Eine Erinnerung stirbt
Viel vor hat der Investor
Bahnimmobilien “Aurelis” mit dem riesigen Gelände des Derendorfer Bahnhofs (der
eigentlich in Pempelfort liegt).
Seit vor einigen Jahren die Bundesbahn das Gelände verlassen hat, haben
Investoren und das Planungsamt der Stadt Blut geleckt.
Immer neue Ideen wurden
präsentiert; die umliegende Bevölkerung durfte in einem Werkstattverfahren auch
Vorschläge machen, die aber natürlich nicht umgesetzt werden. Schließlich, wo
kommen wir da hin, aber zumindest hat man den pseudodemokratischen
Vorspiegelungen Genüge getan. Passiert ist auf dem Gelände seit dem Verkauf von
der Bundesbahn an die Investorengruppe “Aurelis” noch nicht viel. Außer einem
Flohmarkt mit Bar und einigen kleinen Läden und kulturellen Aktivitäten ist
nicht viel zu sehen. Da der Betreiber des Flohmarktes im juristischen Clinch
mit der “Aurelis” liegt, kann sich das Ganze eventuell noch einige Zeit
hinziehen. Nun, da der Abriss der Bahnhofshallen des ehemaligen Güterbahnhofs
nur noch eine Frage der Zeit ist, erinnert man sich, dort mitten in der Stadt
eine historische Stätte zu haben. Der Derendorfer Güterbahnhof war der zentrale
Ort der Deportation von jüdischen Menschen aus Düsseldorf und dem gesamten
Niederrhein. In der Mahn- und Gedenkstätte kann man penibel geführte und
ausgefüllte Strichlisten einsehen.
Mindestens sieben
Massentransporte mit jeweils etwa 1.000 Menschen gingen zwischen 1941 und 1944
von diesem Bahnhof ab in die Vernichtungsstätten und Arbeitslager im Osten.
Kaum einer hat die Deportationen überlebt. Ältere Anwohner können sich noch
sehr gut an die langen Kolonnen von Menschen erinnern, die frühmorgens die
Schinkelstraße entlangzogen. Sie kamen vom Schlachthof in Derendorf, wo sie
konzentriert gesammelt wurden. Der Derendorfer Bahnhof ist eigentlich der
zentrale Ort der Erinnerung an den Holocaust. Von hier aus gingen die Todeszüge
los, doch bis heute erinnert nichts an diesen Ort. Nun, kurz vor dem Abriss und
kompletter Umgestaltung des Geländes kommt plötzlich zu Bewusstsein, dass da
doch mal was war und dass man doch eigentlich an die Geschehnisse erinnern
müsse. Die Stadt Düsseldorf, mit maßgeblichem Einfluss auf die Gestaltung des
Geländes, zog es noch nicht einmal in Erwägung, zumindest die Abfahrtshalle mit
den Rampen aus der Planung herauszunehmen, um diesen Ort des Holocausts zu
sichern. Nun wird Tabula rasa gemacht; die Schienen sind schon abgebaut und das
erste Gebäude ist abgerissen. Nunmehr ist auch deutlich ein schon vorhandenes
ganz anderes Denkmal zu sehen. An der Südseite des noch stehenden
Bahnhofgebäudes steht auf einem gemauerten Sockel ein senkrecht stehendes, etwa
zwei Meter hohes, metallenes Schwert. Im Auftrag der “Deutsche Arbeitsfront”
(DAF) wurde diese Art von Denkmälern überall im damaligen Nazireich in großen
Betrieben aufgestellt. Damit wurde an die deutschen Soldaten des 1. Weltkrieges
erinnert, die als Vorbilder in der Nazizeit dienten. Die Denkmäler wurden in
den Betrieben an exponierter Stelle aufgestellt um dort Versammlungen
abzuhalten. In das Bewusstsein der Menschen sollten die kämpfenden Soldaten
verankert werden um die geistige Gemeinsamkeit zwischen Arbeitern und Soldaten
für ein gemeinsam kämpfendes Deutschland herzustellen.
www.terz.org - 26.3.2004