das maatwerk-machwerk
Die Personal-Service-Agenturen (PSA) haben vor allem zwei Effekte gehabt: Öffentliche
Gelder wurden privaten Arbeitsvermittlern ohne jede Gegenleistung in den Rachen
geschmissen und die Mittel für eine aktive Arbeitsmarktpolitik - zum Beispiel
im Bereich der ABM-Stellen - zusammengestrichen. Bei Maatwerk wie bei allen
anderen PSA fand in erster Linie eine Verschiebung statt. So wurden nur Beschäftigte
vom kommerziellen in den subventionierten Sektor der Zeitarbeit transferiert,
wie selbst der Leiter der Zeitarbeitsfirma "Manpower" zugeben muss.
Die PSA haben in erster Linie den Effekt, dass immer mehr Betriebe ihre Stammbelegschaften
reduzieren, um sich dann über die hoch subventionierten PSA Beschäftigte
"auszuborgen". Arbeitsplätze entstehen dadurch nicht. Vielmehr
werden die Sozialversicherungsbeiträge der Lohnabhängigen zur Subventionierung
von Unternehmen veruntreut. Das PDS-Ratsmitglied Frank Laubenburg hat deshalb
im Ausschuss für Gesundheit und Soziales einen Antrag gestellt, der die
Stadt auffordert, sich im Verwaltungsausschuss der regionalen "Agentur
für Arbeit" für ein Ende der PSA-Förderpolitik einzusetzen.
arbeit macht frei!
Das Sozialamt der Stadt Düsseldorf macht seiner Klientel ein unschlagbares
Angebot. Demnächst darf sie in Bibliotheken Bücher putzen, Wegweiser
in Parkanlagen spielen, und Grünflächen reinigen. Die Ideenschmiede
im Amt hat aber noch mehr in petto, z.B. Aufsicht auf Schultoiletten oder Lehrer
in der Baumschule. Dafür bekommen die Soziempfänger einen Lohn von
einem Euro pro Stunde. (RP, 26.1.04)
Dabei weist das Sozialamt die Unterstellung, es wolle sich aus der Mannschaft
der Bedürftigen billige Arbeitskräfte herauspicken und sie vernutzen,
weit von sich. Ein pädagogisch wertvoller Auftrag stecke dahinter. Denn
"je mehr der Job den Fähigkeiten des Klienten entspricht, desto größer
ist die Chance, dass er wieder im Arbeitsleben Tritt fasst." (ebd.)
Die gesellschaftliche Bestimmung des Habenichts besteht darin, falls Bedarf
besteht, den Buckel für einen Arbeitgeber krumm zu machen. Als Arbeitnehmer
hat er durch den Verkauf seiner Arbeitskraft für eine Reichtumsproduktion
geradezustehen, von der er selber nichts hat. Dass so mancher dies Leid hat
und lieber in kümmerlichen Verhältnissen vor sich hin vegetiert, ist
den Machern in diesem Laden ein Dorn im Auge. Arbeit, Arbeit, Arbeit lautet
ihr Credo. Und das sollen die Faulenzer zu spüren bekommen, wenn sie die
Arbeit ablehnen und die Sozialhilfe gekürzt wird.
Jedem das Seine!
gedenkstättenfahrten adé
Der NRW-Landtagsausschuss für Jugend hat sämtliche Mittel für
Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz oder zu anderen Stätten nationalsozialistischer
Gräueltaten aus dem Landesjugendplan gestrichen. Vorsitzender des Ausschusses
ist der Düsseldorfer SPD-Landtagsabgeordnete Bernd Flessenkemper. Zu dessen
Wahlkreis gehört unter anderem Eller, wo sich seit Jahren die rechtsextremistische
Szene immer offener zeigt, wo überregional bekannte Nazi-Bands proben und
sich organisieren. Aber Flessenkemper ficht das offenbar nicht an.
kommentar
Spieglein, Spieglein an der Wand
Von Jürgen Stein
Wer in diesen Tagen die Berichterstattung in der "Rheinischen Post"
verfolgt hat, konnte mal wieder über das doch recht trübe Demokratieverständnis
deutscher Sozialdemokratie Aufklärung erhalten. Je näher der Termin
für die in diesem Jahr stattfindenden Kommunalwahlen rückt, umso nervöser
werden die "Genossen". Was ist geschehen? In besagtem Blatt war ein
Beitrag des sattsam bekannten "RP"- Redakteurs Ludolf Schulte erschienen,
in dem von der Existenz einer ver.di - eigenen Wahlliste gesprochen wurde. Die
Aufregung in der örtlichen SPD war so groß, dass manche Leute sich
ernsthaft "Sorgen" um die Existenz der Gewerkschaft machten. In der
ver.di - Erwerbslosengruppe habe, so Ludolf Schulte in der "RP" vom
6. Februar 2004, ein Brief zirkuliert, in dem befürchtet werde, dass viele
SPD-Sympathisanten den Wahlurnen fernbleiben würden, um gegen die Politik
der rot-"grünen" Landes- und Bundesregierung zu protestieren.
Auch bestehe die Gefahr, dass diese aus Protest CDU wählen könnten.
Um das zu verhindern, müsse die Gewerkschaft selber aktiv werden. Schon
seit Jahren denke man über eine solche Wahlliste nach. Dabei, so Brigitte
Chudyk, Vorsitzende des Erwerbslosen-Ausschusses, sei ein solcher Brief überhaupt
nicht durch die Gegend geschickt worden. Alles sei gelogen.
Was die örtlichen SPD-Funktionäre wenig gnädig gestimmt hat.
Von "Entgleisungen" der Gewerkschaftler war die Rede und davon, dass
solche, falls sie Parteimitglieder seien, aus der Partei ausgeschlossen werden
müssten.
Prompt gibt es aus den Reihen von ver.di Beschwichtigungen. Schließlich
kann man es sich in den deutschen Gewerkschaften, oder vielmehr in den Organisationen,
die sich als solche bezeichnen, nicht erlauben, gegen die SPD aufzumucken. Die
babylonische Gefangenschaft eben dieser Organisationen in den ideologischen
Gefängnissen der Sozialdemokratie ist historisch und wird früher oder
später auch deren Ende mitbesiegeln.
www.terz.org - 25.2.2004