Escape!
Zahl der
StudienabbrecherInnen steigt!
Ein Viertel der deutschen
Studierenden brechen ihr Studium
vorzeitig ab und kehren nie mehr an die Hochschule zurück. Das
zeigt eine
aktuelle Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Die Zahlen
haben
selbst die Forscher vom HIS überrascht: Fast jeder zweite Sprach-
und
Kulturwissenschaftler bricht das Studium vorzeitig ab. Bei den
IngenieurswissenschaftlerInnen
ist die Situation ähnlich dramatisch: Von einem Jahrgang werfen
rund 30% vor
dem Abschluss die Seminarraumtür endgültig hinter sich zu,
Tendenz steigend,
pro Jahr um ca. 8%.
Kein
Geld …
Die Studie
beweist, dass der Abbruch meist finanzielle
Gründe hat. Gerade Studierende der Ingenieurswissenschaften
kommen vermehrt
aus einkommensschwachen Familien und müssen sich das Studium mit
Nebenjobs
finanzieren. Das anspruchsvolle Studium bleibt darum jährlich
für ein Drittel
auf der Strecke, durch die Langzeitstudiengebühren hat sich das
Problem
drastisch verschärft. Die enorme Abbrecherquote von 45% im
geisteswissenschaftlichen Bereich erklärt das HIS außerdem
mit mangelnder
Orientierungshilfe und realitätsfernen Inhalten. Vielen
StudienanfängerInnen
fehle eine Vorbereitung auf das „richtige“ Studium in der Schule, und
auch die
Studienberatungen scheinen nicht in der Lage zu sein, die Wahl eines
passenden
Faches zu unterstützen. Zudem seien viele Studierende von den
schlechten
Lernbedingungen und Lehrangeboten frustriert. Besonders betroffen sind
alleinerziehende Frauen mit Kindern. Sie haben die höchste
Abbruchquote, obwohl
sie laut Studie als besonders leistungsbereit und motiviert gelten.
Insgesamt
scheinen die deutschen Studis nicht so schnell aufgeben zu wollen: Der
Schnitt
liegt bei sieben bis acht Semestern.
Kein
Abschluss!
Die Studie des
HIS belegt erneut die soziale Ungerechtigkeit
des Bildungssystems. Wer keine Unterstützung vom Elternhaus
bekommt, hat von
Beginn an schlechte Karten. Frauen bzw. Mütter sind nach wie vor
benachteiligt.
Die Langzeitgebühren verschärfen die Situation der
Betroffenen, da noch mehr
Zeit fürs Jobben draufgeht. Der unfreiwillige Abbruch des Studiums
wird von
Vielen als persönliches Scheitern empfunden, das zudem die
Karriere ruiniert.
Immerhin gelingt es den meisten, von der Uni in ein anderes
Ausbildungsverhältnis oder direkt in einen Beruf zu wechseln –
allerdings zu
weitaus schlechteren Konditionen als diejenigen, die das Glück
eines dicken
Geldbeutels hatten. Daher rührt die Ironie des Schicksals: Die
Erwerbslosenquote bei Akademikern wie Abbrechern ist gleich hoch.
www.terz.org - 23.02.2005