Antifaschistische Aktivitäten und Neues aus der Naziszene
News von der "Kameradschaft Düsseldorf"
Teil 1
Gewohnt reise- und aktionsfreudig zeigte sich in den letzten Wochen die
"Kameradschaft Düsseldorf" um Sven Skoda. Am 25. März
z.B. nahmen 10 Mitglieder der "Kameradschaft" an einem Treffen
der "Freien Kameradschaften NRW" teil. Aufgrund einer Autopanne
auf der A 46 wäre dieses Vorhaben jedoch beinahe gescheitert. Mit
tatkräftiger Unterstützung des ADAC aber gelangten Skoda, Birr,
Engler, Schirmer, Assmann und Co. gerade noch rechtzeitig in das von der
Sauerländer "Kamerad-schaftsführerin" Daniela Wegener
angemietete Café Vogelsang im nordhessischen Willingen-Schwale-feld.
Nach den Patzern der Vergangenheit (vgl. Kurzbericht "Trotz Mord
... nicht tot" in der TERZ 1/2000) hatte es der "Freie Nationale
Widerstand in NRW" dieses Mal vorgezogen, nicht unter Vortäuschung
falscher Tatsachen Räumlichkeiten anzumieten, sondern den mit der
Neonazi-Szene sympathisierenden Inhaber des Cafè Vogelsang zur
Verfügungstellung seines Lokals für eine geschlossene Veranstaltung
zu bewegen. Laut Berichten von AnwohnerInnen ist es in Schwalefeld in
den letzten Jahren immer wieder zu Treffen und sonstigen Auftritten von
Neonazis gekommen. Auch das Cafè Vogelsang scheint nicht zum ersten
Mal als Veranstaltungsort und Treffpunkt der Szene gedient zu haben. Insgesamt
ca. 60 TeilnehmerInnen, großteils aus NRW, hatten sich eingefunden,
um anstehende Aktionen abzusprechen, die Vernetzung ihrer Strukturen voranzutreiben
und den Reden von Sven Skoda und des niederländischen Neonaziführers
Constant Kusters zu lauschen. Mit Stephan Haase nahm auch ein Mitglied
des NPD-Landesvorstands an der Veranstaltung teil. Laut einem Artikel
in der Willinger Lokalpresse (HNA vom 30.3.) wurde das Treffen vom polizeilichen
Staatsschutz beobachtet. Hierbei beließen es die Hüter der
Ordnung aber dann auch, so daß das Treffen relativ ungestört
stattfinden konnte.
News von der "Kameradschaft Düsseldorf"
Teil 2
Ebenfalls mit einer Panne begann der Versuch der "Kameradschaft
Düsseldorf", die Veranstaltung "Bilder einer Ausstellung.
Diskussion zur Rezeption der umstrittenen Ausstellung Vernichtungskrieg.
Verbrechen der Wehrmacht 1941-44" (siehe Artikel in dieser Ausgabe)
zu stören. Offensichtlich zu blöd dafür, den genauen Veranstaltungstermin
in Erfahrung zu bringen, erschien eine ca. 15-köpfige Abordnung am
Vorabend der Veranstaltung auf einer Lesung, bei der Jan-Philipp Reemtsma
aus dem Werk von Arno Schmidt vortrug. Somit mußten die "Kameraden"
am nächsten Tag, am 13.4., einen zweiten Anlauf nehmen. Mit 18 Personen
gelangte man zwar bis vor die Johanneskirche, aber nicht in die Veranstaltung.
AntifaschistInnen stellten sich ihnen in den Weg und sorgten dafür,
daß die von Sven Skoda geführte Gruppe keinen einzigen Meter
weiterkam. Nach dem Eintreffen der "Kameraden" wurde ihnen von
den VeranstalterInnen, zu denen auch der ANTIFA-KOK zählte, Hausverbot
erteilt. Erst mit Verzögerung sah sich nun auch die Polizei, die
sich zuvor schützend vor die Neonazis gestellt und sogar einen der
AntifaschistInnen festgenommen hatte, in der Pflicht, den Neonazis den
Zutritt zu verwehren und ihnen zu raten, sich zu entfernen, einem Rat,
dem Skoda und Co. folgten. Ein Teil der "Kameradschaft" versammelte
sich im Anschluß in ihrer Stammkneipe "Zum goldenen Faß"1
auf der Dorotheenstraße, Ecke Ackerstraße. Da sich die deutschen
Recken aus Angst vor antifaschistischen Rügen nicht mehr aus der
Kneipe heraus trauten, wurde ein Großraumtaxi geordert, mit dem
die "Freiheitskämpfer" unter Polizeischutz in Sicherheit
gebracht wurden. In der Innenstadt zerstreute sich dann der "Widerstand".
Erst jetzt fühlten sich einzelne "Kameraden" sicher genug,
in der Altstadt ein Bier trinken zu gehen. Ausnahmsweise folgte diesem
Ereignis nicht die zu erwartende Ansage auf dem "Nationalen Infotelefon
Rheinland", daß man wieder einmal ruhm- und siegreich die Schlacht
gegen das "Undeutsche" geschlagen habe. Recht weinerlich wurde
beklagt, "30 teilweise vermummte Antifaschisten" hätten
eine "diskussionsbereite Gruppe junger parteiunabhängiger Nationalisten"
daran gehindert, an einer Veranstaltung des Düsseldorfer Initiativkreises,
einem "Sammelbecken linker Randalierer" teilzunehmen. Die Polizei
habe sich hierbei zu "Handlangern linksalternativer gewalttätiger
Randalierer" gemacht. Die Ansage endet mit der "furchteinflößenden"
Ankündigung von Skoda und Co., man werde den "Zorn unter der
schwarzen Fahne der Wut und des Hasses auf die Straße tragen",
sollte es dem Initiativkreis doch noch gelingen, die Ausstellung nach
Düsseldorf zu holen. Nur zu Kameraden!
1 Bei der Gaststätte "Zum goldenen Faß" handelt
es sich nicht um eine Neonazi-Kneipe, sondern "lediglich" um
eine Kneipe, in der die Düsseldorfer "Kameraden" desöfteren
anzutreffen sind.
Düsseldorfer "Schlesier" grüßen Antisemiten
Ebenfalls keine Probleme mit Antisemiten scheint der Düsseldorfer
Kreisverband der "Schlesischen Jugend" zu haben. "Alles
Gute" für das Jahr 2000 wünschen die genetisch vertriebenen'
Jungschlesier in einem Schreiben dem wegen NS-Wiederbetätigung verurteilten
österreichischen Neonazi Walter Ochens-berger und der Redaktion seines
antisemitischen und holocaust-leugnenden Hetzblattes "Phoenix".
Antisemitisches aus dem Lebenskunde-Verlag
Der über 70-jährige Kurt Winter, ehemaliger Vorsitzender der
Düsseldorfer "Republikaner"-Abspaltung "Freie Wählergemeinschaft"
und politischer Ziehvater des Rechtsrock-Yuppies Torsten Lemmer, denkt
offensichtlich nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. In seinem "Lebenskunde-Verlag",
an dem auch Torsten Lemmer beteiligt ist, erscheint jetzt das seit langem
vergriffene antisemitische Machwerk "Wer regiert die Welt?"
von Des Griffin. Griffin behauptet hierin, daß "geheime Kräfte"
die Welt regieren würden. Um welche "Kräfte" es sich
hierbei handelt, offenbart ein Blick in die im Anhang zu findenden "Protokolle
der Weltdiktatur". Hinter diesen verbergen sich nämlich die
antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion."
Antifaschistische Demo in Ratingen
Über 400 Menschen demonstrierten am 8. April in Ratingen unter dem
Motto "Dem rechten Terror entgegentreten - In Ratingen und überall!"
Anlaß für die Demo, zu der das Aktionsbündnis gegen
Rechts' aufgerufen hatte, war die Häufung von neonazistischen Übergriffen
in den letzten Monaten (die TERZ berichtete). An der Demo beteiligten
sich sowohl eine Reihe von Antifagruppen, als auch VertreterInnen aus
Kirchengemeinden und Parteien sowie Jusos, SchülerInnenvertreterInnen
und diverse Einzelpersonen. Ein schaler Nachgeschmack der ansonsten erfolgreichen
Demonstration aber bleibt. Nicht nur, daß der Platz vor dem Rathaus
nicht als Auftaktkundgebungsplatz genehmigt und stattdessen eine "Rathaus-Bannmeile!"
konstruiert wurde; auch am Haus des Ratinger REP-Vorsitzenden Friedhelm
Zander durfte die Demo nicht vorbeiziehen, nachdem sich Zander beschwert
hatte. Offensichtlich befürchtete die Stadt und die örtliche
Polizei, üble Elemente wollten das schöne Ratingen und Zanders
Wohnsitz in Schutt und Asche legen. Etwas mehr Widerstand gegen derartige
Einschnitte in das Demonstrationsrecht wäre wünschenswert und
auch notwendig gewesen. So aber zeigte sich sogar die Polizei nach der
Demo zufrieden. Ein wenig Kritik hatte sie dennoch vorzubringen: Die Demo-teil-nehmerInnen
hätten mehr Rücksicht auf AutofahrerInnen nehmen sollen. Diese
hätten doch tatsächlich manchmal den rechten Fahrstreifen nicht
nutzen können...
Trotz allem war die Demo aber ein gelungener erster Schritt, Widerstand
gegen die neonazistischen Aktivitäten vor Ort aufzubauen. Es gilt
jetzt, am Ball zu bleiben.
Kontakt zur örtlichen Antifa kann aufgenommen werden
über: Antifa Ratingen, c/o ASH, Philippstr. 30 A, 40878 Ratingen.
6. Mai - auf nach Essen!
Wie in den letzten beiden Ausgaben der TERZ berichtet soll
am 6.5. in Essen eine NPD-Demonstration "Gegen Massenarbeitslosigkeit
und Sozialabbau" stattfinden. Zwischenzeitlich hat die NPD ihre Mobilisierung
intensiviert. Angemeldet wurde eine Demonstration, die um 11.00 Uhr am
Saalbau (Innenstadt) beginnen soll. Dieser Ort steht allerdings noch nicht
fest, da es offensichtlich von Seiten der Polizei Bestrebungen gibt, die
Demo nicht in der Innenstadt stattfinden zu lassen. Ein Verbot der NPD-Demo
wird aber nicht in Erwägung gezogen. Antifaschistische Gruppen rufen
dazu auf, sich an der Verhinderung des Aufmarsches zu beteiligen. AntifaschistInnen
aus Düsseldorf werden gemeinsam von Düsseldorf aus nach Essen
fahren.
Wer sich anschließen möchte, kann über
Tel.: 0172 / 211 13 11 nähere Infos zum Düsseldorfer Vorbereitungstreffen
und zum Treffpunkt für die Abfahrt in Erfahrung bringen.
Demo in Krefeld gegen den rechten Sounddreck
Zu einer Demonstration gegen einen Auftritt der Band "Sol Invictus"
am 20.4. in der Kulturfabrik (Kufa) Krefeld hatte die Unabhängige
Antifa no pasaran Krefeld' aufgerufen. Bei Sol Invictus handelt es sich
um Projekt von Tony Wakeford, der jahrelang in der braunen Dark-Wave-Band
Death in June' mitwirkte. Mit dem Projekt Sol Invictus bricht Wakeford
nicht etwa mit seiner Vergangenheit, sondern bedient weiterhin das rechte
Spektrum. Nicht nur, daß die Kufa Personen wie Wakeford als abendliche
Hauptattraktion verpflichtet und ihm hierdurch ein Forum schafft; auch
die Terminierung des Konzerts auf den 111. Geburtstag Adolf Hitlers zeugt
nicht gerade von einem sensiblen Herangehen an das Thema. Die Kufa ihrerseits
bezeichnet diesen bösen Schnitzer als "Zufall". Der Argumentation,
daß Bands wie "Sol Invictus" kein Forum geboten werden
dürfe, folgten die Verantwortlichen erwartungsgemäß nicht.
Im Gegenteil: Die Anti-faschistInnen seien selber schuld - so die Argumentation
der Kufa - wenn aufgrund des ganzen "Aufsehens" Neonazis angezogen
würden. Wie war das noch gleich mit den Verantwortlichen für
rassistische Gewalt? Rassistische Gewalt entsteht durch "zu viele
Ausländer", da diese provozierend auf deutsche Rassisten wirken.
Darum: "Ausländer raus!" Offensichtlich scheint die Vertauschung
von Opfern und Tätern auch in Krefeld nach wie vor einsetzbar zu
sein. Das Konzert fand übrigens unter dem Schutz der Polizei mit
100 TeilnehmerInnen statt. An der antifaschistischen Demonstration beteiligten
sich 60-80 Personen. Und die Kufa hat sich wieder ein Stück mehr
von ihren vermeintlich fortschrittlichen Ansätzen entfernt, sofern
diese jemals vorhanden waren.
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