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Das Evangelium nach Jimmy

Man stelle sich vor: Jesus is back. Die Gentechnik hat es möglich gemacht. Aus dem Turiner Leichentuch konnte ein Klon Jesus erstellt werden. Alles Quatsch? So dachte auch Jimmy Wood, 32 Jahre alt und von Beruf Swimmingpool-Reparateur, als ihm ein Priester, ein Arzt und ein Jurist eröffnen, das er der neue Sohn Gottes ist und das der Präsident der USA Großes mit ihm vor hat. Eine Unzahl von Leuten stürzen sich auf ihn um ihn auf die neue Mission vorzubereiten. Und es passiert das Unglaubliche: Jimmy vollbringt Wunder. Auf mysteriöse Art vermehren sich die Donuts, ein Blinder kann wieder sehen, ein Toter erwacht zum Leben. Die Problem fangen an, als sich Jimmy emanzipiert und einen eigenen Kopf entwickelt, schließlich ist er der neue Messias. Als der Papst ihn jedoch als neuen Messias ablehnt, gerät alles außer Kontrolle. Jimmy wendet sich einem Fernseh-Massenprediger zu; der Auftritt endet im Fiasko und alle Welt will nur noch eins - ihn ans Kreuz nageln.
Das Buch ist wirklich böse. Hier wird alles mögliche durch den Kakao gezogen. Ein Slapstick-Feuerwerk mit ernstem Hintergrund. Das Buch hat ein paar Längen, die aber nicht wirklich stören, sondern eher mal für etwas Ruhe sorgen. Es ist auf jeden Fall köstlich zu lesen und zeigt mal wieder was für ein Schmarrn doch Religion ist.

MEIKEL

Didier van Cauwelaert: Das Evangelium nach Jimmy
Rütten & Loening - 406 S., 19.90 Euro

Den Fluchtweg zurückgehen

Cordula Lissner stellt mit "Den Fluchtweg zurückgehen" ihre erweiterte Dissertation in Buchform vor. Der Band ist voll von interessanten Informationen, die selten bis nie so konzentriert vorgestellt und untersucht wurden. Natürlich gibt es so manches biographisches Material über das Exil von 1933-1945. Aber die grundsätzliche Frage, warum Menschen 1933 und danach gegangen sind, aber erst recht warum ein Teil von ihnen 1945 nach Deutschland "heimkehrte" wurde selten in dieser detailreichen Form betrachtet. Der größte Teil der Exilierten kehrt nach 1945 nicht zurück. In der Tat stellt sich die Frage, warum überhaupt Menschen in ein Land zurückgingen, in dem sie schrecklichen Verfolgungen oder gar Torturen ausgesetzt waren und das darüber hinaus völlig zerstört und dessen Bevölkerung traumatisiert war. Mit Mitgefühl und Verständnis in der ehemaligen Volksgemeinschaft hatten die Rückkehrer jedenfalls nicht zu rechnen. Aber es gab neben persönlichen Gründen und Bindungen natürlich auch politische Gründe, um wieder in Deutschland zu leben. Das Exil der Arbeiterbewegung wird hier ausführlich untersucht, spannend dabei ist, dass einerseits auch das bürgerliche Lager, aber auch kleine linke Gruppen nicht übersehen werden. Naturgemäß nehmen natürlich die SPD und die KPD einen besonders großen Teil der Studie ein. Aber auch das Verhalten der Alliierten, die zumindest in der unmittelbaren Nachkriegszeit kein besonderes Interesse an der Heimkehr deutscher Oppositioneller hatten, wird betrachtet. Studien dieser Art sind manchmal etwas sperrig zu lesen, aber wer sich darauf einläßt wird nicht enttäuscht werden.

FEHRI

Cordula Lissner: "Den Fluchtweg zurückgehen", Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, Band 73, Klartext Verlag, 2006, 395 S., 32,- Euro

www.terz.org - 30.03.2006