Antifaschistische Aktivitäten und Neues aus der Naziszene
Kurzberichte zusammengestellt von Pierre Briegert
Herr Lemmer spricht auf der Homepage des ANTIFA-KOK
Jetzt ist alles zu spät, werden viele bei einer solchen Überschrift
denken. Noch nicht ganz, denn der Düsseldorfer Rechtsrockmanager
und Nazi-Yuppie Torsten Lemmer ist zwar tatsächlich auf der Homepage
des ANTIFA-KOK im Internet (www.free.de/antifa/kok) zu hören, was
aber weder ihn, noch seine "Kameraden" sonderlich erfreuen dürfte.
Der ANTIFA-KOK veröffentlichte nun erstmalig Tondokumenten, aus denen
hervorgeht, daß Lemmer seine eigenen "Kameraden" mit Namen
und Privatadressen bei der Antifa outete, um seinen Kopf aus der Schlinge
zu ziehen (vgl. TERZ 3/2000). Nicht nett, Herr Lemmer!
von Pierre Briegert
Umland: "Siepensturm" gerazzt
Nun hatte wohl auch der Düsseldorfer Staatsschutz die Nase voll.
Nachdem Mitglieder der neonazistischen Gruppe "Siepensturm"
aus Velbert in den letzten Monaten immer wieder durch Angriffe auf ihnen
nicht genehme Menschen in Erscheinung getreten waren (siehe TERZ 3/2000)
und sich zunehmend öffentlicher Protest regte, durchsuchten am 17.3.
Beamte der Düsseldorfer Polizei 16 Wohnungen in Velbert-Neviges,
Mettmann und Wülfrath und nahmen 13 Personen im Alter von 17 bis
24 Jahre in Polizeigewahrsam. Gefunden wurde Propagandamaterial und einige
verbotene Waffen. Nach den üblichen Verhören und einer erkennungsdienstlichen
Behandlung wurden die Neonazis im Laufe des Tages wieder entlassen. Ermittelt
wurde von der Polizei wegen des Verdachts der Bildung einer "kriminellen
Vereinigung". Mit ihrer Razzia kam der Düsseldorfer Staatsschutz
einer für den 18.3. angekündigten Kundgebung der "Velberter
Bürgerinitiative gegen Rechtsradikalismus" zuvor, an der sich
aber trotzdem noch 250 Personen beteiligten.
NPD-Aufmärsche am 1. und 6. Mai
Wie in der März-Ausgabe der TERZ berichtet, plant die NPD im Mai
mehrere Aufmärsche. Ein bundesweiter Aufmarsch soll am 1. Mai stattfinden.
Hierfür hat die NPD in mehreren Städten Demonstrationen angemeldet.
Die ernstzu-nehm-ensten Bestrebungen gibt es im hessischen Wetzlar, in
Hannover und in Berlin-Hellersdorf. In Wetzlar mobilisiert der zuständige
NPD-Kreisverband Lahn-Dill seit Januar auf eine Demonstration unter dem
Motto "Arbeit für Millionen, statt Profite für Millionäre!
Stoppt die Globalisierung!", auf der der NPD-Bundesvorsitzende Udo
Voigt und der Berliner Rechtsanwalt Horst Mahler sprechen und der NPD-Barde
Frank Rennicke "deutsches Liedgut" präsentieren sollen.
In Hannover wurde unter dem Motto "Deutsche Volkswirtschaft statt
Globalisierungswahn" eine Demonstration gegen die Weltausstellung
Expo angemeldet. Bei der angemeldeten bundesweiten Demo in Berlin-Hellersdorf
vertraut die NPD jedoch nicht auf die Allgemeinbildung und Decodierungskünste
ihrer Basis: Hier lautet das Motto: "Arbeit zuerst für Deutsche"
- damit auch die letzte Naziglatze, die von Globalisierung noch nie etwas
gehört hat, versteht, worum es geht.
Am 6. Mai, also ca. eine Woche vor den anstehenden Landtagswahlen am 14.
Mai, plant die NPD NRW eine landesweite Demonstration. Als Ort wurde zunächst
Düsseldorf angekündigt, seit dem 7.3.2000 wird aber Essen als
Demonstrationsstätte genannt. Während die NPD-Postille "Wir
in NRW" in ihrer März-Ausgabe noch meldet: "Am 6. Mai 2000
Punkt 12.00 Uhr demonstriert die NPD in Düsseldorf: Gegen Sozialabbau
und Massenarbeitslosigkeit!", ist auf der Homepage der Essener NPD
ohne nähere Angaben von einer "Demo in Essen" am 6. Mai
die Rede und auf der Homepage der Recklinghäuser NPD von einer "Demonstration
in Essen. Motto: Gegen Arbeitsplatzabbau bei Kohle und Stahl!" Andere
Quellen meinen zu wissen, daß die NPD die inhaltliche Orientierung
der Demo verändern und jetzt auf die in Essen besonders intensiv
geführte Debatte um die Entschädigung von ZwangsarbeiterInnen
ausrichten möchte.
All dieses hört sich erst einmal recht konfus und unvorbereitet an,
sollte aber auf keinen Fall zu dem Schluß führen, daß
die NPD NRW mit der Organisation der Demo überfordert ist. Noch hat
für sie der bundesweite Aufmarsch am 1. Mai erste Priorität.
Für eine landesweite Demonstration mit 300-500 TeilnehmerInnen reicht
auch in NRW eine relativ kurze Vorbreitungs- und Mobilisierungszeit. Für
den Fall, daß die Naziaufmärsche am 1. Mai verboten werden,
ist sogar mit einer vierstelligen TeilnehmerInnenzahl in Essen zu rechnen.
Essener Gruppen wollen in einem breiten Bündnis der NPD am 6. Mai
entgegentreten und rufen landesweit zu einer Gegendemonstration und zur
Verhinderung des Naziaufmarsches auf. Nähere Infos hierzu sind in
Kürze auf der Homepage der Essener "Unabhängigen Antifa
Aktiv" www.free.de/uaa und auf der des ANTIFA-KOK Düsseldorf
www.free.de/antifa/kok zu
finden. In Düsseldorf gibt es zudem am 17. April um 19.00 Uhr im
Antifa-Cafè (Martinstr. 58) die Möglichkeit, sich über
die geplanten Aufmärsche am 1. und 6. Mai und über anstehende
Gegenaktionen zu informieren. Außerdem kann hier auch einem kurzen
Vortrag zum Thema "Der 1. Mai - seit über 100 Jahren ArbeiterInnenkampftag"
gelauscht werden.
Damit es auch im Vorfeld der anstehenden NPD-Aufmärsche nicht beim
Lauschen und Diskutieren bleibt, führen antifaschistische Gruppen
aus NRW am Samstag, 15. April 2000 in Oberhausen-Osterfeld (12.00 Bahnhof
Osterfeld) eine Demonstration unter dem Motto: no Nazis! - Kampf der NPD/JN
- Stand up & fight! durch. In Oberhausen, nicht weit vom Auftaktkundgebungsplatz
entfernt, wohnt auch der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen
NPD, Udo Holtmann. Oberhausen stellt zudem einen wichtigen Knotenpunkt
in der Struktur der NPD NRW dar. Hier verfügt die NPD über eine
Druckerei und über weitere Räumlichkeiten. In Oberhausen leben
und arbeiten eine Reihe von wichtigen NPD-Funktionsträgern. Nähere
Infos zu der Demo und zum Treffpunkt für eine gemeinsame Anreise
von Düsseldorf aus, sind unter Tel. 0172 / 211 13 11 und im Internet
unter www.free.de/antifa/kok
zu erfahren.
zurück zum Inhalt
|