Die Hölle von Gladenbach
von Sebastian Schneider
Dies war wohl auch der Anreiz
für das “Aktionsbündnis Mittelhessen” (mit der sprechenden Abkürzung “ABM”), in
der Region Marburg Aufmärsche zu organisieren. Für den 17. Januar mobilisierte
das “ABM” zu einer Demonstration ins mittelhessische Gladenbach bei Marburg,
bei der die Nazis den zum Teil zu Haftstrafen verurteilten Mitgliedern der Nazi-Combo “Landser” ihre Solidarität
bekunden wollten. Der Aufmarsch des “ABM” wurde von der Polizei abgebrochen.
Obwohl deutlich weniger AntifaschistInnen als Nazis anwesend waren,
rechtfertigte die Polizei die Auflösung der Versammlung mit dem
“Polizeinotstand”. Dies veranlasste das “ABM” zur Anmeldung zweier
weiterer Demonstrationen in Gladenbach
und Marburg, die sich gegen die “Repression” richten sollte.
Das “ABM” kokettiert seit
einiger Zeit mit Querfront-Bemühungen. Dabei handelt es sich um den Versuch
eines Schulterschlusses mit Linken gegen das “System”. Vielfach werden diese
Bemühungen in der Linken als reiner Diebstahl von Codes bzw. Übernahme
erfolgreicher Methoden der Linken analysiert. Dass diese Analyse zu kurz greift,
zeigt sich schon allein daran, dass es mitunter geglückte Versuche einer
Querfront gab. Vielversprechender als eine derartige Analyse dürfte die
Reflektion darüber sein, was die Linke
für die Nazis so interessant macht und die Bereitschaft gegebenenfalls mit lieb
gewonnenen Dogmen zu brechen. Leider ist davon wenig festzustellen.
Eine andere Methode der
Absage an die Querfront scheinen dagegen hessische AntifaschistInnen gewählt
zu haben. Nachdem das “ABM”, das zum Beispiel für einen neonazistischen Black
Block eintritt, in einem offenen Brief an die Antifa und aberwitziger
Orthographie und Grammatik versucht hatte, an die angeblichen Gemeinsamkeiten
zu appellieren (und dabei v.a. gegen Antideutsche Stellung bezog), entwickelte
sich eine starke regionale Mobilisierung gegen die Aufmärsche.
Das dörfliche Gladenbach
wurde am Morgen des 21.02. Schauplatz “regelrechter Jagdszenen” (Frankfurter
Rundschau) auf Nazis. In Internetforen berichteten Nazis von der “Hölle in
Gladenbach” und von den Schmerzensschreien ihrer “Kameran”. Mehrere
“Kameraden” wurden zum Teil schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht. Der
zweite Aufmarsch in Marburg wurde durch eine Blockade verhindert, nachdem das
Vorauskommando der Nazis sich vor den Antifas in eine Gaststätte hatte flüchten
müssen.
Gegen die angebliche Kumpanei
von Polizei und den “Systemschergen” von der Antifa mobilisiert das “ABM”,
unterstützt vom notorischen Christian Worch, für Samstag, den 17.04. erneut zu
einem Aufmarsch in Gladenbach. Auch dagegen wird es wieder antifaschistische
Aktivitäten geben. Infos z.B. unter:
www.terz.org - 25.2.2004