Wir haben versucht, mit diesem kurzen Text ein paar Fragen, die einige von
uns seit einiger Zeit beschäftigen, zu konkretisieren und zu Papier zu
bringen mit der Hoffnung auf Zustimmung oder Widerspruch, aber jedenfalls auf
Reaktionen.
Als kleine Einstimmung aus dem Philosophischen Wörterbuch1 :
Elitetheorie: [lat -> franz] - eigtl: Theorie der Auslese, der Auswahl, der
Auserlesenen. Die Elitetheorie betrachtet die gesellschaftliche Entwicklung
als Werk einer tragenden Führungsschicht, deren privilegierte Stellung
und Herrschaft über die Massen, die sie aus besonderen sozialen, natürlichen,
geistigen oder sittlichen Qualitäten dieser Schicht herzuleiten versucht.
In dem von ihr postulierten ewigen Gegensatz von Elite und Masse sind die Eliten
'Individuen oder Individuengruppen von spezieller Qualifikation; die Masse ist
die Gesamtheit der nicht besonders Qualifizierten'.
Elitetheorien sind der Sache nach in den reaktionären Ideologien aller
Ausbeuterklassen enthalten. Sie gewinnen immer dann an Bedeutung, wenn die Herrschaft
bestimmter Ausbeuterklassen durch Massenaktionen bedroht ist, wenn es gilt,
die privilegierte Stellung der Eigentümer der Produktionsmittel und damit
auch der politischen Macht gegenüber dem Volk zu rechtfertigen und zu verteidigen."
Zwar bleiben die Massenaktionen aus, aber dennoch erleben die Elitediskurse derzeit einen großen Aufschwung. Deswegen drängen sich verschieden Fragen auf. Wir beschränken uns hier auf den Bildungsbereich aber denken trotzdem, dass dies in einen Kontext zu stellen ist mit den Reformen auf dem Arbeitsmarkt, in der Sozialpolitik u.s.w.
Es könnte um Elitenrekrutierung gehen:
Da mittlerweile, in den Augen der Wirtschaft zwar immer noch zu wenige, doch
recht viele Menschen Abitur machen, hat dieses und das Schulwesen im Allgemeinen
seine regulative Funktion für die Eliteselektion in der Wissenschaft und
der Wirtschaft verloren. Deswegen wäre es denkbar, dass durch die Schaffung
von Elitehochschulen oder der Möglichkeit der Hochschulen, sich ihre Studenten
auszusuchen, diese Funktionen an die Universitäten verlagert werden sollen.
Es soll ein Raum geschaffen werden, in dem sich ungestört von jeglichen
Auswirkungen der Unterminierung des Bildungshaushaltes, die Bildungselite entfalten
kann. Währenddessen kann die Sparpolitik an den gemeinen Unis fortgeführt
werden, denn der Nachschub an Leistungsträgern bleibt ja nicht aus.
Soll das Bildungsproletariat weiter ausgebaut werden, bzw. ein neues Bildungsproletariat
geschaffen werden?
Durch die Spaltung der Studiengänge in Bachelor und Master, eine stärkere
Praxisorientierung, einen schnell erworbenen berufsqualifizierenden Abschluss,
höheren Druck durch Studienkonten oder -gebühren und die noch stärkere
Differenzierung unter den Hochschulen; direkt durch Elitehochschulen oder indirekt
durch die so hoch beschworene Konkurrenz zwischen den Hochschulen. Als direkte
Konsequenz würden viele der Studierenden es in Zukunft nicht zu einem Abschluss
bringen und es wird einen großen Anteil der Hochschulabgänger geben,
der zwar studiert hat, aber nur ein sog. Schmalspurstudium" hinter sich
hat, d.h. nur im Rahmen ihres Faches, und nur so weit wie nötig qualifiziert
ist.
Die Folge aus diesem Prozess wäre, dass der akademische Nachschub schneller
der Wirtschaft zur Verfügung steht und weniger kostet. Während dessen
nur ein ausgewählter Teil den Anschluss an die Elite sowohl wissenschaftlich
als auch ökonomisch findet. Wodurch die Tradition, dass sich Eliten aus
sich selbst rekrutieren, nicht nur bestätigt, sondern auch verstärkt
würde.
1Klaus / Buhr, Philosophisches Wörterbuch (1. Teil) Leipzig 1975, S.
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www.terz.org - 25.2.2004