Lausige Zeiten
das wort
hat ulrich reitz köhler
In seltener
Offenheit weist Ulrich Reitz, seines Zeichens Chef-redakteur der
Rheinischen
Post, am 14. März den Weg aus der Krise: “Das Wort hat
Köhler”. In Ankündigung
der “mit Spannung erwarteten Grundsatzrede” (dpa 15.3.05)
und vor dem
Hintergrund einer Untersuchung vom
Allensbach-Institut: “81 % der Selbständigen und 85 % der
leitenden
Angestellten sehnen sich nach einem Eingreifen Horst
Köhlers” bricht es nun
auch aus Ulrich Reitz heraus: “Eine riesengroße Mehrheit
der Deutschen findet
es prima, wenn der Bundespräsident sich in die Tagespolitik
einmischt. Die
Leute (siehe oben!) haben Recht. In ihrer Sehnsucht (!) nach einem
starken (!)
Mann folgen sie weniger einem – angeblich typisch deutschen
– autoritären
Reflex. Sie ziehen vielmehr die Konsequenzen aus ihrer Erfahrung mit
einer
Parteipolitik. Und die hat es eben mal von kämpferischer, gerade
jetzt mal
wieder staatstragender Rhetorik begleitet, nicht fertig gebracht,
Deutschland
nach vorne zu bringen. Da brauchen sich Merkel
und Schröder, …, nicht zu wundern, wenn ihre Kundschaft
anderswo einkaufen
gehen will”… “Horst Köhler ist der Mann der
Stunde.”
Wenn Reitz
sich auch in den Qualitäten dieses Mannes täuscht, als
Hindenburg-Kopie taugt
er alle Male, der Herr Köhler. Wie fällt es doch aus dessen
Munde: “Deutschland
ist sich selber untreu geworden. …Diese Ordnung ist im
Niedergang, weil immer
neue Eingriffe sie schleichend zersetzt (!) haben. (…)
Taktische Reformpausen wegen Wahlterminen
oder einen Zickzackkurs können wir uns nicht leisten. (…)
Regierung und
Opposition stehen in patriotischer Verantwortung.” Usw.
usf.
wohlstand
und
seine
verteilung
Der
Armutsbericht der Bundesregierung und diverse andere Untersuchungen
zeigen,
dass Deutschland z.B. bei der Zunahme von Kinderarmut ziemlich weit
vorne
liegt. Wer hätte gedacht, dass in Tschechien 6,8 , in Deutschland
aber 10,2 von
hundert Kindern arm sind. Auch für Düsseldorf gibt es im
Zusammenhang mit Armut
interessante Zahlen: Mit 79.858 Euro Bruttoinlandsprodukt pro
Erwerbstätigen
ist Düsseldorf das beste Pflaster in NRW. In diversen
internationalen
Vergleichen besteht die Stadt sehr gut und belegt vordere Plätze.
Das
Durchschnittsgehalt Düsseldorfer ArbeitnehmerInnen ist das
vierthöchste in der
Bundesrepublik und wird mit 37.500 Euro im Jahr angegeben. Das sind im
Schnitt
nun mal gut 3.000 Euro, da sollte es doch den DüsseldorferInnen
gut gehen. Das
ist aber bei vielen nicht der Fall. Denn mit 12,6 Prozent
Arbeitslosigkeit
liegt die Stadt selbst über dem Durchschnittswert von NRW mit
12,3%. Was kann
man daraus schließen? Einige verdienen saugut, einige andere
ziemlich gut, noch
mehr eher mau und viele fast nichts.
Überraschung?
alles
falsch verstanden
Wo leben
wir denn nun eigentlich? In der Presse verkündete Norbert Walter,
Chefökonom
der Deutschen Bank Erstaunliches: “Wir müssen, nachdem der
Sozialismus der DDR
überwunden wurde, den westdeutschen Sozialismus überwinden,
damit wir die
Zukunft gewinnen können.” Wir befinden uns im Sozialismus?
Da muss etwas an uns
vorbei gegangen sein.
mal wieder
eins auf den deckel bekommen
Eine
empfindliche Schlappe musste OB Erwin vor dem Arbeitsgericht
Düsseldorf
einstecken. In selbstherrlicher Manier hatte Erwin den Wahlamtsleiter
Kark im
Kommunalwahlkampf suspendiert mit der Begründung, dass Kark
unwiederbringlich
das Vertrauen der Stadtspitze verspielt hätte, da er eine
Ungenauigkeit
übersehen hatte. Für das Gericht war die Suspendierung
unrechtmäßig, es setzte
den Wahlamtsleiter wieder in seine Position ein. Durch einen
Vergleich weit
über 50.000 Euro braucht der 64-jährige nun nicht mehr zu
seinem Arbeitsplatz
zurückkehren.
die
tsunami-strafe
Da sah
Osama bin Laden ziemlich blass aus. Am 26. Dezember letzten Jahres
waltete
Gottes Gericht und beförderte über 200.000 Sünder ins
Jenseits. Das jedenfalls
teilt uns das “Missionswerk DIE BRUDERHAND e.V.”
in einer Flugschrift mit,
verteilt im Sündenpfuhl Düsseldorf Altstadt. Schon in grauer
Vorzeit der
westlichen Zivilisation wütete Gott gegen die Ungläubigen:
“Gott hat nicht nur
die Sintflut zu Noahs Zeiten passiv zugelassen, sondern er hat sie
aktiv als
Strafgericht über eine verdorbene Menschheit geschickt. Er hat
Feuer und
Schwefel auf Sodom und Gomorra fallen lassen. Er hat Ägypten
mit 10
schrecklichen Plagen gestraft. 2. Chronik 7,13 sagt, dass Dürre,
Schädlinge und
sogar Seuchen von Gott als Reaktion auf die Gottlosigkeit der Menschen
geschickt sind.” (Flugschrift)
Neueste
Meldungen, nach denen der Einsatz biologischer Kampfstoffe das
Hauptrisiko für
die westliche Zivilisation bildet, scheinen gerechtfertigt zu sein.
preußische
treuhand klagt
Die in
Düsseldorf ansässige Vertriebenen-Organisation
“Preußische Treuhand GmbH &
Co.” arbeitet mit Nachdruck an einer Umdefinition der Rolle von
Opfern und
Tätern und betreibt eine unverhohlen revanchistische Politik.
“Erst wenn das
Heimat-Recht der vertriebenen Deutschen mit deren Eigentumsrecht an
ehemaligen
Besitztümern in Einklang gebracht wird, ist der Akt der
Vertreibung endgültig
geheilt”, meint der Treuhand-Aufsichtsratsvorsitzende Rudi
Pawelka etwa.
Deshalb hat der Verband jetzt eine Klage beim Europäischen
Gerichtshof für
Menschenrechtsfragen eingereicht, um seiner Klientel Eigentumstitel an
ihrem
ehemaligen Besitz im heutigen Polen zurück zu
erstreiten.
hartz IV
gekippt?
Ende
Februar fällte das Düsseldorfer Sozialgericht in einem
Verfahren ein Urteil,
das ein wichtiges Element von Hartz IV kippen könnte. Eine
aktuelle
Entscheidung des Sozialgerichtes Düsseldorf führte zu einer
Einstweiligen
Anordnung zugunsten der EmpfängerInnen.
Kernsatz: “Das Gericht hat nämlich erhebliche
verfassungsrechtliche Bedenken
gegen die Heranziehung von nichtehelichen Lebensgemeinschaften im
Rahmen des
SGB II.” Eine Düsseldorferin hatte geklagt, da sie keine
finanzielle Leistungen
des Arbeitsamtes bekam, weil ihr nicht ehelicher Lebenspartner für
ihren
Unterhalt aufkommen sollte. Das sah das Gericht anders. Allen
ähnlichen
Betroffenen ist angeraten, Widerspruch einzulegen und gegebenenfalls zu
klagen.
Die Chancen stehen gut, dass die Verfahren genauso ausfallen.
corneliusstraße
stinkt zum himmel
In den
Hitlisten der Städte mit besonders hoher Lebensqualität
belegt Düsseldorf stets
vordere Plätze. Gesundheit scheint dabei allerdings kein Kriterium
zu sein. Die
Luft in der Landeshauptstadt macht nämlich krank. Schon 1995
berichtete die
Terz über die an der Corneliusstraße gemessene hohe
Schadstoff-Konzentration
und die Proteste der AnwohnerInnen. Das Rathaus störte sich nicht
groß an den
Belastungen für Mensch und Umwelt. Nicht einmal die seit diesem
Jahr geltende
neue Grenzwert-Regelung der EU für Feinstäube motivierte die
LokalpolitikerInnen zum Handeln. “Seit fünf Jahren ist
bekannt, dass die
Grenzwerte eingeführt werden. Aber die Verwaltung hat es
versäumt, ein
Gesamtkonzept für ganz Düsseldorf zu erarbeiten”,
kritisiert Werner Reh vom
BUND. Nach dieser Verordnung dürfen die Konzentrationen nur an 35
Tagen im Jahr
die Höchstmenge von 50 Milligramm übersteigen, sonst drohen
Strafen in
Millionen-Höhe. Die Rußpartikel und der Reifen-Abrieb
können nämlich
Atemwegserkrankungen und Herzinfarkte auslösen, jährlich
über 10.000 Todesfälle
gehen auf Luftverschmutzung durch Feinstaub zurück.
Düsseldorf hatte bereits im
März fast die 35 voll. Weil Erwin & Co. trotzdem untätig
blieben,
intervenierte Regierungspräsident Jürgen Büssow. Was
beim Oberbürgermeister auf
wenig Gegenliebe stieß. “Das ist blinder Aktionismus, der
die Stadt kaputt
macht”, wetterte er. Um die drohende Sperrung der Straße
abzuwenden, leitete
die Stadt dennoch widerwillig erste Maßnahmen wie eine
morgendliche
Nass-Reinigung und ein Durchfahrtsverbot für schwere LKW ein,
hintertreibt die
Pläne Büssows ansonsten aber nach Kräften und versucht
sie als
Wahlkampf-Manöver
abzutun.
keine
praxisgebühr zahlen
Erneut
sorgte das Düsseldorfer Sozialgericht für bundesweite
Aufsehen. Die
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVN) zerrte einen
Düsseldorfer vor
Gericht, der seine 10 Euro Praxisgebühr nicht gezahlt hatte. Das
Gericht
verurteilte ihn zwar zur Zahlung, allerdings kann die KVN die
anfallenden
Gerichtskosten, Mahn- und Portogebühren nicht an den säumigen
Zahler
weiterleiten. Etliche Krankenkassen gaben daraufhin bekannt, dass sie
zunächst
auf Klagen gegen Verweigerer verzichten werden. Im Jahr 2004
hatten
bundesweit über 337.000 Menschen die Gebühr nicht gezahlt.
Wetten, dass sie
dieses Jahr heftig steigen wird?
mörder
unter dem edelweiß abschalten
Pfingsten
findet erneut das Treffen der Gebirgsjäger im beschaulichen
bayerischen
Mittenwald statt. Die Gebirgsjäger waren eine Einheit der
Wehrmacht, die in
halb Europa ihre Blutspur hinterlassen hat. Etliche Massaker wurden von
diesen
Mördern in Uniform vollzogen. Bis heute stellt sich die Bundeswehr
und ihre
Einheit der Gebirgsjäger in diese Tradition. Erneut sind
Gebirgsjäger im
Ausland aktiv. Seit drei Jahren können die Gebirgsjäger nicht
mehr ungestört feiern.
Auch dieses Jahr heißt es wieder: Auf nach Mittenwald zu
Pfingsten am Sa./So.,
15. und 16. Mai, um gegen diese widerlichen Feierlichkeiten zu
protestieren.
Aktuelle Infos gibt es unter www.nadir.org/nadir/kampagnen/mittenwald.
Am 2.
Mai wird es im Rahmen der 8. Mai Kampagne eine Informations- und
Mobilisierungsveranstaltung zu Mittenwald im Antifa-Café
im Linken Zentrum stattfinden. Erneut werden
aus dieser Region Busse zu den Protesten fahren. Anmeldungen unter:
angreifbare.tradition@freenet.de
königskinder
Erwin und
damit Düsseldorf haben wieder ein neues Luxusprojekt. Zwei
Wohntürme im Hafen,
die jeweils 63 Meter hoch werden sollen. Gekrönt werden die beiden
Gebäude von
Skulpturen des bekannten Künstlers Markus Lüpertz. Alles ganz
edel und sehr, sehr
teuer. So sollen die Wohnungen im Schnitt 120 Quadratmeter groß
sein und etwa
5.000 Euro pro Quadratmeter kosten. Man will also ungefähr 600.000
Euro für
eine Eigentumswohnung haben! Ein Teil der Wohnungen soll aber auch
vermietet
werden, auf deren Mieten darf man gespannt sein. Es wäre somit
auch denkbar,
dass es den Türmen ergeht, wie so manchem Bürogebäude:
Es finden sich keine
Abnehmer und Mieter. Egal, Hauptsache es wird
gebaut.
was kostet
ein senior?
Eine 71
Jahre alte Dame hat aus Unachtsamkeit einen 91 Jahre alten Herren mit
ihrem
Auto überfahren und dabei getötet. Bedeutet dies, dass die
Frau nicht mehr
fahren darf? Klar, allerdings nur für drei Monate, dann darf sie
wieder
losbrettern. Ah ja, beinahe vergessen: 2.250 Euro kostet das kleine
Versehen auch noch, das soll hier nicht unterschlagen
werden.
konzeptloses
integrationskonzept
Schon der
im Frühling 2001 veröffentlichte Integrationsbericht hatte
ein beängstigendes
Auseinanderwachsen von deutscher und nicht-deutscher Bevölkerung
in Düsseldorf
konstatiert. Der Report stellte eine hohe Arbeitslosigkeit bei
Nicht-Deutschen
fest, beobachtete Islamisierungstendenzen, Ghetto-Bildungen und
nachlassende
Sprach-Kompetenzen. Das alles hätte den LokalpolitikerInnen genug
Handlungsanweisungen geben können. Da es in Düsseldorf aber
keine
Ausländerpolitik gibt, beschlossen die Verantwortlichen, das
Problem einfach
auszusitzen. Lange Zeit tat sich gar nichts, dann kamen CDU und FDP auf
die
Idee, erstmal ein Integrationskonzept in Auftrag zu geben. Darüber
gingen die
Jahre ins Land. Nach zweieinhalb Jahren lag das Konzept endlich vor und
wiederholte nur die Einsichten des Integrationsberichts:
Ghettos sind doof,
die meisten Ausländervereine auch, Erziehung zur Zweisprachigkeit
ist
pädagogisch wertvoller als Deutsch only und gegenseitiges
Kennenlernen ist
schwer vonnöten. Terz schlägt vor: Jetzt muss dringend bis
2009 ein
Umsetzungskonzept her, und auf dieser Grundlage kann die Politik
dann so ab Mitte 2010 erste
Maßnahmen in die Wege leiten.
1-euro-kräfte
als hilfs-sheriffs
Der
Ordnungswahn der Stadt hat neue Opfer gefunden. Die
Zwangsarbeitskräfte der
Stadt, die über die Zukunftswerkstatt als Fahrgastbetreuer bei der
Rheinbahn
arbeiten, wurden indirekt gezwungen, Drogendealer in Bahnen und Bussen
zu
vertreiben. Einige betätigten sich nur allzu gerne an dieser
repressiven
Arbeit, andere machten dies nur widerwillig. Offiziell haben sie dies
alle
freiwillig gemacht. Aber wo bleibt die Freiwilligkeit, wenn bei
Verweigerung
der Arbeit das Arbeitsamt kontaktiert wird und den Langzeitarbeitslosen
dann
das Geld gestrichen wird? Über die Medien lässt die
Zukunftswerkstatt derweil
der Verdummung freien Lauf. Während die Rheinbahn verlauten
lässt, dass sie
hofft mit den Fahrgastbetreuern die Dealer zu vertreiben, lässt
die
Zukunftswerkstatt über die Presse verbreiten, dass die
Fahrgastbetreuer keine
ordnungspolitische Funktion hätten. Soso.
vormerken
Am 8. Mai,
dem Tag der deutschen Kapitulation und dem Sieg der Alliierten, findet
eine
antifaschistische Demonstration in Düsseldorf statt. Mehr unter
www.antifakok.de und www.buendnis-8mai.de
8. Mai um
14 Uhr HBF Düsseldorf.
www.terz.org - 31.03.2005