Comic
Donjon 2
Mittlerweile erfreut sich der Franzose Lewis Trondheim auch hierzulande
einer wachsenden Fangemeinde, die sicherlich nicht nur aus Kinder besteht.
Er schafft es mit seinen Zeichnungen Jung und Alt zu begeistern. Dazu
verhilft ihm bei Donjon der Autor Joann Sfar (u.a. "Die Potamoks",
"Merlin" bei Carlsen), der hier eine aberwitzige Geschichte
liefert, die das gesamte Fantasy-Genre parodiert und auseinandernimmt.
Die etwas schwächliche Ente Herbert gerät durch ein dummes Missgeschick
in gefährliche Abenteuer. (Band 1) Nun soll Herbert in der Kriegskunst
ausgebildet werden. Der Meister der Kriegskunst, ein Sack, der Krankheiten
vorhersehen kann, nimmt ihn unter die Fittiche. Nur bewaffnet mit Feder
und Holzstöckchen betseht Herbert jede Menge Kämpfe gegen Sonja,
die rothaarige nackte Riesin, gegen die fünf Zwergvampire, Henri
die linke Maus, gegen Milionen von blutrünstigen Orks, nur um die
stinkenden Socken des Bergkönigs zu ergattern und etliche weitere
Abstrusitäten. Man wird süchtig nach mehr,mehr,mehr.
Meikel F
Donjon 2, Sfoar/Trondheim; Carlsen Verlag, 48 S. in
Farbe für 19.90 DM
Comic
Spit City 1
Mit Spit City stellt sich ein weiterer hoffnungsvoller Comicnachwuchs
aus dem scheinbar unerschöpflichen Hamburger Reservoir bei Jochen
Enterprises vor. Die Welt von Spit City, wie sie der Hamburger Zeichner
und Autor Teer uns zeigt, ist bevölkert von Elend. Das aber wollen
nicht alle so hinnehmen. Die Individual-Anarchistin Sally sprengt die
Symbole der Macht in die Luft. Geblendet von den schönen Farben dieses
Feuerwerks in dem S/W Heft wird sie gekascht. Doch gute Freunde gibt es
überall, so übersteht sie auch die folgende Hinrichtung, und
weitere Abenteuer gegen das Böse werden einem garantiert. Auch in
der darauffolgenden Geschichte wird gegen die Macht etwas unternommen.
Der despotische Herrscher von Spit City endet erstmal ziemlich kläglich.
Doch das ist noch nicht das Ende.
Der anarchische Witz, die Macht in Frage zu stellen und mit Gewalt zu
bekämpfen, macht dieses gelungene Comic aus. Die surrealistisch anmutenden
Zeichnungen erinnern an Filme wie Metropolis oder Mabuse (den alten Film).
Hier sind die Gewalttätigen eindeutig die Guten. Wer sagt, Gewalt
sei nur schlecht?
Meikel F
Spit City 1, Teer; Jochen Enterprises, 48 S. in s/w
9.95 DM
Comic
Geteilter Traum
Ganz ohne Worte kommt das Comic des Schweizers Daniel Bosshart aus. Und
doch stecken in dem Album ganz viele verschiedene Geschichten. In einem
realistischen, stark dokumentarischen Stil gezeichnet, erinnert es fern
an Jörg Müllers "Alle Jahre wieder...". Auch hier
geht es um Veränderungen, aber halt nicht nur der Umgebung, sondern
auch der dokumentierten Personen. Es sind Momentaufnahmen dreier Menschen,
zwei Jungen, ein Mann. Sind es Brüder, ist der Mann der Vater? Die
Beziehungen untereinander bleiben ungeklärt, sind aber auch nebensächlich.
Wie auch die eigentliche Geschichte eher an den Rändern spielt als
im Zentrum. Die Veränderungen, das Älterwerden, zeichnet sich
nicht nur in den Gesichtern ab, sondern auch in den Tagträumen der
beiden Jungen. Ganz unterschiedlich in ihrer Wesensart, der eine eher
Realist, der andere mehr introventiert, stehen sie in enger Beziehung
zueinander. Das bindende Glied ist der schon ältere Mann/Vater. Als
Zeichen der Wichtigkeit von Phantasie hängt er die Aufzeichnungen
der Tagträume bzw. wichtige Gegenstände an die Küchenwand.
Der dokumentarische Realismus der Zeichnungen und die Traumwelt der beiden
Jungen ist ein harmonischer Gegensatz . Das ist auch das Wesentliche des
Comics: trotz aller Realitäten und Veränderungen des Äußeren,
soll man sich die Träume erhalten. Da ist es nur konsequent schon
auf dem Titel ganz verschiedene Traumgestalten wiederzufinden. Das zeigt
natürlich auch die Vorlieben des Zeichners/Autoren Bosshard. Zu finden
sind u.a. ist dort "Der kleine Prinz", "Yellow Submarine",
"Peter Pan", "Käpt_n. Nemo" und noch etliche
andere. Dieses verträumte Titelbild sollte einen aber nicht von dem
wunderschönen Inhalt abhalten.
Daniel Bosshart hat hier ein großes Comic geschaffen, das geeignet
ist für gross und klein. Es ist ohne Worte, aber nicht sprachlos.
Meikel F.
Geteilter Traum, Daniel Bosshart
Edition Moderne, HC,
70 S. in Farbe für 35 DM
Comic
Die Metal Boyz
Die kleinen Mutterficker
Grimm1: Die Gänsemagd
Anscheinend nimmt sich der Zwerchfell Verlag jetzt verschiedene Genres
vor. In dem Doppelheft "Die Metal Boyz/Die kleinen Mutterficker"
werden zwei gänzlich verschiedene Musikszenen karikiert. Irgendwelche
Vorurteile über Metal? Ok, hier findet ihr sie. Saufende Pappnasen
mit langen fettigen Haaren in schwarzen Lederjacken, die versuchen, Instrumente
zu quälen. Was für ein Glück, dass die Popindustrie gerade
in Nöten ist. Eine neuartige Boygroup, Marke Metalboys, muss her.
Und endlich gibt es auch für unsere Jungs Erfolg, Geld und Frauen.
Aber nur kurz. Eine nette kleine Geschichte. Wesentlich interessanter
ist da schon "Die kleinen Mutterficker" aus dem Schwabenländle.
Hier wird nicht karikiert, sondern bis unter die Gürtellinie persifliert.
In, alle Achtung, erstaunlicher Manier wird alles eingedeutscht, bzw.
eingeschwäbischt, so dass der Duden wie das alte Testament aussieht.
Die drei kleinen Nachwuchs-hiphopper geben sich alle Mühe noch cooler
zu sein als der gefährlichste Gangstarapper. Besonders gelungen die
schmerzhafte Begegnung mit schwarzen GIs, die es gar nicht mögen,
von kleinen, pubertierenden weissen Vorstadtbengels mit Nigga angeredet
zu werden. Das blosse Kopieren von Aussehen, Sprache und Attitüden
von Ghettokids aus den USA wird hier ad absurdum geführt. Ein herrlicher
Spass. Hey Yo, man.
Der Name Grimm deutet es schon an, hier gibt es eine erneute Adaption
von Märchen. Versprochen wird eine Neufassung, streng angelehnt an
das Original. Und die Originale sind nicht ohne, wie wir alle aus der
Kindheit noch wissen dürften. Damals erkannte man nur das Gewaltpotential,
man denke nur Struwwelpeter. Da kommt selbst ein Splatterfilm kaum mit.
Liest man heutzutage noch einmal Märchen, erkennt man neben der offenen
Gewalt viele Anspielungen auf Moral, Sex and Crime. Dies soll mit dieser
Reihe auch visuell umgesetzt werden.
Meikel F
Die Metal Boyz/Die kleinen Mutterficker
32 S. in S/W für 6.80 DM
Grimm1: Die Gänsemagd
E. Breitschuh, 24 S. in S/W für 7.80 DM
beide Hefte bei Zwerchfell Verlag
comic
Schlechte Laune
Was soll man noch über dieses Comic aus der Feder von Isabel Kreitz
schreiben? Der Zwerchfell Verlag veröffentlicht die vergriffenen
ersten beiden Bände "Schlechte Laune" und "Ralf lebt"
zusammen in einem kleineren Heftchen-Format noch einmal. Damit ist es
möglich, den dritten Teil, der bei Carlsen erschienen ist, zu vervollständigen.
Vor sechs Jahren überraschte Kreitz mit "Schlechte Laune"
die Comicbranche. Damals gab es nur recht wenige deutschsprachige Comiczeichner,
von Comiczeichnerinnen ganz zu schweigen. Kreitz zeigte, daß auch
hierzulande Comics möglich sind, die ihren eigen Stil haben und nicht
nur US-Comics adaptieren oder reine Karikaturen sind.
In "Schlechte Laune" ist Ralf der Titelheld, der durch dummes
Pech beim U-Bahn-Surfen in Hamburg ums Leben kommt. So denken zumindest
alle. Doch im Untergrund der Grossstadt sammeln sich die Underdogs, die
Zombies, denen der Körper entstellt wurde und die sich nicht mehr
ans Tageslicht trauen. Die U-Bahnschächte, die nächtlich leeren
U-Bahnhöfe, leere Gänge und die Kanalisation sind ihr Reich.
Doch so ganz lässt sich ihre Existenz nicht verheimlichen. Es kommt
zu einem folgenschweren Wiedersehen.
Ein hervorragendes Buch, das jedem nur wärmstens ans Herz gelegt
werden kann, der es noch nicht kennen sollte. Im Anhang befinden sich
einige Zeichnungen von Ralf von anderen Zeichnern.
Meikel F
Schlechte Laune, Isabel Kreitz; Zwerchfell Verlag, 110
S. in S/W für
19.80 DM
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