die Bündnispartner, die nicht nur im Geiste am 15.2. in Berlin und anderswo mitmarschiert sind. Originalton Heidemarie Wieczorek-Zeul: Sie sprach von "einer Abfuhr für all jene, die Krieg als Mittel der Politik einsetzen wollen". (zit. nach TAZ 17.2.)
Merke: Je länger der sog. "friedliche Weg" in der Irak-Krise beschritten wird, um so deutlicher wird die Übereinstimmung der sog. Kriegsgegner mit dem imperialistischen Interesse der Bundesregierung, nämlich der Entwaffnung und Kontrolle des Irak. Und da wären wir dann wieder bei der Konkurrenz in Gestalt der USA, Großbritannien, Frankreich ...
HPJ

www.terz.org - 25.2.2003