Zum 60. Jahrestag der Ermordung der Geschwister Scholl hatte sich die Uni-Leitung
einen besonders prominenten Redner eingeladen: Bundespräsident Johannes
Rau hielt am 30.1. die Gedenkrede und sorgte dementsprechend für Publikum.
Auch zehn Verbindungsstudenten in vollem Wichs, sprich voller Uniformierung,
wollten sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Der AStA-Vorstand machte sowohl den anwesenden Kanzler der Universität,
Herrn Rust, als auch den persönlichen Referenten des Rektors und ein Mitglied
des Rektoratskollegiums darauf aufmerksam, dass die Anwesenheit uniformierter
Verbinder generell und im besonderen bei einer derartigen Veranstaltung nicht
zu tolerieren sei. "Interessant ist hier auch die Tatsache, dass mit dem
in Deutschland geltenden Uniformierungsverbot eine schöne Handhabe da gewesen
wäre zu agieren, ohne die politische Gegnerschaft des AStA gegen Burschenschaften
teilen zu müssen", erläuterte dazu die AStA-Vorsitzende Cornelia
Fiedler. Mit halbherzigen Begründungen, wie beispielsweise der von Herrn
Rust, "Ich habe jetzt keine Zeit, ich muss den Prorektoren ihre (Anmerkung:
mit Namensschildern versehenen) Plätze zeigen", wurde dieser Aufforderung
jedoch nicht stattgegeben.
Dem AStA der Münchner Uni bleibt das Verhalten der Unileitung weiter unverständlich,
wie Cornelia Fiedler kommentierte: "Die Weiße Rose steht für
den Kampf gegen Faschismus, den Krieg Nazi-Deutschlands, sowie den Kampf gegen
Rassismus und Antisemitismus. Studentische Verbindungen stehen für eine
revisionistische, sexistische und rassistische Politik. Bei einer Gedächtnisvorlesung,
die den Mitgliedern der Weißen Rose gewidmet ist, die Anwesenheit uniformierter
Burschenschafter zu dulden, lässt an der Ernsthaftigkeit des Gedenkens
und an der Bereitschaft, dieses Gedenken auch in die Tat umzusetzen, mehr als
Zweifel aufkommen."
Protest schlägt Wellen
Auch der studentische Dachverband fzs vermißte ein Eingreifen der Universitätsleitung
bei diesem Auftritt von Verbindern. In einem Brief an den Rektor der Universität
München äußerte sich der freie zusammenschluss von studentInnenschaften
(fzs) bestürzt über den Vorfall. In dem Brief verwies die bundesweite
studentische Interessenvertretung auf die Rolle studentischer Verbindungen als
Wegbereiter des Nationalsozialismus: "Gemeinsam mit dem NS-Studentenbund
verbrannten vor 70 Jahren Verbindungsstudenten, gekleidet in eben jene Uniformen,
die auch auf der besagten Gedenkveranstaltung zu sehen waren, Bücher von
"nichtarischen", oder den Nazis politisch unliebsamen AutorInnen",
heisst es in dem Schreiben. Vor diesen Hintergrund habe der fzs ein Eingreifen
des Rektors erwartet.
Darüber hinaus wandte sich auch das LandesAStenTreffen (LAT) NRW als Zusammenschluss
der Nordrhein-Westfälischen StudentInnenvertretungen schriftlich an den
Rektor der Münchner Universität: "Wir haben kein Verständnis
dafür, dass von Seiten der Universitätsleitung keine Schritte unternommen
wurden, dies zu unterbinden, obwohl Studierendenvertreter den Kanzler auf die
Anwesenheit uniformierter Verbindungsstudenten hingewiesen hatten", heißt
es in dem Schreiben der LAT-Koordinatorin Christine Brinkmann. Auch das LAT-NRW
erinnerte dabei an die ablehnende Haltung studentischer Verbindungen gegenüber
der Weimarer Republik und ihre Rolle als Verbündete der Nazis.
Nach wie vor verweigert das Rektorat eine Stellungnahme.
www.terz.org - 25.3.2003