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Neben Frankreich/Belgien ist Italien die Comichochburg Europas. Das mag
überraschen, denn es gibt neben dem Erotomanen Manera relativ wenige
Comicautoren, die im deutschsprachigen Raum bekannt sind. Vielleicht weiss
noch der eine oder andere, dass viele der Micky Maus/ Donald Geschichten
in Italien fabriziert wurden, doch damit erschöpft sich in der Regel
das Wissen über Comics aus Italien. Verwundert schaut man bei einem
Besuch des Landes auf das vielfältige Angebot, das jedoch meistens
mangels Sprachkenntnissen unerschlossen bleibt. Immer wieder gab es in
den letzten Jahrzehnten Versuche, italienische Comics hier zu etablieren,
aber alle scheiterten. Zu unterschiedlich ist das Konsumverhalten, als
das italienische Comics hier Erfolg haben konnten. Ausgelegt ist es als
schnell konsumierbare Massenware in oft mässiger Qualität. Das
betrifft den Druck wie den Inhalt und eignet sich einfach nicht dazu in
Plastikfolie verschweisst in den Bücherschrank gestellt zu werden.
Im Zuge der Heftchenmanie, die ja schon wieder ihr Ende hat, versucht
es der Carlsen Verlag erneut mit einer italienischen Comicreihe. Trash
ist nun mal in und damit einen Versuch wert. Für ganze sechs Mark
erhält man 96 Seiten Comic pur. Mit über 1 Million Heftchen
monatlich ist Dylan Dog das erfolgreichste Comic in Italien. Dylan Dog
ist eine Mischung aus Krimi, mit ein klein wenig Erotik, jeder Menge Mystery
und ein wenig Grusel, sowie vielen, vielen Anspielungen insbesondere aus
der Filmwelt. Die Zeichnungen erinnern entfernt an Corto Maltese. Eine
Mixtur, die viele Vorlieben bedient und gar nicht mal so schlecht ist.
Die Story ist nicht weiter der Rede wert, ziemlich trashig und schnell
herunter zu lesen. Mit Dylan Dog ist das Comic wieder da angekommen, wo
es früher schon angesiedelt wurde. Aber gut. Dylan Dog soll monatlich
erscheinen. MEIKEL |
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Es gibt ja durchaus Menschen, die weder studieren, noch diverse Internetmagazine
lesen, noch im Ruhrgebiet leben. Für diese sind die Aussichten schlecht,
etwas von Jamiri, das ist Jan-Michael Richter, zu lesen. Für diese
gibt es die Geschichten auch in Albumform. Dotcom Dummy ist nun Version
5.0. Jamiri schafft es gekonnt, Alltagshumor in wenigen Bildern auf einer
Seite unterzubringen. Und das ist gut. Man mag es kaum glauben, dass er
aus altbekannten Themen, hier z. B. seine Ehefrau Beate, doch noch neue
Gags herausholt. Alle Achtung, das ist gut, das ist schräg. Dass
er sich manchmal Hilfe von seinem Kumpel Wiglaf Droste holt, sei ihm nicht
nur verziehen, man ahnt denn auch, woher er seine Inspiration holt, halt
eben nicht nur von seiner geliebten Beate. Der Untertitel deutet es schon
an, der Band handelt von den Tücken des Computers. Eine never ending
Story mit immer neuen, zu entdeckenden lustigen Sachen, die einen zur
Weissglut bringen. Jeder, der solch ein Teufelswerk sein eigen nennt,
kann davon ein Liedchen singen. Trotzdem ist der Schreck groß, wenn
man entdeckt, daß die Frau neben einem eigentlich ein Cyborg ist
und mit einer Fehlfunktion bei den Worten "Frankfurter Kranzä"
reagiert. Wir kennen alle diese Fehler, aber glücklicherweise will
noch kein Computer heiraten. Oh, oh. Jamiri schafft es vorzüglich
die Tücken der Technik und die Macken ihrer Benutzer gehörig
auf die Schippe zu nehmen. Dass dies mit einer gehörigen Portion
Selbstironie passiert, macht alles umso sympathischer, zumal es auch schön
gezeichnet ist. So in Richtung Photorealismus. Sehr schön. MEIKEL |
comic
Frühlingserwachen-
Bd.6 |
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Vom Trash nun zur Philosophie. Dem künstlerischen Anspruch gerecht
werdend, wird hier versucht, Philosophisches in Bildform zu Papier bringen.
Martin tom Dieck ist dafür bestens geeignet. Schon seine bisherigen
Werke entziehen sich dem klassischen Comicbegriff und sind viel besser
als Comickunst zu bezeichnen. Das Ich und das Wohin stehen häufig
im Vordergrund. Das neue Werk hat er zusammen mit dem Journalisten Jens
Balzer hergestellt. Zusammen haben sie auch das Heft "Schreibheft
Nr.51:Sprechende Bilder- Blickstörung. Vom Eigensinn der Comics"
(Rigodon Verlag) verfasst. MEIKEL |
comic
Salut, Deleuze! - Martin tom Dieck, Jens Balzer - Arrache Coeur Verlag - 48 S. für 28 DM |