Art
&
Politics
eine
Ausstellung im Museum Morsbroich
“art
is not something that can be ‘put off’ until
world revolution has been achieved”
Dieser Satz
steht kleingedruckt auf einem der Bilder von Öyvind
Fahlström aus den
siebziger Jahren und stammt aus einer Zeit, in der Kunst und
revolutionäre
Bewegung zumindest von manchen KünstlerInnen zusammengedacht
wurden. Dreißig
Jahre später ist zwar von der Weltrevolution immer noch nichts zu
sehen, dafür
aber sind einige Werke derer, die so dachten, im Museum Morsbroich
ausgestellt.
Mit Arthur
Köpcke, Öyvind Fahlström, Erró und Jean-Jaques
Lebel werden dort Künstler
vorgestellt, die in den 50er, 60er und 70er Jahren politische Themen in
ihren
Arbeiten aufgriffen und die Grenze zwischen schaffendem
Künstlergenie und bloß
passiv rezipierendem BetrachterInnen zu durchbrechen versuchten. In
internationalen KünstlerInnenzusammenhängen, die sich
zwischen Paris und New
York bewegten, wurde in Happenings die Auseinandersetzung mit dem
Publikum
gesucht und mit neuen Medien experimentiert. Die Ausstellung zeigt, was
in der
Natur der Sache liegt, zwar ausschließlich Bilder sowie einige
wenige kleine
Objekte, das Blättern im Katalog erlaubt es aber, die Arbeiten zu
kontextualisieren und Bezüge zum restlichen Schaffen der
Künstler herzustellen.
Von Köpcke
werden unter anderem einige seiner “reading work pieces”
gezeigt, die komplex
und schwierig zu enträtseln sind, das Publikum aber fordern und
zur Diskussion
anregen sollen. Collagen aus Zeitungen und Magazinen werden nummeriert
und
durch selbstgeschriebene Texte ergänzt, wobei den BetrachterInnen
überlassen
bleibt, die zu den Motiven passenden Begriffe zu finden und das
Bilderrätsel zu
lösen.
Weniger
rätselhaft, aber dafür umso detailreicher sind einige
Arbeiten Öyvind Fahlströms.
Sie erscheinen wie kleinteilige Puzzles aus comicartigen Szenen
und Landkarten, in denen die brennenden
politischen Themen der siebziger Jahre behandelt werden: Vietnam-
und
Algerienkrieg, die Auswirkungen des Weltmarktes auf die Trikontstaaten,
US-Interventionen in Lateinamerika, bis hin zu Details wie dem Prozess
gegen
Angela Davis. Die Komplexität des Weltgeschehens spiegelt sich
dabei in der
Unübersichtlichkeit der Zeichnungen wieder: Leicht zu durchschauen
ist der
ganze Zirkus nicht. Zwar sind diese Bilder manchmal reichlich plakativ
geraten,
sie vermitteln aber das Bemühen, als Künstler aktiv Einfluss
auf
gesellschaftliche Prozesse zu nehmen, so wie in einem Bilddetail aus
einem
Brief an Picasso zitiert wird: Der Künstler möge sein Bild
“Guernica”, das als
DAS Symbol für Krieg und Leid gilt, solange aus dem Museum of
Modern Art
entfernen, bis sich die US-Truppen aus Südostasien
zurückgezogen haben.
Erró
greift
in seinen an den sozialistischen Realismus angelehnten Bildern die
durch Propaganda
vermittelten Werte in Ost und West auf und stellt diese
verschränkt einander
gegenüber, um sie so zu entlarven. In seinen frühen
Zeichnungen sieht man
hingegen schreiende, leidende Gestalten den Versprechungen der Werbung
gegenübergestellt oder in die Maschinerie fordistischer
Arbeitsbedingungen
eingezwängt. Von Erró stammen auch die wenigen aktuellen
Arbeiten aus den
frühen neunziger Jahren, die im Stil klassischer
Superhelden-Comics den
Golfkrieg ironisieren oder den Jugoslawienkrieg kritisch kommentieren.
Die Bilder,
die in dieser Ausstellung gezeigt werden, mögen manchen in Teilen
ein wenig
platt erscheinen – sie sind dennoch ein wichtiges Dokument ihrer
Zeit, denn sie
spiegeln nicht nur die gesellschaftliche und politische Situation
wider,
sondern vermitteln auch ein Kunstverständnis, das heutzutage
ziemlich rar
geworden ist.
Und wem
nach Aktuellerem gelüstet: Im Südflügel des Schloss
Morsbroich ist eine
Ausstellung von Martha Laugs zu sehen, die mit Dokumentarfotos
kirchlicher
Werbetafeln im so genannten “Bible Belt” der USA die Rolle
radikal christlicher
Gemeinden bei der Wiederwahl George W. Bushs und dem “Feldzug
gegen das Böse”
beleuchtet. Und auch die ist durchaus sehenswert.
Krümel
Die
Ausstellung “Art & Politics” läuft noch bis zum
30.4., die Ausstellung
“America after Jesus” bis zum 15.6. im Museum Morsbroich,
Leverkusen. Weitere
Infos unter
www.museum-morsbroich.de
www.terz.org - 31.03.2005