comicPersepolis
2: Jugendjahre
Das erste Comicbuch Persepolis hat auch in Deutschland für Furore
gesorgt. Es ist die autobiographische Geschichte von Marjani Satrapi.
Sie ist
das Kind linker laizistischer Intellektueller und erzählt von
ihrer Kindheit im
Iran. Sie erlebt die drastischen Veränderungen durch die
islamische Revolution,
die sich auf sie, ihre Eltern und ihr Umfeld auswirken. Es kommt der
Krieg mit
dem Irak, daraufhin entschließen sich die Eltern Marjane mit 14
Jahren ins
Ausland zu schicken. Im November 1984 kam sie in Wien an. Hier beginnt
das
zweite Buch. Es beschreibt ihre Jugend, die zerrissen ist zwischen den
inneren
und äußeren Widersprüchen. Trotzdem sie im Gegensatz zu
vielen ImmigrantInnen
in einer privilegierten Situation ist und nicht von Abschiebung
bedroht, kommt
für sie das Leben in dieser neuen Welt
einem Schock gleich. Sie muss anfangs in einem Nonnenkloster leben.
Ihre
unrichtigen Vorstellungen vom freien Ausland beginnen zu bröckeln.
Ihr Leben
ist bestimmt von Einsamkeit, dem Zurechtfinden in dieser anderen Welt,
inneren
und äußeren Anpassungsdruck und dem erdrückt werden von
eigenen und
vermeintlichen elterlichen Ansprüchen, aus ihrem Leben etwas zu
machen.
Ein-drücklich und intensiv zeigt sie diese Widersprüche, ohne
etwas zu
beschönigen. Es schnürt einem des öfteren die Kehle zu,
wenn man bedenkt, dass
dies kein Einzelschicksal ist, sondern für viele ImmigrantInnen
gilt. Man
begleitet sie auf ihrer Suche nach bspw. revolutionären
Anarchisten, um dann zu
entdecken, dass es Hasch mich spielende Hippies in ihrem
vulgär-Anarchismus
sind. Fast zwangsläufig landet sie beim Haschischverkauf, denn so
erhält sie
die immer gewünschte Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler. Doch
der Abstieg ist
vorprogrammiert. Mehrere Monate lebt sie auf der Straße und
kratzt fast ab. Sie
entscheidet sich zu einem schweren Schritt. Sie geht in den Iran
zurück. Der
Krieg ist vorbei und das Leben geht weiter. Aus ihrer Sicht
erfährt man viel
über das Leben im Iran, über die kleinen täglichen
Widerstände gegen den Klerus
und seinen Schergen. Das ist nicht ungefährlich. Unmerklich wird
auch sie davon
gefangen und erfährt beim Gespräch über Sex, dass ihre
modischen Freundinnen
(unterm Schador) im Kopfe die reaktionären Ansichten der Mullahs
längst
verinnerlicht haben. Und auch sie ist nicht frei davon. Ein Tiefpunkt
ist die
Denunziation eines jungen Mannes, um selber nicht Probleme mit den
Religionsschergen zu bekommen. Erst daraufhin besinnt sie sich wieder,
um dann
mit 21 Jahren doch zu heiraten. Manche Fehler muss man selber machen,
wie ihr
Vater sagt. Mit dem Bruch der Ehe und dem Verlassen des Landes endet
dieses
famose Comicbuch, das jedem zu empfehlen ist. Man erfährt mehr
über den Iran
und das dortige Leben als es ein Zeitungsbericht schaffen kann, und man
erfährt
über das Leben von ImmigrantInnen hier. Persepolis ist
eindringlich und
bewegend. Marjani Satrapi nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt nicht
nur die
positiven Seiten von sich. Ein wirklich großartiges Comic und
sicherlich mit
das Beste, was in den letzten Jahren auf deutsch erschienen
ist.
Meikel F
Persepolis
2 -Jugendjahre von Marjane Satrapi; Edition Moderne, 192 S., HC
für 26 Euro