Expo-ManiaAlles wird gut. Der Countdown läuft. Am ersten Juni eröffnet die erste deutsche Weltausstellung in Hannover. Unter dem Motto "Mensch-Natur-Technik" stellen sich über 200 Regierungen und Großunternehmen dar. Ein riesiger Techno-Event mit Disney-Ästhetik soll einstimmen auf die Zukunft aus der Sicht der Unternehmen und der Wissenschaft. In einer gigantischen Propagandashow will Deutschland zeigen, daß
man wieder wer ist in der Welt. Es wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.
Geld spielt keine Rolle. Neben diversen finanziellen Unregelmässigkeiten
im Vorfeld der Messe wird von vornherein ein Minus von 400 Millionen DM
einkalkuliert, wenn am 31. Oktober die Pforten schliessen. Allerdings
wird bei diesen Überlegungen von 40 Millionen Besuchern ausgegangen,
während intern schon nur noch mit der Hälfte gerechnet wird.
Selbst das erscheint noch viel zu hoch, denn der Verkauf läuft bisher
mässig. Gerade einmal der Eröffnungstag, der 1.Juni, ist ausverkauft.
Und dieser Tag verspricht spassig zu werden, denn es werden neben den
400.000 Gästen und viel geballter Staatsmacht auch andere Leute erwartet.
Unter dem Motto "Expo lahmlegen" gibt es einen Aktionstag mit
dezentralen Blockaden und weiteren Aktionen zur Verhinderung der Eröffnungsfeier-lichkeiten.
Alle sind aufgefordert, mit eigenen Aktionen zum Chaos beizutragen. Projekt Expo Alles ändert sich. Krieg heisst nun "Humanitäre Mission",
Imperialismus "Globale Verantwortung", verschärfte Ausbeutung
"Nachhaltige Entwicklung". Aber bei der EXPO bleibt es nicht
beim Neusprech. Elf Jahre nach der "Wiedervereinigung" will
sich Deutschland endgültig von der Geschichte des Nationalsozialismus
befreien. "Vergangenheitsbewältigung durch Zukunftsvisionen"
lautet das Motto. Der vorläufige "Sieg des Kapitalismus"
soll nun auch propagandistisch abgefeiert werden. "Das System ist
unfehlbar" wabert als Untermalung durch die gesamte Ausstellung.
Als einzige Gefahr, die den schönen Traum noch stört, bleibt
das Feindbild Mensch übrig. Die Ursachen für ökologische
Zerstörung und soziale Verelendung liegen demnach in den Menschen
selbst. Dieser "Störenfried" lebt meistens nicht in den
Industrienationen. Dem reaktionären Bild der "Bevölkerungsexplosion"
wird auf der Messe zu neuem Glanz verholfen, um auch dem/der einfältigsten
BesucherIn klarzumachen, dass die Menschheit dezimiert werden muss. Angriffspunkt
sind hierbei hauptsächlich die Frauen. Mit der Gen- und Reproduktionstechnologie
rückt der Traum der Wissenschaft, sich den Zugriff auf den Körper
der Frauen weltweit zu sichern, näher. Anbiederung Bereitwillig liessen sich die meisten Umwelt-, Ökogruppen und andere
NGO´s (Nichtregierungsorganisationen) vor den Karren der EXPO-Macher
spannen. Dies nur auf deren staatliche Zuschüsse zurückzuführen,
greift zu kurz. Die Anbiederung an die Macht ist in der Systemkonformität
der Gruppen begründet. In der Inhaltsleere des Mottos Umweltschutz
kann sich schließlich auch die Rechte mit "Schützt unsere
Heimat" problemlos wiederfinden. Bereitwillig ordnet man sich unter
das Diktat der größtenteils von der Industrie bezahlten Ausstellung.
Kritik, die nicht Staat und Unternehmen als Ausgangspunkt hat, ist kein
Widerspruch zum System. Und sie tut nicht weh. Bequem reiht sie sich nahtlos
ein in das Konzept der "Globalen Lösung für das neue Jahrtausend".
Exotik Für den globalen Anspruch der Interessenvertretung ist einerseits
die Aufnahme von Kritik wichtig, andererseits aber auch, dass möglichst
alle Staaten vertreten sind. Die sogenannten "unterentwickelten Ländern"
dürfen mit kulturellen und kuli-narischen Exotika die farbigen Akzente
setzen, während die Industrienationen aufs Ganze gehen. Auf der EXPO
wird die Umgestaltung der Welt unter neoliberalen Bedingungen gepriesen.
Der Kapitalismus als die umfassende Herrschaftsideologie soll in den Köpfen
und Hirnen verankert werden. Die totale Technikgläubigkeit wird als
neue Religion angeboten, an der es keine fundamentale Kritik mehr geben
kann und darf. Mit den neuen Technologien soll die Lösungskompetenz
der Metropolen für all die Probleme demonstriert werden, die weltweit
überhaupt erst von ihnen geschaffen wurden. Deutschland - mittendrin Diesen Pavillon betreibt federführend mit der Messe Hannover die Messe Düsseldorf. An der Trägergesellschaft sind Bund, Land und 50 Firmen beteiligt, die die Kosten von 262 Millionen DM tragen. Zentrum der "Visitenkarte Deutschlands" ist ein Rundum Kino. Förmlich erschlagen werden soll der Besucher von einem Film mit dem vielsagenden Titel "Deutschland - mittendrin". Bisher bleibt der Strom der Interessenten für das gigantische Spektakel aber aus. Immer billiger werden Pauschalangebote zum Besuch der Messe. Die Hotelhochburg Düsseldorf hatte sich einen beträchtlichen Teil der Übernachtungen erhofft, doch die erwarteten Massen lassen bisher auf sich warten. Am Donnerstag, 18. Mai findet um 20 Uhr im ZAKK (Raum 3), Fichtenstr. 40 in Düsseldorf-Flingern eine Informationsveranstaltung über die EXPO statt. Bei freiem Eintritt erfährt man unter dem Motto:"Slave New World - Die EXPO 2000 und ihre neoliberalen Visionen".
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