Burschen
Kung Fu: Rhenane verurteilt
Ein
Burschenschaftler
wurde wegen einer Attacke auf eine Frau zu einer Geldstrafe verurteilt.
Er
wollte eine Kampfsporttechnik vorführen und verletzte sie
erheblich.
Bei der
Burschenschaft “Rhenania Sanlingia” sind Frauen nicht gern
gesehen. Doch dass
sich das Männergehabe in dieser Form äußerte,
hätte eine
Versicherungsangestellte sicherlich nicht für möglich
gehalten, die an einem
Juniabend 2003 an einem Sektempfang der Burschenschaft teilnahm. Doch
was kann
man von Degen schwingenden Ritualsäufern auch erwarten. Da verirrt
sich einmal
eine Frau auf einen Abend dieses Männervereins, und schon kommt es
zum
Desaster. Der Abend endet für sie mit einem gebrochenen
Knöchel.
Der
43-jährige Bursche wollte seiner Aussage nach einen
Kampfsporttrick vorführen,
den so genannten “Fußfeger”. Dass dies wohl kein
geeigneter Weg ist, die
Aufmerksamkeit seines Gegenübers für sich zu gewinnen,
müsste selbst einem
durch und durch patriarchalisch strukturierten Burschen einleuchten. Es
sei ein
gegenseitiges Ausprobieren von Kampfsporttricks gewesen, versuchte er
seine
Attacke zu relativieren.
Die
verletzte Frau sah das ein bisschen anders. “Er hat mich
plötzlich zu Boden
geworfen und mir gegen den Fuß getreten.” Folge dieser
“Vorführung” waren zwei
Schrauben im Gelenk und sechs Wochen Krücken. Doch auch nach
dieser
“missglückten” Demonstration seiner Fähigkeiten
wollte er sein Vergehen immer
noch nicht einsehen. Er verhinderte, dass ein Krankenwagen gerufen
wurde und
beleidigte die Frau auch noch. Auf einem Bein musste sie dann ins
Krankenhaus
humpeln. Für diese Tat muss der Angeklagte nun 1750 Euro zahlen.
Da haben
sich die Burschen wieder einmal selbst übertroffen. Ihr
sexistisches Weltbild
scheint sich auch gelegentlich physiologisch zu entladen. Da wird es
doch mehr
als Zeit, ihnen zu zeigen, was davon zu halten ist.
Kurzinfo:
Burschenschaft “Rhenania Salingia”
Die
Burschenschaft “Rhenania Salingia” ist eine schlagende
Verbindung. Sie hat
ihren Sitz in Düsseldorf auf der Reichsstraße 21 und
versucht ihre Mitglieder
an der HHU zu ‘keilen’, wie die Anwerbung in ihrem Jargon
genannt wird.
Mehrmals im Semester veranstalten sie in ihrem Haus Veranstaltungen und
Feiern,
die ihre Zielgruppe ansprechen sollen. Vor allem ‘Erstis’
versuchen sie mit
günstigem Wohnraum und finanzieller Unterstützung zu
ködern. Sie wollen nach
eigenen Angaben, wie sie in einer Anzeige in der neofaschistischen
Wochenzeitung “Junge Freiheit” (JF) verlauten lassen,
“konservative deutsche
Studenten” ansprechen. Das heißt im Klartext, dass Frauen,
“Ausländer”, Zivildienstleistende
und progressiv denkende Menschen ausgeschlossen sind. Ihr
antidemokratisches
Weltbild ist geprägt durch Sexismus, Rassismus, Militarismus und
Elitedünkel.
Dass ihre Kontakte nicht nur in konservative Kreise hinein reichen, wie
ihre
Verbindungen zu CDU und deren Hochschulorganisation “Ring
Christlich
Demokratischer Studenten” (RCDS) zeigen, sondern weit in
rechtsextremen
Bereichen verwurzelt ist, demonstrieren nicht nur ihre Aktivitäten
in
neurechten Kreisen (JF), sondern vor allem die Auftritte von
Nazigrößen in
ihrem Burschenschaftshaus. So war am 17.11.1999 der NPDler Horst Mahler
zu
Gast, der seine antisemitische Hetze zum Schlechten geben durfte. Ihre
Aktivitäten aus der Mitte der Gesellschaft heraus, in der sie die
Besetzung von
Machtpositionen anstreben, macht es besonders notwendig, ihrem Treiben
ein Ende
zu setzen.
Mehr
zum
Thema Burschenschaften und “Rhenania Salingia” findet ihr
im Reader
“Verbindungs-(Un)Wesen – Anachronismus an den
Hochschulen?” herausgegeben vom
Asta der HHU.
www.terz.org - 31.03.2005