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Bei
uns hat die Regierung alles im Griff! |
Landwirtschaft
in der Krise |
| Wie bekannt, vertraut man heute
nicht mehr so ganz dem göttlichen Schöpfungsplan und hilft der
Natur mit ein paar Zutaten irdischer Herkunft auf die Sprünge. Vom
Cäsium bis zum Valium, vom Frostschutzmittel bis zur Hühnerscheiße
- an keiner Zutat wird gespart, die man im Essen normalerweise gar nicht
erwartet. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Da liest man im
Stern von Masthähnchen, die in 35 Tagen ihr Gewicht versiebenunddreißigfachen
oder von Turbo-Schweinen, denen die achte Rippe wächst. Und das hat einen durchaus respektablen Grund: Der Einsatz von Kapital in der Landwirtschaft soll sich lohnen. Schließlich investiert der Agrarindustrielle sein Geld in Kühe, Schafe, Getreide und Wein nicht, um die Menschheit mit auserlesenen Produkten satt zumachen, vielmehr sein Kapitalvorschuss soll sich satt rentieren. Damit die Landwirtschaft zu einer gewinnträchtigen Anlagesphäre werden konnte, haben die europäischen Staaten so einiges investiert. Mit Ausgleichszahlungen, Ausfuhrstützen usw., also einem gigantischen Subventionssystem, wurden die alten bäuerlichen Strukturen zerschlagen und eine moderne Agrarindustrie geschaffen, die weltmarkttaugliche Produkte herstellt. In Sachen Produktion, Verarbeitung und Verkauf unterscheidet sich der Umgang mit landwirtschaftlichen Produkten im Prinzip nicht wesentlich von der Herstellung anderer Güter. Da wird in Deutschland gezüchtet, in Holland geschlachtet und in Frankreich verkauft - oder umgekehrt. Der nationale Nährstand hat sich gemausert: Die Bauern sind zu international agierenden Nahrungsmittelunternehmern geworden. Der Gefahren für die Volksgesundheit und damit auch für den Fortbestand des Geschäfts, die mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verbunden sind, sind sich die staatlichen Aufpasser durchaus bewusst. Eine Armee von Veterinären kontrolliert ständig den Transport der Viecher, zerlegt die Schlachterzeugnisse in ihre Einzelteile und findet des öfteren verbotene Stoffe, die findige Bauern ihren Tieren zur Produktionssteigerung verabreicht haben. |
Er schenkt uns Vieh
und Freude, Alle gute Gabe MATTHIAS CLAUDIUS |
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Bis vor wenigen Monaten war die Welt für die Festlandbauern noch
in Ordnung. Was der Bürger auf dem Kontinent zu essen bekam war,
so versicherten die amtlichen Betreuer der Nahrungsmittelbranche, zwar
nicht immer besonders lecker, dafür aber billig und nicht gesundheitsschädlich. |
Krise
auf dem Kontinent |
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Ende Februar erreichte die Krise unsere Region. In Neuss wurden vorsorglich
fast 1900 Schafe getötet, weil ein Teil von ihnen wenige Wochen zuvor
aus MKS-verseuchten Beständen Englands in ihre neue Heimat am Rhein
verfrachtet worden war. Die Neuss-Grevenbroicher Lokal-Zeitung nahm diesen
Umstand zum Anlass, den Leiter des Veterinäramtes des Kreises Neuss,
Dr. Gerhard Fischer, zu einem Gespräch zu bitten (NGZ vom 10.3.2001).
Die Auskünfte des Veterinärs lassen Zweifel aufkommen, ob nun
der Markt von unverträglichen Lebensmitteln befreit wird. Vielmehr
erklärt der Mann aus der Praxis, was tatsächlich mit "Umbau
der Landwirtschaft" gemeint ist. |
Fast
1900 Schafe in Neuss getötet |
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1. Der Weltmarkt war und bleibt Maßstab fürs Produzieren.
Das entscheidende Kriterium heißt: Wir müssen preisgünstiger
als die Konkurrenz sein. Darum verrät Dr. Fischer: Die Impfungen
gegen die Maul- und Klauenseuche wurden "wegen der Kosten in Höhe
von 150 Millionen Mark pro Jahr" eingestellt. Außerdem wären
wir "nicht mehr weltmarktfähig gewesen, wenn wir die Impfpolitik
nicht unterbrochen hätten. Es ist ja zu einem Impfverbot innerhalb
der Europäischen Union gekommen, um unsere Tiere in den Nahen Osten,
nach Amerika oder nach Kanada und Japan exportieren zu können."
Diese Länder hätten den Import der Tiere verweigert, weil die
Geimpften mögliche unerkannte Virenträger sein konnten. |
Dr.
Fischer klärt auf. |
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Besuch bekamen die Neusser während der Massenschlachtung der Schafe
von der Düsseldorfer Bezirksregierung. Zwei Veterinärinnen erklärten
dem Neusser Landvolk und angereisten Journalisten die Notwendigkeit der
Schlachtung. Da die Inkubationszeit "bei Schaf und Ziege drei bis
acht Tage" betrage, musste das Viehzeug, das wenige Tage zuvor aus
Großbritannien importiert wurde, getötet werden. Wie sehr die
Regierung in Düsseldorf um unsere Sicherheit besorgt ist, bekundet
der Beschluss von Frau Dr. Birgit Jahn, eine der Veterinärinnen:
"Wir haben aus Sicherheitsgründen die Inkubationszeit auf acht
Wochen ausgedehnt." (NGZ vom 28.2.) Was die in Düsseldorf so
alles können! HENRICI |
Die
Regierung hat alles im Griff |