Die kleine Feministin
von Heilbronn
Bei näherem Hinsehen lassen sich in Heinrich von Kleists Parodie
auf Ritterromane "Das Käthchen von Heilbronn" frauenrechtlerische
Ansätze erkennen. Ab dem 1. April wird das 1810 entstandene Stück
im Düsseldorfer Schauspielhaus gezeigt.
Wie unsere Leserinnen und Leser gemerkt haben werden, war in der letzten
TERZ keine Stellungnahme zum internationalen Frauentag, was nur zum Teil
am mageren Veranstaltungsangebot lag. Zumindest in diesem kurzen Artikel
soll daher der Fokus auf die Rolle der Frau gerichtet werden.
Das Käthchen von Heilbronn, wie die Protagonistin des Stücks
von Heinrich von Kleist heißt, ist auf den ersten Blick alles andere
als emanzipiert: In blinder, hundeähnlicher Ergebenheit läuft
sie ihrem Geliebten, dem Grafen von Strahl, hinterher. Der liebt sie zwar,
kann und will sie aber nicht heiraten, weil sie nur eine Bürgerliche
ist. Was aber sein Erstaunen hervorruft, ist diese seltsame Anhänglichkeit
Käthchens, die sie mit schlafwandlerischer Sicherheit "durch
Feuer und Wasser" durchzieht.
Emanzipierte Züge trägt das Käthchen von Heilbronn, weil
Sie sich nicht von den Argumenten der Männerwelt überzeugen
läßt. Selbstbewußt glaubt sie an ihre Überzeugung
und trotzt damit allen Männern. Durch ihre traumhafte Sicherheit
überzeugt Käthchen erst Ihren Geliebten, dann den Kaiser von
der Richtigkeit ihrer anhänglichen Liebe.
Der Intuition, die traditionell eher den Frauen zugesprochen wird, gibt
Kleist in seinem Schauspiel recht. Als Graf Wetter von Strahl (an diesem
lustigen Namen wird deutlich, daß es sich um eine Parodie handelt)
Käthchen im Traum nach dem Grund ihrer unauslöschlichen Zuneigung
fragt, kommt heraus, dass Käthchen eigentlich des Kaisers Tochter
ist, die ihm - natürlich - längst versprochen wurde. Im Gegensatz
zur Penthesilea, der anderen großen Frauenfigur in Kleists Werk,
ist Käthchen laut Kleist "ein Wesen, das ebenso mächtig
ist durch Hingebung, als jene durch Handeln". Penthesilea, als Amazonenkönigin
die klassische kämpferische Frauenfigur, ist der Gegenpol zum stillen
Käthchen, das andere, aber deshalb nicht weniger effektive Methoden
zur Verwirklichung ihrer Ziele einsetzt: Beharrlichkeit und Intuition.
Die Premiere des Stückes "Das Käthchen von Heilbronn"
ist am 1. April um 19.30 Uhr im Schauspielhaus. Ob und wie der feministische
Gehalt der Figur des Käthchens dort herausgestellt wird, mögen
die LeserInnen selbst beurteilen.
JG
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