Die Qual
mit der Wahl
Bis zum 4.
April, Punkt 18 Uhr, können in NRW die Wahlvorschläge
für die Landtagswahlen am
22. Mai eingereicht werden. Danach geht nichts mehr. Aus dem extrem
rechten
Lager tritt in Konkurrenz zu den REPs die NPD an. Zumindest bemüht
sie sich zur
Zeit darum, die notwendigen Unterstützungsunterschriften zu
sammeln. Auch in
Düsseldorf wird fleißig gesammelt. Hierbei kann die NPD auf
die Unterstützung
der neonazistischen “Freien Kameradschaften”
zurückgreifen.
Das
Verhältnis zwischen NPD und “Freien” wird in den
letzten Monaten immer wieder
als ein besonders herzliches beschrieben. Man habe sich auf ein
gemeinsames
Vorgehen, auf eine “Nationale Volksfront” verständigt,
auch in NRW, was sich
auch an der Landeskandidatenliste der NPD zeigt: Drei
Führungsfiguren der
“Freien” wurden aufgestellt, Christian Malcoci, Daniela
Wegener und Ralph
Tegethoff (vgl. TERZ 1/2005). Doch nicht alle “Freien”
ziehen mit der NPD an
einem Strang, erst recht nicht konfliktfrei oder bedingungslos. Der
“Volksfront”-kritische Flügel der
NRW-“Kameradschaften” hätte statt Malcoci und
Wegener lieber den Dortmunder Siegfried Borchardt und den Bergheimer
Axel Reitz
als Kandidaten der “Freien” auf der NPD-Landesliste
gesehen, aber ersterer
stellte sich erst gar nicht zur Verfügung und letzteren wollte die
NPD offenbar
nicht. Außerdem verlangte man einen “angemessenen Teil der
Wahlkampfkostenerstattung”
als Gegenleistung für eine Unterstützung der NPD. Noch gibt
es wohl keine
Reaktion der NPD auf diese Forderung – und im Gegenzug keine
Unterstützung.
“Die ausdrücklich parteifrei bleibenden Kameraden gedenken
nicht, auch nur eine
einzige Unterschrift zu sammeln, solange es keine vertragliche
Vereinbarung mit
der Partei gibt”, so der Hamburger Neonaziführer Christian
Worch. Und so muss
die überforderte NRW-NPD auf andere Helfer zurückgreifen: Auf
den
NPD-freundlichen Teil der “Freien” und auf Wahlhelfer aus
anderen
Bundesländern. So wurde kürzlich ein Trupp von “Jungen
Nationaldemokraten” aus
dem niedersächsischen Verden angeheuert, der mehrere Wochen durch
NRW-Städte
reiste und an NPD-Ständen Unterschriften sammelte.
Sie
marschiert, sie marschiert nicht, sie marschiert?
Schon seit
Monaten ist es ein offenes Geheimnis in der neonazistischen Szene, dass
die NPD
am 1. Mai, also drei Wochen vor den Wahlen, in Bochum marschieren
möchte. Am
diesjährigen “Tag der deutschen Arbeit” setzt ihr
Bundesverband angesichts des
zeitnah geplanten bundesweiten Aufmarsches am 8. Mai in Berlin
(“60 Jahre
Befreiungslüge – Schluß mit dem Schuldkult”) auf
dezentrale Veranstaltungen.
Bis Ostern angekündigt waren aber ‚nur’ NPD-Demos in
Magdeburg und Nürnberg
(“Das Volk sind wir – Weg mit Hartz IV”), offenbar
gibt es in Bochum noch
Probleme. Den meisten “Freien” wird das egal sein, sie
werden diesen Tag
ohnehin nicht in NRW verbringen, sondern bei einer von Worch
angemeldeten und
seit langer Zeit beworbenen Demonstration in Leipzig.
“Freie”
sammeln in Düsseldorf
Ohne eine
Unterstützung der “Freien” wäre in
Düsseldorf ein Wahlantritt der NPD
undenkbar. Seit vielen Jahren zeigt sich die Düsseldorfer NPD
inaktiv, nach
öffentlichen Verlautbarungen und Aktivitäten sucht man seit
Anfang der
neunziger Jahre vergeblich. Lediglich parteiintern war in den letzten
Jahren
hin und wieder von einzelnen Düsseldorfer Funktionsträgern zu
hören, so zum
Beispiel von Eugen König. Die Düsseldorfer NPD existiert nur
auf dem Papier und
wäre relativ einfach von den “Freien”
übernehmbar. Undenkbar ist das nicht,
schließlich sind diverse Aktivisten der schon seit längerem
unter diesem Namen
nicht mehr in Erscheinung getretenen “Kameradschaft
Düsseldorf” auf
“Volksfront”-Kurs. Und so stößt man folgerichtig
auf einen Trupp um Sven Skoda
und Tibor Engler, der derzeitig Unterstützungsunterschriften
für den
zwischenzeitlich in die NPD eingetretenen Ralph Tegethoff sammelt.
Dieser wurde
von der NPD offenbar als Direktkandidat im Düsseldorfer Wahlkreis
40 nominiert.
Der ehemalige FAP- und “Wiking Jugend”-Aktivist aus Bad
Honnef gehört
bundesweit zu den angesehensten und erfahrensten Kadern der
“Freien”. Es dürfte
niemanden verwundern, wenn auch in weiteren Düsseldorfer
Wahlkreisen Kader und
Aktivisten der “Freien” als Kandidaten antreten, so zum
Beispiel Skodas
politischer Ziehvater Christian Malcoci. Der zuletzt in den
Niederlanden
wohnhafte ehemalige Korschenbroicher wird auf der NPD-Wahlliste
mit Wohnort
Düsseldorf geführt.
Fazit
Konflikte
mit einem Teil der “Freien”, Schwierigkeiten beim
Aufstellen von Kandidaten und
beim Sammeln der Unterstützungsunterschriften in allen 128
Wahlkreisen, ein
zumeist zweit- bis drittklassiges Führungspersonal, Irritationen
bezüglich
einer 1. Mai-Demonstration: Der nordrhein-westfälische
NPD-Wahlkampf läuft
unrund. Und NRW war auch noch nie eine Hochburg der NPD. Realistisch
erscheint
unter diesen Voraussetzungen höchstens ein Achtungserfolg, von
einem Einzug in
den Landtag ist man noch weit entfernt. Dennoch ist die NPD auch in NRW
aktiver
und wahrnehmbarer geworden, Infostände und andere öffentliche
Auftritte wären
noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen, heute sind sie keine Seltenheit
mehr.
Antifaschistisches
AutorInnenkollektiv
www.terz.org - 31.03.2005