SPD-Heimspiel in Neuss
3 : 0 für Schily und Behrens
Zum 13. März hatte die Neusser SPD zu einem "Bürgerforum
zur Inneren Sicherheit" in die Bürgergesellschaft geladen. Specialguests
waren der Bundesinnenminister Otto Schily und der Innenminister des Landes
NRW Dr. Fritz Behrens. Was die beiden Sicherheitsexperten zu berichten
hatten, ist mit wenigen Worten wiederzugeben.
Der Vortrag
Schily begann die Aufzählung seiner Aufgaben mit einem Knaller:
1. Sicherheit müsse sein. Er fasste diese Weisheit knapp zusammen:
"Die Sicherheitsgarantien müssen so ausschauen, wie sie ausschauen
müssen."
2. Gegen Verbrecher muss knallhart vorgegangen werden. Natürlich
wäre es schöner, wenn es gar kein Verbrechen gäbe. Darum
ist Prävention eine feine Sache. Dazu fiel Herrn Schily auch ´ne
Menge ein. Er nannte das: technische, soziale und kulturelle Prävention.
3. Weil aber Schily auch weiß, dass er das Verbrechen nicht verhindert,
verfügte er trotz aller Sparzwänge die Erhöhung der Mittel
für das Bundeskriminalamt, den Bundesgrenzschutz, den Verfassungsschutz
und das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnologie.
Außerdem verwöhnte Herr Schily das staunende Publikum mit bahnbrechenden
Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Da hat doch tatsächlich der Professor
Pfeiffer aus Hannover, ein großer Kriminalist, in Felduntersuchungen
festgestellt, dass Gewalttäter oft in ihrer Kindheit selbst Opfer
von Gewalttaten waren.
Natürlich mußte Schily noch auf die Erfolge seiner Politik
verweisen: Kriminalität geht zurück, Aufklärung voran.
Lustiger wurde es, als Fritz Behrens ans Sprecherpult trat. Nachdem er
versichert hatte, dass er den Otto unheimlich toll findet, konnte er sich
einen Seitenhieb auf Ottos Vorgänger, dem Dreck-am Stecken-Kanther,
nicht verkneifen. Dieser brüllkomische Witz regte das staatsbürgerlich
wohlerzogene und -informierte Publikum zu einer Lachsalve an.
Ansonsten wiederholte Behrens, was vorher schon der Schily erzählt
hatte.
Die Diskussion
Außer den üblichen Figuren, die derartige Foren zum Anlass
nehmen, auf die Wichtigkeit ihrer Person in der Politik hinzuweisen, gab
es auch zwei kritische Anmerkungen.
Da störte sich ein junger Mann an Äußerungen des Bundesinnenministers,
der gesagt habe, dass nur wenige der hier gemeldeten Asylbewerber auch
asylwürdig seien. Solche Redensarten seien seiner Ansicht nach Wasser
auf die Mühlen der Rechtsradikalen.
Im Übrigen fand der junge Mann es gar nicht gut, dass der Verfassungsschutz
so viel Geld bekommt. Er hatte erwartet, dass mit Übernahme der Staatsgewalt
durch die Sozialdemokraten der staatliche Über-wachungsapparat abgebaut
und die Bespitzelung demokratischer Personen und Politiker ein Ende findet.
Jetzt fuhr ihm der Bundesinnenminister mächtig in die Parade und
belehrte den aufmüpfigen Linksradikalen, dass so die Aufklärungsmöglichkeiten
des Staates gegenüber der rechtsradikalen Szene eingeschränkt
würden.
1:0 für Schily!
Trotzdem wollte der Diskutant nicht klein beigeben und meinte, dass der
Staat auf dem rechten Auge doch wohl ziemlich blind sei.
Der kritische Jungbürger bemerkte es nicht, aber dem Staat sprach
er indirekt ein dickes Kompliment aus. Dieser ist nach seiner Ansicht
zuständig für die politische Hygiene im Land, für die Betreuung
von verfolgten Personen und die Wohlfahrt des Bürgers. Nur sind es
immer wieder die unfähigen zuständigen Politiker, die die weiten
Möglichkeiten des Wohl-tätigkeits-instituts Staat nicht wahrnehmen
wollen oder können. Ob der Jungkommunist da richtig liegt?
Interessanter war eine Bemerkung einer Dame, die mit einem Kongolesen
verheiratet ist. Die beschwerte sich darüber, dass deutsche Gerichte
noch immer Menschen aus der Heimat ihres Mannes in ein Land abschieben,
wo die Menschenrechte mit Füßen getreten, wo zurückkehrende
Asylbewerber schon am Flughafen festgenommen, gefoltert und sogar getötet
werden.
Leider musste der Bundesinnenminister der Dame mitteilen, dass er damit
nichts zu tun habe. Über die Anerkennung von Asylbewerbern entscheiden
unabhängige Gerichte, und er habe keinerlei Weisungsbefugnisse. Die
Entscheider müssen sich im Hinblick auf die Situation im Kongo auf
die Erkenntnisse des auswärtigen Amtes verlassen. Schließlich
könnten sie nicht selbst vor Ort recherchieren.
2:0 für Schily!
Der Eklat
Die friedliche und harmonische Veranstaltung war schon fast beendet, Schily
musste sein Flugzeug nach Berlin noch erwischen, da wurde der Saal von
einem Haufen sich wild gebärdender Personen bevölkert, die sich
zunächst einer polizeilichen Taschen- und Personenkontrolle unterziehen
mussten.
Eine junge Frau schrie: "Hier ist einer im Raum, der ganz schön
viel Macht hat, der die Macht hat zu entscheiden, ob morgen eine kurdische
Familie in die Türkei deportiert wird." - und meinte damit Innenminister
Behrens.
Der stellvertretende SPD-Bürgermeister, Dr. Dr. Kissenkoetter, war
fassungslos und schrie zurück: "Gehen sie gefälligst, gehen
sie heraus, sofort!" - und berief sich dabei auf sein Hausrecht.
Aber die Dame und ihre Begleiter ließen sich nicht abwimmeln. Schließlich
erzwangen sie noch ein persönliches Gespräch mit dem zuständigen
Innenminister Dr. Fritz Behrens.
Das Resultat
Am nächsten Morgen trafen sich ca. 50 Demonstranten am Flughafen
Düsseldorf. Gegen Mittag wurde die kurdische Familie in ein Flugzeug
Richtung Istanbul verfrachtet. Lediglich die Mutter der Familie, der in
der Türkei Gefängnis und Folter droht, bekam per Eilantrag noch
einen Abschiebeaufschub von einer Woche.
3:0 für den Souverän!
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