Krieg in Kürze

Verweigern und desertieren I

Anlässlich des drohenden Krieges der USA und ihrer Alliierten gegen den Irak haben Organisationen der Friedensbewegung eine Beratungsstelle für US-Kriegsdienstverweigerer gegründet. Unter der Bezeichnung Military Counseling Network (MCN) wird damit US-Soldaten und -Soldatinnen, die sich den Kriegsplänen der USA verweigern, Beratung und Unterstützung angeboten.
Bereits während des 2. Golfkrieges, Anfang der 90er Jahre, hatte es ein Military Counseling Network gegeben. Damals hatten sich mehr als 100 Soldaten und Soldatinnen der US-Armee in Deutschland geweigert, gegen den Irak in den Krieg zu ziehen. In wenigen Fällen wurde ihre Verweigerung anerkannt, viele sahen sich Repressionen und strafrechtlicher Verfolgung im Militär ausgesetzt.
Die Beratungsstelle ist unter folgender Adresse zu erreichen:
Military Counseling Network (MCN), Hauptstr. 1, 69245 Bammental, Tel. + Fax: 06223-47791, Email: mcn@dmfk.de - Spenden auf das Konto des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees (DMFK); Nr. 21240069,
Kreissparkasse Heilbronn, BLZ 620 500 00; unter dem Stichwort "MCN".

Lichterkette

Mit einer wiederholten Neuauflage der allseits beliebten Lichterkette wurde auch in Düsseldorf am 1. Februar gegen den Krieg protestiert. Vielleicht auch wegen der nicht gerade innovativen Aktionsform kamen weniger Leute als von den Organisatoren erhofft. Vielleicht lag das aber auch an dem nichtssagenden Aufruftext, auf den sich die Organisatoren der verschiedenen Gruppen geeinigt haben. Außer das der Krieg böse ist, stand nicht viel dadrin. Immerhin noch 7.000 Menschen bevölkerten den Rathausvorplatz und lauschten den verschiedenen Beiträgen von Liedermachern bis hin zu Gedichten. Am Besten gefiel das Flugblatt der Grünen, die allen Ernstes behaupten, daß Energiesparen Kriege verhindert, schließlich ginge es bei dem Krieg um Öl. Geht es noch ein wenig Niveauloser?
Auch die TERZ raffte sich auf und verteilte mehrere Hundert Terz Hefte.


Knast für AntikriegsaktivistInnen

Der Widerstand gegen den Irakkrieg erschöpft sich nicht in symbolischen Aktionen: Englische Lokomotivführer weigern sich, Kriegsmaterial zu transportieren, griechische AktivistInnen vertreiben eine deutsche Fregatte aus dem Hafen von Keratsini und die gute alte Rainbow Warrier von Greenpeace behindert im Hafen von Rotterdam ein US-Militärtransport.
In Deutschland verbüßt seit dem 31. Januar 2003 die 67jährige Hanna Jaskolski im Gefängnis, weil sie im letzten Jahr zusammen mit einigen FreundInnen Zaun um das Atomwaffenlager Büchel geöffnet und den militärischen Sperrbereich betreten hatte. Dort hängten sie Transparente, u.a. mit der Parole ""Deutsche Tornados mit US-Atomwaffen - bereit zum Massenmord" auf.
Richter Johann vom Amtsgericht Cochem verurteilte deshalb Hanna Jaskolski zu vier sowie Dr. Erika Drees (67) und Dr. Wolfgang Sternstein (63) zu sechs Wochen Haft ohne Bewährung. Es wiege besonders schwer, dass die Angeklagten in fortgeschrittenem Lebensalter und mit ihren Vorstrafen ein schlechtes Vorbild für Kinder und Enkel wären, so Johann. Sie könnten der jüngeren Generation keine Werte vermitteln wie "Tangiere keine anderen Rechte!" oder "Begehe keine Straftaten!" und durch fehlende positive Sozialprognosen bestünde eine Wiederholungsgefahr.
Ob man Vorbilder braucht, sei dahingestellt. Für KriegsgegnerInnen ist das Handeln der Verurteilten jedoch vorbildlich. Der ANTIFA-KOK forderte im Februar die sofortige Freilassung von Hanna Jaskolski und die Aufhebung der Urteile und erklärte: "Unsere Solidarität gilt denjenigen, die auch unter Bruch der bestehenden Gesetze gegen den Militarismus vorgehen. Wir rufen dazu auf, die Kriegsmaschinerie und ihre Nachschubwege zu sabotieren, massenhaft zu verweigern und zu desertieren. Organisieren wir gemeinsam den Widerstand auf allen Ebenen !"

Verweigern und desertieren II

"Ich rufe die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die bei einem Angriffskrieg auf den Irak Dienst in Awacs-Flugzeugen tun sollen, dazu auf, diesen Kriegsdienst zu verweigern oder zu desertieren."
Bei der Protestkundgebung am Wochenende (8./9.2.03) in München rief einer der Redner, Tobias Pflüger, zur Kriegsdienstverweigerung bzw. Desertion auf. In seiner Rede wies Tobias Pflüger darauf hin, dass der propagierte Krieg gegen den Irak völkerrechts- und grundgesetzwidrig sei.
Eine halbe Stunde nach seiner Rede wurde Tobias Pflüger wegen Aufrufs zur Desertion verhaftet. Daraufhin trat Konstantin Wecker auf der Abschlusskundgebung auf und sprach den Satz selbst öffentlich aus. Tausende der anwesenden DemonstrationsteilnehmerInnen wiederholten auf seine Aufforderung hin den inkriminierten Satz laut und deutlich vernehmbar. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Wecker.

Waffeninspektionen überall

Massenvernichtungswaffen besitzen nicht nur irgendwelche schmierigen Diktatoren, sie lagern in vielen Ländern der Erde. In vielen Laboren wird an neuen Bio- und Chemiewaffen gearbeitet, häufig mit dem Argument, dass man auf Entwicklungen in anderen Ländern reagieren müsse. Die unabhängige Organisation "Rooting Out Evil" mit Sitz in Kanada macht sich dieser Tage nach Washington und zu einer Chemiewaffenfabrik in Maryland auf. Mit dieser eigensinnigen Aktion will das Rooting-Out-Evil-Netzwerk auf die Unlogik der amerikanischen Kriegsbemühungen aufmerksam machen: Die Herstellung, Lagerung und der Verkauf von Massenvernichtungswaffen ist nicht allein Sache des Iraks oder anderer "rogue states". Gemessen an ihren eigenen Maßstäben müsste sich die USA selbst zu den sogenannten Schurkenstaaten zählen. Mehrere Teams unabhängiger (und selbst ernannter) Waffeninspektoren reisen nun in wenigen Tagen durch die USA und suchen die Orte der Produktion und der Lagerung US-amerikanischer Massenvernichtungswaffen auf. Die Teams sind international besetzt. Nach wie vor kann man (auch rein solidarisch) auf der Website Mitglied werden.
Mehr über "Rooting Out Evil" (zu deutsch etwa: "das Übel an der Wurzel packen") unter:
www.rootingoutevil.org/index.php3/Media
Eine Karte der vermuteten Lager- und Herstellungsstätten von Massenvernichtungswaffen findet sich unter:
http://nyc.indymedia.org/local/webcast/uploads/terrormap_24x36.pdf

aktiv gegen den krieg

Wie man das macht, zeigten KriegsgegnerInnen in Beveren bei Antwerpen. Sie hielten in der Nacht vom 2.2. auf den 3.2. einen Militärzug an, der Kriegsmaterial aus deutschen US-Militärbasen in den Hafen von Antwerpen brachte. Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen der USA sollte dieses Kriegsmaterial von Belgien aus in den Irak verschifft werden. 25 AktivistInnen hielten einen der 20 Zugtransporte an, die an diesem Wochenende von Deutschland aus nach Antwerpen erfolgten.

Die kälteste Antikriegsdemo

Als am 15.2.03 in mehr als 600 Städten auf fünf Kontinenten Menschen gegen den Krieg demonstrierten, fand eine Ortschaft nicht die Würdigung, die ihr gebührt: An diesem Tag sagten nämlich auch in McMurdo, 78°S und 168°E (also in der Antarktis), 50 BewohnerInnen der US-Forschungsstation / Siedlung "Not in our Name!"
Bilder dieser bitterkalten Aktion unter:
www2.atlantamessengers.org:8080/antarctica/index.htm


Die Antifa und der Krieg

Nach langem Schweigen meldet sich auch der Antifa- Kok endlich zum Thema Krieg. Dafür gibt es direkt zwei Texte. In einem Flugblatt wird die Rolle Deutschlands in diesem Krieg dargestellt. In einem längeren Grundsatz Text wird sich generell gegen den Irak Krieg gewandt und die geopolitischen Interessen der unterschiedlichen Kontrahenten aufgezeigt. Zu finden sind beide auf der homepage des Antifa- Kok: http://www.antifakok.de

www.terz.org - 25.2.2003